Kaffee und Recycling – Prämierte Nachhaltigkeits-Initiativen (2): Biobrennstoffe aus Kaffeeabfall

Wie ich bereits in einem früheren Beitrag im April berichtete, fällt bei der Kaffee-Verarbeitung eine relativ große Menge organischer Abfälle an, die oft luft- oder gewässerbelastend entsorgt werden oder verrotten. Hierbei werden u.a. die Treibhausgase Methan und CO2 freigesetzt. Dabei lassen sich diese Abfallprodukte durchaus nutzbringend weiter verwerten.

Kaffeepellets aus Brasilien in Holland verstromt
So wurde die Essent, der größte niederländische Öko-Energie-Erzeuger, der kürzlich eine Partnerschaft mit dem Energieriesen RWE angekündigt hat, im vergangenen Jahr für die Nutzung von Kaffeeschalen als Biobrennstoff mit dem Sustainability Award des Amerikanischen Spezialitätenkaffeeverbandes SCAA ausgezeichnet.

Erstmalig hatte mit Essent ein Unternehmen die Verarbeitungsabfälle (in diesem Jahr ca. 5.000 t) aus UTZ und Rainforest Alliance-zertifizierten brasilianischen Kaffeekooperativen zu Pellets verarbeit und in ihrem niederländischen Kraftwerk in Geertruidenberg verstromt. Das Unternehmen schätzt, dass jährlich bis zu 150.000 t Kaffeepellets so genutzt werden könnten. Diese Form der energetischen Nutzung bringt nach Aussagen des Unternehmens bis zu 90 % CO2-Reduktion gegenüber dem durchschnittlichen Kraftwerksbetrieb auf fossiler Basis. Zudem stünde die Abfallverwertung nicht in Konkurrenz mit einer Nutzung als Futtermittel, sondern brächte den Bauern zusätzliches Einkommen, so das Unternehmen.

Kaffeeabfälle auch als lokale Energieträger
Unklar bleibt jedoch, warum die Pellets nicht im Ursprungsland genutzt werden, oder wie viel Energie zur Pelletherstellung und für den Überseetransport aufgewendet werden muss.

Dabei könnte die lokale Verwertung von Kaffeeabfällen einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung einer lokalen und dezentralen Energieversorgung beitragen. Wie entsprechende Versuchsprojekte in Papua Neuguinea und Vietnam zeigen, lassen sich aus der Abwasserbehandlung von 1 Tonne verarbeiteter Kaffeekirschen etwa 5 m³ Methangas zurückgewinnen, die beispielsweise für die maschinelle Kaffeetrocknung bei feuchten Witterungsverhältnissen oder die Versorgung lokaler Haushalte eingesetzt werden könnten. Gleichzeitig werden in dem Klärprozess die stark sauren Abwässer neutralisiert und gereinigt, so dass die Gewässerbelastung im Bereich der Verarbeitungsanlage deutlich reduziert wird.

Unsere zukünftigen Partner von Doi Chaang Coffee (Thailand) beispielsweise könnten bei einer derzeitigen Verarbeitungskapazität von 1.000 t Rohkaffee, die etwa 6.500 t Kaffeekirschen entsprechen, 20-30 Haushalte mit ausreichende Energie für Beleuchtung und Küche versorgen.

Grundsätzlich wird die großflächige Verbreitung solch angepasster Technologien, insbesondere im ländlichen Bereich eine Frage des Kapitals bzw. der Finanzierung bleiben. Hier könnte sich der freiwillige oder verpflichtende CO2-Handel vielleicht zu einem interessanten Instrumentarium entwickeln.

Quellen: Essent, coffee.20m.

3 Kommentare

  1. Babomba
    Veröffentlicht am 14.07.2009 um 12:57 | Permanenter Link

    Leider tun dies nur so wenige… Scheinbar ist das Recyclen einfach nicht rentabel genug für diese Menschen und sie denken diese können so die Umwelt einfach ignorieren.

  2. Celly
    Veröffentlicht am 25.02.2011 um 09:09 | Permanenter Link

    Also die Seite gefällt mir sehr gut.Ich selber arbeite in einem Kaffeeunternehmen, allerdings eher dem Endverbraucher zugewand. Deshalb kam mir vor einiger Zeit die Idee, die portionierten Kaffeesystheme zu nutzen, den Kaffee zurück zugewinnen, und Biogas daraus zu gewinnen, und das Gas verwenden, um die Portionierungseinheit zu recyceln. Aber ohne Geldgeber , aufgrund von geringem Gewinn in kapitalistischer Hinsicht, ein schwieriges Projekt. Aber wie sagt sogar die Werbung, manche Dinge sind unbezahlbar. Und die Welt, unsere Umwelt, unser Leben gehört zweifels ohne dazu. Ich freue mich, wenn meine Worte Anklang finden.

    Chao und alles Gute.

    Euer Celly

  3. Veröffentlicht am 28.02.2011 um 19:15 | Permanenter Link

    @Celly: Danke für den Beitrag. Es gibt in der Schweiz eine Firma, die Sammelt Kaffeesatz ein und stellt nach Zusatz von Stärke Kaminbriketts daraus her, die einen besseren Brennwert als die meisten Hölzer haben.

2 Trackbacks

  1. [...] als Extrakt oder sogar als Kaffeeblättertee – , als Kosmetikprodukt – in Form von Kaffee-Öl, als Brennstoff – in Form von Biogas oder Briketts, als Pilzsubstrat oder als Klimaschutz – der Baum im [...]

  2. [...] benötigen beispielsweise lediglich 155 Liter Wasser pro Tonne Rohkaffee. Auch die entstehenden Beiprodukte wie Biogas wären wirtschaftlich nutzbar. Allerdings ist dies wiederum eine Frage der Finanzen. Nur wenige Kooperativen verfügen über das [...]