Über den Kaffee-Tassenrand geschaut: Äthiopien im Aufbruch. Ein interessantes Video von 3sat.

„Technik gegen Hunger – Entwicklungshilfe in Äthiopien“, so lautet der Titel eines Films, der am Montag Abend in 3sat ausgestrahlt wurde und jetzt als Video auf der 3sat-Website zu sehen ist.

Äthiopien ist im Aufbruch. Das hat sich schon seit geraumer Zeit angedeutet, und das Land befindet sich am Beginn eines, man kann durchaus sagen radikalen Umbruchs. Und das ist notwendig – bei einer Geburtenrate von 6.8 % und einer 2050 erwarteten Bevölkerungszahl von sage und schreibe 186 Millionen (!) Menschen; derzeit beträgt die Bevölkerungszahl knapp 71 Millionen, in den 60er Jahren waren es noch 30 Millionen! Da muss gehandelt werden, das hat auch die Regierung begriffen.

Der Masterplan für die Entwicklung des Landes sieht vor, das Land auf direktem Weg ins moderne 21. Jahrhundert zu führen. Die Entwicklungsprogramme, einerseits die technologische Innovation, andererseits die Ausbildung von Facharbeitern und Ingenieuren, deren Kernstück der Bau von 13 neuen Universitäten ist, werden realisiert von der Deutschen Gesellschaft für Technischen Zusammenarbeit (GTZ). Dazu enthalte ich mich jeden Kommentars; aber es ist nun ein Mal wie es ist.

Ein solcher Masterplan ist sicher der richtige Startschuss, das Land zu modernisieren. Aber ändern kann sich eine Gesellschaft nur, wenn den Menschen neben Bildung, Ausbildung und der Teilhabe an technologischer Entwicklung auch das Recht der freien, kritischen Meinungsäußerung und politischen Betätigung gegeben wird. Technik allein bringt eine Gesellschaft nicht voran – nicht wirklich!

Aufschlussreich aus deutscher Perspektive ist der Schlusskommentar des Films: „Obwohl die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit eine wichtige Rolle bei der Industrialisierung des Landes einnimmt, sind es vor allem asiatische Länder, die in Äthiopien investieren. Deutsche Unternehmer scheuen bisher das Risiko…“ Dazu kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen

Dennoch: Der Film ist sehenswert. Natürlich wird Beiträgen dieser Art gerne  idealisiert, typisiert, übertrieben und in der Kürze der Zeit Zusammenhänge vereinfachend dargestellt; das muss immer mit in Betracht ziehen. Aber der Film gibt einen guten Eindruck vom geplanten Umbruch des Landes. Hoffentlich kommt kein ungeplanter Umbruch dazwischen. Denn ob sich mit den begonnenen Entwicklungsbestrebungen die bekannten, teilweise tief sitzenden inter-ethnischen und inneren politischen Konfliktherde des Landes sowie die Auseinandersetzungen mit den Nachbarn Eritrea und  Somalia lösen lassen, dahinter sollte man vorsichtshalber ein Fragezeichen setzen – am besten ein recht großes. Auch und besonders bei der „Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit“.
 

Hier geht´s zum Video.

Ein Dankeschön noch an Sabine, die mich auf den Film aufmerksam gemacht hat!