Sind Öko-Kaffees besser ?

Eine berechtigte, gern gestellte Frage! Aber, unvollständig, denn dem Komparativ fehlen die Objekte: Besser als was und vor allem besser für wen oder was?
In vielen Tests, wie z.B. Ökotest oder Stiftung Warentest, wird diese Frage oft reduziert auf die geschmackliche Qualität und die Schadstoffbelastung – also die Frage ‘ besser für wen?’. Über die Aspekte der Kundenzentrierung der Qualitätsfrage hatte ich mich ja schon an anderer Stelle ausgelassen. Heute möchte ich mal beleuchten, wie das ‘besser für was’ letzendlich zu ‘besser für wen wird’.
Nehmen wir mal an, die Qualität landwirtschaftlicher ist das Ergebnis des Zusammenspiels des Menschen mit natürlichen Faktoren, nämlich Klima, Boden und Landschaft. Hierfür wurde für Kaffee, insbesondere aber auch für Wein der Begriff des ‘Terroirs’ geprägt.

Was das mit Ökologie zu tun hat, lässt sich unschwer erschließen. Der Mensch als Nutzer und Gestalter natürlicher Ressourcen hat einen entscheidenden Einfluss auf ihre Erhaltung oder Zerstörung und somit das ‘Terroirs’.

Stichwort Klima:
Welche Wirkungen werden die hausgemachten Klimaänderungen ohne Wirkung Kaffeeanbau bleiben? Vermutlich kaum! Die globale Erwärmung wird zu einer Verlagerung von Kaffeeanbauregionen führen, da Kaffee spezifische Temperaturansprüche hat. Gleichzeitig führen zukünftig Unwetter oder Trockenheiten zu verstärktere Bodenerosion.

Stichwort Boden:
Ein ökologische Bewirtschaftung im Kaffeeanbau impliziert auch Beschattung durch natürliche Baumbestände und Erhaltung des humosen Oberbodens – beides essenzielle Elemente eines effektiven Erosionsschutzes. Untersuchungen, z.B. in Venezuela, haben gezeigt, dass die Bodenerosion in Sonnenkaffeeplantagen doppelt so hoch ist wie in Schattenkaffeekulturen. Die Verwendung von Kunstdünger führt zudem zur Verarmung natürlicher Nährstoffe, eine künstliche Bewässerung zu unter Umständen zu Bodenversalzung.

Das qualitätsprägende Terroir steht also in unmittelbarem Zusammenhang mit seiner Nutzung durch den Menschen – seine nicht-ökologische Bewirtschaftung besitzt eine Art Halbwertszeit – eine nicht allzu lange. Daher sollte man ‘ökologisch’ also schmecken auch können. Und ob ‘ökologisch’ schmeckt, ist auch eine Frage der geschmacklichen Prägung. Geschmackserziehung ist die wirksamste Bekämpfung von Fast-Food- und Glutamat-Terrorismus!

Genau deswegen sind ökologisch angebaute Kaffees also in aller Regel besser als konventionelle! – Besser für die Umwelt – besser für den Verbraucher und besser im Geschmack.

Welche Qualität bevorzugen Sie?

Sonnenkaffee (c) W.A.Selcher

Sonnenkaffee (c) W.A.Selcher

Schattenkaffee (c) DR Wakefield & Company Limited

Schattenkaffee (c) DR Wakefield & Company Limited

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3 Kommentare

  1. Eva Abert
    Veröffentlicht am 05.10.2009 um 17:53 | Permanenter Link

    Für mich ist bei Kaffee wichtig, dass er bio und fair ist. Fair, damit ich meinen Konsum-Genuss nicht auf Kosten anderer ausleben. Und Bio, damit ich selber Produkte konsumieren kann, die nicht mit Pestiziden etc. behandelt wurden. Und das Bio schmeckt, ist ja schon lange kein Geheim-Tipp mehr ;-) Auf unserem Bio-Portal [hier stand ungefragte Werbung per Link] kann man übrigens seit neustem auch verschiedene Bio-Kaffes bestellen: [noch einmal unerwünschter Linkspam]

  2. Veröffentlicht am 09.10.2009 um 09:56 | Permanenter Link

    ich schwöre auf den enerBio-Kaffee von Rossmann, der ist nicht nur bio und schmeckt mir, er ist mit 3,49€/500g auch unschlagbar günstig.
    eigentlich finde ich es auch gut, bei kaffee auch auf fair trade zu achten, habe aber noch leider keinen entdeckt, der schmeckt und erschwinglich ist.

  3. Veröffentlicht am 09.10.2009 um 13:40 | Permanenter Link

    @Mausflaus
    Aha, 3,59 € für ein Pfund. Warum muss eigentlich immer alles billig sein? Zieht man dann noch die Kaffeesteuer von 1,09 ab, bleiben 2,50 €. Fair kann der Kaffee eigentlich nicht sein, den man dafür bekommt. Und bio? Na, ich weiß nicht.

Ein Trackback

  1. Von Ist Öko besser? am 28.09.2009 um 18:57

    [...] Twitter bin ich heute morgen über einen Artikel im mir bis dato unbekannten Kaffee-Satz Blog gestolpert: “Sind Öko-Kaffees besser?” Und die Antwort darauf (die natürlich im [...]