Die Behauptung, dass Kaffee den Körper entwässert, ist ja inzwischen wissenschaftlich widerlegt. Jetzt berichtet Autor Frank Drieschner in der Titelstory ‚Unser täglich Wasser’ in DIE ZEIT (30. Ausgabe vom 16. Juli 2009), dass Kaffee nicht unerheblich zur Verschärfung der globalen Wasserkrise beitragen würde.
Zunächst einige Passagen der Reportage:
„Wenn der Bundesbürger D. aufgestanden ist, ausgiebig geduscht und sich zum Frühstück eine Tasse Kaffee gekocht hat, hat er ökologisch gesehen, womöglich schon etwas falsch gemacht. Frage: Was? Kleiner Hinweis: Es hat mit dem Wasserverbrauch zu tun. Die Dusche ist nicht das Problem, […]. Nein, es ist der Kaffee, der die Ökobilanz diese Morgens ruiniert. 125 Milliliter Flüssigkeit, zu deren Herstellung aber 140 Liter Wasser verbraucht wurden. Nicht in Deutschland, wo Wasser guter Qualität reichlich zur Verfügung steht […]. Kaffee ist ein Importprodukt; zum Teil kommt er aus Ländern in Südostasien und Afrika, die beträchtlich an Wassermangel leiden – auch darum, weil sie ihr knappes Wasser zur Bewässerung der Kaffeeplantagen verwenden.
[….] Deutschland, das selbst weit davon entfernt ist, jemals Wassernot zu leiden, gehört dennoch zu den zehn größten Importeuren virtuellen Wassers, was nach Angaben der in Wasserfragen zuständigen UN-Organisation UNESCO vor allem am Import wasserintensiver Agrarprodukte wie Kaffee, Tee und Kakao liegt. […]
Dass Deutschland Kaffee, Tee und Kakao aus trockenen Regionen einführt, wäre weniger schlimm, wenn es im Gegenzug Getreide exportierte.“ (Es geht um den Ausgleich der Bilanz von Virtuellem Wasser, Anm. d. A.)
140 Liter für eine Tassee Kaffee?!
Zunächst einmal war ich sehr erstaunt über die Zahl von 140 Liter oder, auf’s Kilo umgerechnet, 21.000 – in Worten einundzwanzigtausend Liter- , auch wenn sich diese Werte nicht unmittelbar nachvollziehen lassen. Ein kleines Bier nimmt sich da mit 75 Litern relativ bescheiden aus. Dann bin ich gestolpert über das Verb verbrauchen. Als gelernter Hydrologe bin ich an dieser Stelle Pedant und behaupte, dass man in aller Regel Wasser nicht verbrauchen kann, sondern nur gebrauchen – in jedem Fall tritt es früher oder später wieder in den Wasserkreislauf ein. Obwohl, so ganz zu Unrecht verwendet ist das Wort in diesem Kontext nicht, denn es geht in der Reportage um Virtuelles Wasser, also Wasser, welches zur Herstellung von Nahrungsmitteln benötigt und in gewisser Weise anderweitigem, lokalen Bedarf entzogen wird.
Kaffee, Kakao und Tee als wasserintensive Agrarprodukte?
Aber Kaffee, Kakao und Tee? Ich war bisher immer der Meinung, dass alle Drei Produkte der feuchten Tropen seien, also in Regionen beheimatet sind, die mehr als 2000 Liter Regen pro Jahr und Quadratmeter aufweisen. Kaffee wird zudem zu 80 % in kleinbäuerlicher Landwirtschaft erzeugt, in der in der Regel kaum die Möglichkeit oder der Bedarf intensiver Bewässerung besteht.
Was ist also tatsächlich dran an der Behauptung, Kaffee würde zur Wasserknappheit beitragen? Und sollte man die angeprangerte Kaffeesteuer vielleicht in eine Wasser-Sonderabgabe umwidmen müssen?
Dazu müssen wir die Kaffeeproduktion differenziert betrachten, und zwar sowohl der Anbau auf der Plantage, dem Feld oder im Wald, als auch die Verarbeitung nach der Ernte. Das bedarf etwas mehr Recherche.
Hier geht’s zu Teil 2!



6 Kommentare
Ich muss mich bedanken bei solchen Artikeln. Bitte mehr davon. Freude, ja, die brauchen wir, aber das Wissen ein Hauch mehr.
Danke!
Lieber “Kaffee Dramatiker”,
(PS: Ich weiß natürlich, wer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt, darf das aber an dieser Stelle nicht erwähnen)
vielen Dank für Ihren Kommentar! Wir werden uns weiterhin anstrengen!
Ich wünsche Ihnen alles Gute,
Langenbahn
Von dieser enormen Menge habe ich auch schon mal gehört. Schön aber, dass du dem ganzen mal auf den Grund gehst, ich werde das verfolgen!
Weitere Information möchte ich hiermit teilen.
Gefunden im “Securvital” Juli/Aug09. (www.securvita.de)
Das Magazin für Alternativen im Bereich der Versicherungs- und Gesundheitswesen “Securvital” berichtet, dass der durchschnittlichen Verbrauch eines Deutschen aus der Wasserhahn ca. 125 Liter pro Tag entspricht. Doch auf “indirekten” Wegen steigt dies auf 4000.
Beispiele hierfür sind was man für folgenden Produkten in der Herstellung braucht:
10 Liter = 1 Blatt Papier
35 Liter = 1 Tasse Tee
140 Liter = 1 Tasse Kaffee
150 Liter = 1 Apfel
200 Liter = 1 LIter Milch
2.000 Liter = 1 T-Shirt aus Baumwolle
15.000 Liter = 1 Kilo Rindfleisch
…Bloß als Vergleich…
Hallo Kaffee Dramatiker,
vielen Dank fuer die schoenen Zusatzinfos!
Viele Gruesse,
Langenbahn
Hallo Herr Dr.
wir sind also sehr gut dran, denn Teetrinker trinken in der Regel mehr Teeliter als Kaffeetrinker Kaffeeliter, womit sie nicht weniger verbrauchen oder besser, GEbrauchen, als Kaffeetrinker.
Darüber hinaus trinkt man mit Kaffee viel weniger Milch, als sonstige Milchtrinker – Ausnahme sind die Sündige Latte-Trinker.
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[...] Führt Kaffeetrinken zu Wassermangel? Teil 1 | Kaffee-Satz! Tags: addis-abeba, indonesien, kaffee-lander, kaffeeforschung, kaffeesteuer, maskal, rezepte-kaffee, umwelt-kaffee, wasserknappheit, zertifizierung [...]
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