Teil 3: 140 Liter pro Tasse – Führt Kaffeetrinken zu Wassermangel?

So, nachdem wir nun aus Teil 1 und Teil 2 wissen, dass der Plantagenanbau von Robusta-Kaffee in einigen Regionen wasserintensiv sein kann, dies aber v.a. in der Ökobilanz von Billigkaffeemischungen negativ zu Buche schlägt, widmen wir uns jetzt der Wasserbelastung durch die Verarbeitung der Kaffee-Ernte.!
Drei Formen der Kaffeeverarbeitung
Wie die meisten kaffeeinteressierten Blog-Leser längst wissen, gibt es drei Verarbeitungsmethoden für die geerntete Kaffeekirsche: Zunächst die trockene Verarbeitung: Dabei wird die reife Kirsche samt Fruchtfleisch in der Sonne, teilweise auch mit Heißluftunterstützung luftgetrocknet. Für diese Methode wird in aller Regel kein Wasser benötigt. Anders bei der Trockenverarbeitung, müssen die reifen Kaffee-Kirschen bei der halbtrockenen und nassen Verarbeitung zunächst gewaschen werden. Unreife Kirschen, so genannte ‚floater’ schwimmen wegen des geringeren Gewichts auf und werden abgefischt. Dann wird mit dem Entpulper das Fruchtfleisch weitgehend entfernt. In der halbtrockenen Verarbeitung geht es jetzt ab in die Sonne zum Trocknen. In der Nassverarbeitung wird das noch verbleibende Fruchtfleisch in einem Fermentationsprozess der über etwa 12 bis 36 Stunden in großen, wassergefüllten Tanks abgelöst.

Um in der Nassverarbeitung 1.000 Kilo Rohkaffee zu erhalten, werden bis zu 3.100 Liter Wasser benötigt. Die dabei entstehende Verschmutzung mit organischer Substanz entspricht etwa dem täglichen Abwasseraufkommen von 2.000 Personen. Oft wird das Abwasser der Kaffeeverarbeitung ungeklärt in Oberflächengewässer abgeleitet. Dort führen die Abbauprodukte zu erheblicher Sauerstoffzehrung, was die Gewässerökologie nachhaltig beeinträchtigt und zudem zu Geruchsbelästigungen führt. Man bedenke auch, dass in Entwicklungsländern ein Großteil der ländlichen Bevölkerung ihr Trink- und Brauchwasser direkt und ungefiltert aus Bächen und Flüssen bezieht!

Welchen Anteil voll gewaschene Kaffees an der weltweiten Gesamtproduktion haben, lässt sich nur schwer abschätzen. Während im Lande des Weltmarktführers Brasilien oder in Indonesien fast 90 % der Produktion natürlich (trocken) verarbeitet werden, wird in Erzeugerländern wie Indien, Papua Neuguinea, Tanzania oder Uganda stark auf die Nassverarbeitung gesetzt. In diesen Ländern werden bis über 50 % der Produktion in diesem Verfahren bearbeitet.

Wasserschonende Technologien – auch eine Frage des Kaffeepreises
Durch Wasserwiederverwertung und Abwasservorbehandlung und Biokläranlagen können Wasserbedarf und Belastung jedoch drastisch reduziert werden. Moderne, ökologische Halbtrockenverfahren in Kolumbien benötigen beispielsweise lediglich 155 Liter Wasser pro Tonne Rohkaffee. Auch die entstehenden Beiprodukte wie Biogas wären wirtschaftlich nutzbar. Allerdings ist dies wiederum eine Frage der Finanzen. Nur wenige Kooperativen verfügen über das Kapital, um in derartige Technologien investieren zu können, was wiederum auch eine Frage des Kaffeepreises ist.

Was kann der Verbraucher tun?
Um den ökologischen Fußabdruck in Bezug auf Wasserbedarf zu reduzieren, sollte man auf umweltschonende Verarbeitung achten. Allerdings habe ich noch keiner Kaffeeverpackung Informationen über die Art der Verarbeitung entnehmen können. Hier ist also der Handel gefragt!

Ein Boykott gewaschener Kaffees würde der Sache nicht gerecht werden und vor allem die Erzeuger bestrafen, die aus Kapitalmangel keinen Zugang zu modernen Technologie haben. Außerdem verleihen die unterschiedlichen Verarbeitungsformen den Kaffees auch unterschiedliche Geschmacksprofile, weshalb schon vor geraumer Zeit ein Glaubenskrieg entbrannt ist zwischen den Verfechtern der jeweiligen Verarbeitungsmethode. Für Anhänger der Nassverarbeitung steht fest, dass die durch die Entfernung des Fruchtfleisches induzierten Keimungsprozesse den Kaffee geschmacklich positiv beeinflussen. Fest steht auch, dass gewaschene Kaffees ( so genannte Colombian and Other Milds) deshalb derzeit im Preis 10 bis 15 % höher stehen als sonnengetrocknete (Brazilian Naturals). Aber auch nicht jeder Winzer mag im Strom der Barrique-Anhänger mitschwimmen, nur weil die Holznote gerade trendy sein soll.

Wassersteuer auf Kaffee?
Fazit meiner Studie zum Virtuellen Wasserhandel mit Kaffee: Kaffeeerzeugung kann wasserintensiv sein, nicht ausnahmsweise, aber auf bestimmte Regionen und Verarbeitungsmethoden beschränkt. Von den im ZEIT-Artikel genannten 140 Liter pro Tasse sind wir nach diesen Überlegungen jedoch noch weit, weit entfernt. Ein Denkfehler? Auf Nachfrage teilt mir Rainer Berg von Virtuelles Wasser mit:

“Das von den Nutzpflanzen verdunstete Niederschlagswasser geht beim virtuellen Wasser in die Bilanzierung ein! Die virtuellen Wassermengen in Produkten allein reichen daher auch nicht für eine differenzierte Bewertung aus. Es kommt vor allem auf eine nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen in den jeweiligen Anbauregionen an, d.h. insbesondere dass nicht mehr Wasser genutzt wird als das erneuerbare Wasserdargebot hergibt.”

Aha! Mit anderen Worten: Benötigt der Kaffee zusätzlich zum natürlichen Niederschlagsdargebot Bewässerung, schlägt besonders dies sich negativ in der Berechnung des ökologischen Fußabdruck nieder, da die Wasserverdunstung durch die Pflanze, die so genannte Evapotranspiration, den weitaus größten Teil (mehr als 99%) des virtuellen Wasserbedarfs beansprucht, nicht etwa die Verarbeitung oder der Transport des Kaffees.

Obwohl in den meisten Kaffee produzierenden Regionen kaum ökonomisch attraktivere Alternativen zur Nutzung des Regendargebots als für die Kaffeeerzeugung bestehen, wird der (theoretische) ökonomische Wert des Regenwassers nie in die Produktionskosten mit einberechnet. Legte man einen Kubikmeterpreis für Regenwasser von einem Euro-Cent zugrunde, müsste der Kaffeepreis um etwa 17 Cents pro Kilo erhöht werden. Da hätten wir doch eine alternative Abgabe zur Kaffeesteuer?

Quellen:
Wikipedia: Coffee wastewater
ICO Trade Statistics
J.v. Enden: Coffee Waste Water Characteristics
Projektbericht Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie
Waterfootprints

Ein Kommentar

  1. Veröffentlicht am 08.09.2009 um 11:27 | Permanenter Link

    Gute Tipps und ein paar interessante Ideen…weiter so ;)

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