Kaffeebilder: Recycling oder Kunst?!

Wir haben ja schon etliche Blogposts zum Thema Kaffee und Recycling geschrieben. Meistens ging es um die ökologischen Aspekte der Kaffeewiederverwertung. Heute soll es – in einem mit zahlreichen Bildern versehenen Gastbeitrag von Rolf Reicht aus Berlin – um die künstlerische Umsetzung der Recycling-Idee gehen.

“In einem Recycling-Künstler-Haushalt wird stets alles, also auch Kaffee und dessen Verpackungen, auf eine Tauglichkeit zur Wieder- oder Kunstverwendung geprüft. Dass Kaffeereste sich hervorragend kompostieren lassen, wissen schon viele Gärtner, aber dass sich die farbenfrohen Kaffeeverpackungen gut zu Portemonnaies mit zwei Geldfächern umgestalten lassen, eher nur wenige.

Dass man im Kaffeesatz richtig lesen kann, zeigt dieser Blog und meines frühes Werk „Lesen“. Der Malgrund, ein Pappteller, verwendet in vielen Geschäften als Verpackungsunterlage, kommt hier zu neuen Ehren, weil nicht jeder Gebrauch ihn unbrauchbar macht und mit seinem geprägten Rand, gleich einen beachtlichen Rahmen mitbringt.

Kaffeesatz auf geprägtem Pappteller (c) Rolf Reicht

Kaffeesatz auf geprägtem Pappteller (c) Rolf Reicht

Die Grundidee, Kaffee auch als Malmittel zu verwenden, wurde schon recht früh in Frankreich entwickelt. Anfang des 18. Jahrhunderts existierten in Paris schon hunderte von Kaffeehäusern und mit deren Kaffeeabfällen experimentierten notgedrungen arme französische Künstler. Der Kaffeesatz wurde gesammelt und nach dem Trocknen weiter, viel feiner in Kugelmühlen zu Pigment gemahlen, aber auch Kaffeesudreste fanden direkt Eingang in die Aquarellmalerei.

Diese einzigartige, frühe Recyclingidee und die Technik der Kaffeeaquarellmalerei verschwanden leider nach nur 40 Jahren und wirklich berühmt wurde niemand damit, obwohl in Frankreich immer noch einige dieser Exponate hängen. Diese damalige Art zu malen, auch oft als “Malerei der Armen” belächelt, wurde im 21.Jahrhundert wieder belebt und, vor allem in der berühmten Aquarellschule in Baramount (Frankreich), aber auch in Deutschland, Österreich und den USA erneut salonfähig gemacht.

Triptychon "Wiener Paar", (c) Rolf Reicht

Triptychon "Wiener Paar", (c) Rolf Reicht

Nach einem Besuch von einer meiner Ausstellungen, stürmte einer meiner guten Bekannten auf mich ein und forderte mich auf, in Zukunft einen würdigeren Malgrund sowie Rahmen für meine Kaffeeaquarelle zu verwenden. So entstanden die Winterlandschaften,


der „Bambus“ und der „Hand geschmiedete Nagel“ auf Leinwand bzw. Aquarellpapier,

Bambus (c) Rolf Reicht

Bambus (c) Rolf Reicht

Nagel (c) Rolf Reicht

Nagel (c) Rolf Reicht

aber auch die Abenddämmerung und der Spaziergänger am Strand:

Abenddämmerung am Bodden (c) Rolf Reicht

Abenddämmerung am Bodden (c) Rolf Reicht

Spaziergänger (c) Rolf Reicht

Spaziergänger (c) Rolf Reicht

Die Kaffeemalerei erlebt heute wieder eine kleine Renaissance, auch ohne nachhaltigen Recycling-Hintergrund. Diese Art des Malens erinnert stark an Aquarelle, die in Sepiatechnik erstellt wurden und in unserer heutigen digitalisierten Welt hilft der Sepiafilter, alle neuen Fotos auf Alt trimmen.

Viele Kaffeemaler verwenden gern lösliche Kaffees für ihre Kunstgemälde. Dabei nimmt man relativ wenig Wasser, und rührt diesen zu einer cremigen Masse an. Letztere wird dann, je nach gewünschtem Farbton, dicker, dünner oder lasierend aufgetragen. Aber, die Kaffeemalerei hat noch zusätzlich einen nicht zu unterschätzenden sinnlichen Nebeneffekt: Ein Geruch frischen Kaffees begleitet den gesamten Entstehungsprozess eines Bildes hindurch den Kaffee liebenden Maler.

Rolf Reicht, Umwandler, Berlin
Jahrgang 1947, Urberliner; Kindheit, Schule und Abitur eben dort; Studium an der FU-Berlin; danach 30 Jahre selbständig.

Von Jugend an immer künstlerisch tätig, vielseitiger Autodidakt, leider berufsbedingt lediglich anfangs begleitend, mit gelegentlichen, ambitionierten Exkursionen in die Theaterwelt als Maskenbildner (Vaganten Bühne), oder Bühnenbildner (Theater des Westens), zuletzt Kursleiter einer Recyclingkunst-AG an einer Berliner Gesamtschule mit Gymnasialer Oberstufe in Neukölln. Derzeitiger Schaffensschwerpunkt: Müll- und Verpackungswandlungen und Recyclingobjekte.
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3 Kommentare

  1. Veröffentlicht am 03.03.2010 um 14:29 | Permanenter Link

    Ich habe früher viel mit selbst gemachten Farben aus Walnussschalen und Kalksandstein gemalt. Mit Kaffee werde ich es jetzt auch ausprobieren.

    Danke für die Idee :-)

    Allerdings ist mir nicht klar, wo bei löslichen Kaffees der frische Geruch herkommen soll ;-)

    Viele Grüße,
    Arne

  2. Peter
    Veröffentlicht am 05.03.2010 um 10:47 | Permanenter Link

    Hallo,

    ich find die Bilder echt Klasse. Kann man die irgendwo kaufen? meine Frau steht auf sowas und da ihr Geburtstag auch schon vor der Tür steht, wäre es mal ein etwas anderes Geschenk.

    Grüße
    Peter

    [Anmerkung vom Kaffeeblog: Ja, auch wenn die Kontaktaufnahme etwas schwer ist. Probiere es mal hier: http://bit.ly/auLYO0
    PS.: Das Maskal-Blog keine "Werbebude" wo jeder seine Links abladen kann. Darum haben wir die URL entfernt. Es sollte schon der Eigentümer einer Webseite hier kommentieren, dann kann man drüber reden. Externen Linkaufbau aber bitte woanders versuchen...]

  3. Veröffentlicht am 19.09.2012 um 22:34 | Permanenter Link

    Bin eben auf diesen Blog gestoßen. Seltsam, dass ich den nicht schon früher gefunden hatte, wo ich doch sehr intensiv der Kaffeemalerei nachgehe.

    Aber ich finde den Blog sehr gelungen.

    Gruß Ilse