Teil 2: Führt Kaffeetrinken zu Wassermangel?

Wie und wo kann Kaffeeanbau Wasserengpässe in Entwicklungsländern verschärfen? Das war die Leitfrage im ersten Diskussionsbeitrag zu Kaffee und Wassermangel. In einem Artikel in DIE ZEIT vom 16.7. wurde u.a. Kaffee als bewässerungsintensives Handelsgut gebrandmarkt. Ich habe recherchiert, in Kaffee-Foren nachgefragt und gerechnet. Hier das Ergebnis:

4 von 6 Bohnen sind Robusta
Weltweit wird Kaffee auf etwa 10,4 Millionen Hektar angebaut. 60 bis 70 % der weltweiten Kaffeeerzeugen entfallen auf Arabica Kaffees, und demnach 30 bis 40 % auf Robusta-Kaffee, Tendenz steigend, denn Robusta ist nur halb so teuer wie Arabica-Kaffee, und die Nachfrage nach Kaffee steigt rasch. Während in nordischen Staaten Europas Robusta nur 5 % der Kaffeeimporte ausmachen, liegt der Anteil in Deutschland, USA, Kanada und Japan bei etwa 25 %, in Italien schon bei 44 %, in Frankreich und England sogar bei 50 % und in den Ländern Osteuropas noch deutlich darüber, bei allerdings deutlich geringerem Pro-Kopf-Verbrauch. Selbst in Brasilien, dem zweitgrößten Kaffeemarkt weltweit liegt der Anteil des Robusta-Verbrauchs am Kaffeekonsum bei 35 %.

Robusta – durstig wie ein Pferd
Was hat das mit dem Wasser zu tun? In Bezug auf Ihren Wasserbedarf haben Arabica und Robusta-Kaffees sehr unterschiedliche Ansprüche. Robusta-Kaffee ist wenig trockenresistent und ‚belohnt’ reichliche Bewässerung mit hohen Erträgen, weshalb er für die Plantagenproduktion in den Tieflandregionen Brasiliens, Vietnams und Indiens besonders attraktiv ist. In Brasilien finden wir riesige, bewässerte Robusta-Flächen ohne Beschattung – Kaffee-Produktion in großindustriellem Maßstab also.

https://www.fas.usda.gov)

Kaffee-Bewässerung in Brasilien (Quelle: https://www.fas.usda.gov)

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Bewässerte Großplantage in Brasilien (Quelle: https://www.fas.usda.gov)

Auch in Vietnam werden Robusta-Plantagen intensiv, oft sogar übermäßig bewässert, allerdings in kleinbäuerlichen Strukturen. Dennoch verschlingt eine einzige Pflanze hier bis zu 1.000 (!) Liter Wasser pro Jahr, was den Grundwasserspiegel in den Hauptanbaugebieten drastisch absinken lässt. Es ist bekannt, dass sich diese Menge leicht um die Hälfte reduzieren ließe. Auch in Indien, wo Robusta über 50 % des Kaffeeanbaus ausmacht, wird intensiv bewässert, hier v.a. zur Blütezeit und in Wassermangelperioden. Allerdings sind indische Plantagen oft vergleichsweise gut beschattet, was hilft die Verdunstung zu reduzieren und das Mikroklima zu verbessern.

Nur etwa 10 % des Weltkaffeeanbaus sind bewässert
In anderen Robusta produzierenden Ländern wie Indonesien und Uganda ist wegen der dortigen, günstigeren klimatischen Verhältnisse Bewässerung unbedeutend. Der bewässerungsintensive Anbau konzentriert sich also in erster Linie auf Brasilien, Indien und Vietnam und umfasst eine Fläche von ca. 920 Tausend Hektar, etwas mehr als die Fläche Korsikas und etwa 9 % der weltweiten Kaffeeanbaufläche.

Bewässerung von Arabica-Kaffee ist lediglich bekannt aus einigen semi-humiden Regionen Brasilien, Tanzanias, Sambias oder Hawaii. Vor allem im östlichen Afrika kann in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft eine gewisser Wasserkonkurrenz zwischen Kaffee und Nahrungsmitteln entstehen.

Im globalen Maßstab relativiert sich aber die Aussage, Kaffee sei bewässerungsintensiv, deutlich.

Robusta möglichst meiden!?
Dennoch: Was kann ich als Verbraucher tun? Weniger Robusta kaufen! Also weniger Instantkaffee und weniger Robusta-lastige südländische Espressomischungen, auch wenn die noch so vollmundig schmecken mögen! Vielleicht ist diese Antwort zu einfach, denn ein Robusta-Boykott würde wahrscheinlich auch die vietnamesischen oder ugandischen Kleinbauern (be)treffen.
Bessere Erzeugerpreise ermöglichten aber unter Umständen auch höhere Investitionen in umweltfreundliche Techniken, wie Tröpfchenbewässerung, oder einfach auch nur die Anpflanzung von Schattenbäumen.

Was sagt eigentlich die Bio-Szene zu intensiv-bewässertem Kaffee? Und gibt es überhaupt bio-zertifizierten Robusta?

Mehr zum Thema Kaffee und Wassermangel in Teil 3.

Quellen: FAOstat, AGworld, Managing groundwater access in Tay Nguyen (Central Highlands) Vietnam, Bitter or Better Future for Coffee Producers?, ANALYSIS OF SUB-AREA 7V BASIN DEVELOPMENT PLAN

2 Kommentare

  1. Veröffentlicht am 27.08.2009 um 09:23 | Permanenter Link

    erneuter Dank!
    und ich freue mich auf Teil 3.

  2. Schwizer
    Veröffentlicht am 12.08.2011 um 17:59 | Permanenter Link

    Interessanter Blog voll mit Facts.

    Anm. der Redaktion: Vielen Dank! Dennoch: Der vorhande Werbelink wurde entfernt!

2 Trackbacks

  1. [...] dem Feld oder im Wald, als auch die Verarbeitung nach der Ernte. Das bedarf etwas mehr Recherche. Hier geht’s zu Teil 2! Setzen Sie ein Lesezeichen Veröffentlicht am 18.08.2009 um 02:18 von Jörg [...]

  2. [...] nachdem wir nun aus Teil 1 und Teil 2 wissen, dass der Plantagenanbau von Robusta-Kaffee in einigen Regionen wasserintensiv sein kann, [...]