„Kaffee wird günstiger – 1,06 Milliarden Steuerentlastung für deutschen Kaffeehandel und Verbraucher!“

Auf diese Meldung warten Kaffeeunternehmen und Verbraucher leider seit Jahren vergeblich! Aber da ja jetzt der Wahlkampf begonnen hat, könnte man das Thema ja wieder mal auf den Tisch bringen.

Gesagt getan. Vor einigen Tagen habe ich per E-Mail eine Anfrage an die fünf Bundestagsfraktionen bzw. deren finanzpolitische Sprecher verschickt und um Stellungnahme bzgl. Abschaffung und Beibehaltung der Steuer gebeten. Über die Reaktionen werde ich in einem weiteren Beitrag berichten.

Zugegeben, der Staat und wir Bürger können uns in der augenblicklichen Verschuldungssituation nicht unbedingt Steuersenkungen leisten, aber die Kaffeesteuer zählt für mich zu den Atavismen der deutschen Steuer- und Finanzpolitik: Kaffee zählt längst nicht mehr zu den Luxusgütern und ist auch nicht als gesundheitsgefährdend einzustufen. Außer der Bundesrepublik erheben lediglich noch Belgien und Dänemark eine derartige Verbrauchssteuer, die in beiden Fällen jedoch wesentlich niedriger liegt.

Besonders ärgerlich ist nicht nur, dass 2,19 Euro mehr pro Kilo Röstkaffee (bei löslichem Kaffee, der hier in diesem Blog eigentlich nix zu suchen hat sind es sogar 4,78 Euro) den Geldbeutel des Verbrauchers belasten, nein, dieser Mehrpreis stellt somit auch für deutsche Kaffeeunternehmen im internationalen Vergleich einen ernsthaften Wettbewerbsnachteil dar. Mal ganz abgesehen davon, dass die Abführung und Kontrolle der Kaffeesteuer für die deutsche Kaffeeunternehmen bzw. die Steueraufsicht einen unverhältnismäßig hohen administrativen Aufwand darstellt. Welches, meist viel beschäftigte, kleine Kaffeeunternehmen erinnert sich nicht gerne an die unangemeldeten Besuche des Zolls, bei denen er erklären muss, wieviel vom selbst gerösteten Kaffee er selbst und wieviel die zwei Angestellten getrunken haben.

Das Absurdeste für mich: Die erhobene Kaffeesteuer unterliegt zusätzlich ja noch der Mehrwertsteuer. Dadurch ist faktisch eine Doppelbesteuerung gegeben! Aus 2,19 Euro mach 2,34 Euro. Kann mir jemand erklären, wo bei der Erhebung der Kaffeesteuer ein Mehrwert entsteht?

Der Feine Milde für 4,99 das Pfund kostete also regulär nur 3,82 Euro inkl. 7 Prozent Mehrwertsteuer. Mal abgesehen davon, dass dieser Preis keine angemessene Entlohnung der Erzeuger ermöglicht, würde der Kaffeehandel eine solche Steuerersparnis überhaupt an den Kunden weitergeben? Eine von einer Reihe spannender Fragen für unsere nächste Blogparade!

Und damit nicht genug: Ich habe beim Deutschen Bundestag eine Petition zur Abschaffung der Kaffeesteuer eingereicht. Diese wurde soeben hier auf der Petitionsseite des Deutschen Bundestags veröffentlicht und kann dann dort unterzeichnet und diskutiert werden. Ihr Beitrag ist jetzt gefragt!

6 Kommentare

  1. Veröffentlicht am 13.07.2009 um 13:16 | Permanenter Link

    Das finde ich eine wirklich interessante Initiative. Ich bin gespannt wie die Resonanz ist. Bitte auf dem Laufenden halten.

    Grüße

  2. Veröffentlicht am 13.07.2009 um 15:25 | Permanenter Link

    Hallo Jörg, schon 82 Mitzeichner – heute, Montag, um 15:20 Uhr.

    Auch ich habe die Petition gerade mit unterzeichnet, da Röstkaffees im Ausland stets günstiger sind, als in Deutschland. Was mich dennoch beruhigt ist, dass es den deutschen Kaffeetrinker offensichtlich dennoch nicht abhält, Kaffee zu konsumieren.

    Was dem Endverbraucher aber offenbar trotzdem häufig nicht klar ist, dass bei einem Pfundpreis von 2,79 EUR beim Diskounter nach Abzug der Mehrwert- und der Kaffeesteuer (neben den Kosten für Verpackung, Marge und Transport) für den kaffeeproduzierenden Bauern eigentlich nichts mehr übrig bleibt. Und dass es mit der Qualität des Diskount-Kaffees nicht weit her sein kann, errechnet sich dann ja auch von selbst.

    Johannes

  3. Veröffentlicht am 13.07.2009 um 19:07 | Permanenter Link

    Sehr gute und schon lang fällige Aktion! Vielen Dank aller Kaffeefreunde für Ihre Initiative.

    Ich werde gleich mitzeichnen, z.Zt. sind es schon 142.

    Diese Aktion wird auch von uns sehr gerne weitergetragen.

  4. Veröffentlicht am 13.07.2009 um 19:26 | Permanenter Link

    @ Holthaus

    Klar, machen wir!

    @ Johannes

    Hallo Johannes, Du triffst den Nagel auf den Kopf! Die Abschaffung der Kaffeesteuer würde zwar billigen Kaffee noch billiger machen, guten Kaffee aber auch. Das könnte vielleicht mehr Menschen dazu bewegen, Qualitätskaffees zu kaufen, was auf Grund der höheren Preise für Spezialitäten-Rohkaffees den Bauern deutlich zu Gute käme. Die Abschaffung der Kaffeesteuer könnte somit den fairen Handel in einer sehr positiven Weise fördern.

    Viele Grüße,

    Hans

  5. Veröffentlicht am 13.07.2009 um 21:04 | Permanenter Link

    @Kaffeeseiten

    Super! Vielen Dank fürs Unterzeichnen und Weitertragen!

    Viele Grüße,

    Hans

  6. Veröffentlicht am 14.07.2009 um 00:00 | Permanenter Link

    Hallo,

    ich habe auch unterzeichnet oder „mitgezeichnet“. Dann habe ich noch die Twitter Werbetrommel gerührt. Jetzt versuche ich gerade die Reaktionen im „Kaffee-Netz“ nachzuvollziehen. Es bleibt allerdings beim versuchen…

    (www.kaffee-netz.de/grunds-tzliches/29587-petition-zur-abschaffung-der-kaffeesteuer-jetzt-unterzeichnen.html)

    Ist noch jemandem aufgefallen, dass „2.“ (in der Petition) ein Mal zu viel ist? Es ist schon ein Erfolg, dass wir drüber reden. Finde ich :-)

    Viele Grüße,
    Arne

2 Trackbacks

  1. [...] Also, regen Gebrauch davon machen …! Und auf “Coffee-hunting” sowie in diesem Blog-Beitrag gibt es noch ein paar weitere Hintergrundinfos zur Petition. Setzen Sie ein Lesezeichen [...]

  2. [...] Mehrwertsteuer fände eine Doppelbesteuerung statt. Die ausführlichere Argumentation findet sich hier. Jörg hat einige erste Reaktionen zusammengestellt und die ersten großen sind auch mit [...]