Kaffee-Extrakt-Getränke – gesunde Trendsetter, clever maximierte Wertschöpfung oder Biopiraterie?

Energie-Drinks, Kaffee-Power-Drinks, Cappuccino, Macchiato und Caffé Latte aus der Dose oder Flasche …  Der Einfallsreichtum der Lebensmittelindustrie kennt ja bekanntlich keine Grenzen. So wurden gerade auch in den vergangenen Monaten eine Fülle neuartiger Getränkeprodukte auf den boomenden Wellness-Markt geworfen. Sie setzen entweder auf die Energie spendende Wirkung von Kaffee-Extrakt, oder aber auf die Positionierung von Kaffee als gesundes Nahrungsergänzungsmittel.

Mit Rivella oder O.N.E. World Enterprises nutzen gleich zwei Fruchtsaftproduzenten den Extrakt der Kaffeekirsche für innovative Energie- und Wellness-Getränke. Neben verschiedenen Fruchtsäften soll der Muntermacher 0,2 % Kaffeekirschenextrakt enthalten. Der 32 mg/100 ml Coffeinzusatz ist vergleichbar mit dem von Red Bull®, also geeignet, um Herzrasen zu verursachen. Der Umstand, dass 0,2, % Inhaltsstoff zur Namensgebung gereichen sollen, mag Kopfschütteln verursachen. Zum Vergleich: Produkte mit einem Anteil von weniger als 0,9 % gentechnisch veränderten Organismen gelten als nicht kennzeichnungspflichtig….

In diesem Fall ist jedoch weniger die Menge als die Wirkung ausschlaggebend. Kaffeebeerenextrakt wird aus der ganzen Kaffeekirsche inklusive ihrer Bohne gewonnen und soll eine sehr hohe Konzentration an Polyphenolen, insbesondere Chlorogensäuren, enthalten, die als hochwirksame Anti-Oxidantien gelten. In Äthiopien, dem Ursprungsland des Kaffees, ist die medizinische Wirkung des Kaffees schon seit Jahrhunderten bekannt. Lange vor der Einführung der Röstung wurde aus Kaffeeblättern ein Tee gebraut, der ‚Kuti’ genannt wird. Auch der Kaffeeblatt-Tee wird inzwischen international kommerzialisiert, durch das Unternehmen Astral-Natural, das ein Produkt mit dem Namen ‚’Coffeetea’ vertreibt. Gemäß dem U.S. Department of Agriculture Standard Test ORAC zur Bestimmung der Hemmung freier Radikale weist ‚Coffeetea’ einen ORAC-Wert von mehr als 6.500 auf, was dem von Grüntee entspricht. Whole CoffeeBerry® Powder erreichte im Vergleich mit mehr als 40 Obst- und Gemüsesorten einen ORAC-Wert von 800, entsprechend dem Wert von etwa 33 g Blaubeeren, 52 g Erdbeeren, 66 g Himbeeren oder 107 g Trauben.

Interessant ist, dass die englische Übersetzung von Kaffeekirsche, also ‚CoffeeBerry’ als Markenname geschützt und als Patent eingetragen wurde, obwohl es sich eigentlich um eine generische Bezeichnung handelt. Allein das treibt manch geneigtem Leser schon die Zornesröte in den Kopf. Inhaber der Marke ist die Firma VDF FutureCeuticals in Illinois/USA.

Im Grunde genommen wird zur Herstellung von CoffeeBerry® die traditionelle Verarbeitungsmethode Hunderttausender Kleinbauern in den Anbaugebieten der Entwicklungsländer verwendet, die Sonnentrocknung. Im Unterschied zur herkömmlichen Kaffeeverarbeitung, bei der die Bohne aus dem getrocknete Fruchtfleisch geschält wird, um anschließend als Rohkaffee in die Röstung zu gehen , wird hier die ganze getrocknete Frucht gemahlen und als getrocknete Pulpe verkauft, wahlweise auch als Konzentrat oder Granulat. Für den Tee von Astral Natural benötigt man lediglich die getrockneten Blätter des Kaffeestrauches. 16 Beutel soll sich der Kunde fast 8 US-Dollar kosten lassen!

Kurz gesagt, es handelt sich hier um äußerst clevere Formen der Produktveredelung, die überwiegend auf traditionellen Nutzungs- und Verarbeitungsformen basieren – unverfroren optimierte Wertschöpfung, die wieder einmal Produzenten außen vor lässt. Im Prinzip ließen sich die Produkt in jeder Kaffeeregion ohne technischen Aufwand erzeugen und könnten somit auch neue Einkommensperspektiven für Produzenten in Entwicklungsregionen darstellen.

Auf meine Nachfrage zu Herkunft der Kaffeekirschen und Ankaufspreise für Kaffeeproduzenten schweigt sich VDF Futureceuticals übrigens aus. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…. Auskunftsfreudiger dagegen die Rivella AG, die mir mitteilt: “Die Kaffeekirschen kommen aus Mexiko, wo auch die ersten Verarbeitungsschritte erfolgen. Die Fertigstellung der Rohware erfolgt in den USA in Momence (Illinois)”.

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3 Kommentare

  1. Veröffentlicht am 04.08.2008 um 20:54 | Permanenter Link

    Hallo Herr Volkmann,
    auf dem wachsenden deutschen Energydrink-Markt wird sicher in Kürze auch jemand die Verwendung der Kaffeekirsche entdecken.

    Bekommt man dies Rohprodukt auch innerhalb Europas? Oder haben die beiden genannten Unternehmen eine Art Kartell?

    Komme sicher bei drinkmix auf dieses Thema zurück.

    Danke für den Tip, werde Sie im künftigen Blogroll mit einflechten.

  2. Veröffentlicht am 05.08.2008 um 14:29 | Permanenter Link

    Ich gehe davon aus, dass das Kaffeekirschen-Extrakt beim amerikanischen Hersteller ggf. in Verbindung mit einer Lizenzvereinbarung zu beziehen ist.

    Da es sich bei dem Produkt, wie dargestellt, im Prinzip um ungeschälten, luftgetrockneten Rohkaffee handelt, könnte es in verarbeiteter oder unverarbeiteter Form auch direkt aus Produzentenländern bezogen werden (sofern die EU-Gesetze das zulassen), was für Kaffeebauern eine zusätzliche Einkommensquelle bedeuten würde. Eine entsprechende Initiative würde ich ausdrücklich begrüßen und gerne auch aktiv unterstützen. Es wäre auch zu prüfen, ob bestimmte Kaffeevarietäten, wie z.B. die des äthiopischen Wildkaffees, nicht unterschiedliche Wirkstoffanteile besitzen, so dass sich daraus noch weitere Argumente für bestimmte Bezugsketten ableiten ließen.

  3. Veröffentlicht am 08.02.2009 um 20:55 | Permanenter Link

    Ich habe auf einer biomesse mehrere Kaffeesorten probiert.
    Stimme in viele Sachen euch zu aber Kaffee ist gleichzeitig ein Genussmittel wo jeder eben sein Geschmack hat.

Ein Trackback

  1. [...] ist universell und global nutzbar. Das haben wir inzwischen gelernt: Als Gesundheitstgetränk – schwarz, als Extrakt oder sogar als Kaffeeblättertee – , als Kosmetikprodukt – in Form von [...]