Bier + Kaffee: das neue V+Cappuccino von Veltins

Nachdem sich bereits am Freitag vergangener Woche Jörg Volkmann im Maskal Kaffee-Blog mit Kaffee-Extrakt-Getränken wie "MichelPower Coffee Berry – stark wie Kaffee" und dem "Coffee Berry Juice" von O.N.E. beschäftigt hat, widme ich mich heute einem, man möchte schon beinahe sagen „Altmeister“ der Mix-Getränke, der Veltins-Brauerei, genauer gesagt, ihrer „Joung Generation“-Marke „V+“. Denn die bringt ab September als saisonales Highlight ihre neueste Kreation, das „V+ Cappuccino“ auf den Markt. Und die ist keineswegs ein "Aprilscherz" wie man bei "das-ist-drin.de" zunächst "erhoffte".

Die Erfolgsstory der Marke „V+“ begann 2001, zu einem Zeitpunkt, als für die Bierbrauereien der Abwärtstrend schon in vollem Gange war. Es galt, wie immer in solchen Situationen, mit neuen, attraktiven Produkten neue Zielgruppen zu mobilisieren – ein stets mit Risiken beladenes Unterfangen. Veltins setzte dabei sehr geschickt – und ich kann es schon vorwegnehmen: sehr erfolgreich – auf ein junges, erlebnishungriges, Publikum, das vor allem eines liebt: den der Spezies „Homo sapiens sapiens“ ureigenen Drang zur Selbstdarstellung, ein Phänomen, das in der Breitenwirkung des Internets und der Digitalisierung von Fotografie und Video sein global zugängliches Ventil gefunden hat und schon regelrechte exhibitionistische Züge angenommen hat (man schaue nur in YouTube & Co).

Aber das ist nun einmal so; die Demokratie hat die gesellschaftlichen und technischen Türen für unsere moderne, globalisierte Welt geöffnet, das Internet öffnet die Seelen seiner User! Veltins hat das erkannt, und mit einem kräftigen Schluck „V+“ sind die Mannen aus Meschede-Grevenstein lebensgefühlmäßig und zeitgeistorientiert am schon beinahe verloren gegangenen „Bacardi-(Lebens)Feee-ee-eling“ vorbeigejettet; in einem Tempo, bei dem „Red Bullianern“ zusätzliche Flügel wachsen müssten, um da mithalten zu können.

Obwohl ich selbst kein Freund weder von Veltins noch von Bier-Mixgetränken bin (da halte ich es persönlich lieber mit einem gut gehopften Reinheitsgebots-Getränk), muss man dem Mut, der Dynamik und der äußerst geschickten Verbindung eines zielgruppenspezifischen Produkts („V+“) mit einem gesellschaftsimmanent existierenden Lebensgefühl Lob zollen. Das wird jedem klar, der die „V+“-Website einmal besucht hat. Virtuelles Community-building, eines der neuen Schlagwörter einer Generation, die mit Computer und Internet vertrauter ist als mit Waschmaschine und Wäscheleine, scheint perfekt zu funktionieren. Junge Leute flirten nicht mehr verschämt nach Sonnenuntergang an der Bushaltestelle, jetzt wird offensiv digital „gevlirtet“, man erzählt Privates aus Vreizeit und den Verien und zischt mit Vplusfriends ein „V+ X“ – nicht nur virtuell, nein, auch ganz real, wie die Umsatzzahlen von Veltins zeigen. Allein im ersten Halbjahr 2008 wuchs der „V+“- Motor“ um sage und schreibe 16,5%! Echt "abgevahren", um in der wegweisenden "V+"-Sprache zu bleiben!

Ab September wird für kurze Zeit der Motor mit neuem Sprit gefüllt. Nach den „V+“-Varianten Lemon, Cola, Energy, Curuba und Apple hat die Brauerei aus dem sauerländischen nun den Kaffee-Boom (oder besser: den Coffee Shop-Boom) aufgegriffen und bringt als Saisonprodukt ein „V+Cappuccino“ auf den Markt. Es setzt sich zusammen aus: „… 50% frischem Veltins und 50% Erfrischungsgetränk mit Cappuccino-Flavour.”, wie u.a. auf “vplusfriends” nachzulesen ist, und hat einen Alkoholanteil von 2,9 %. Ob das neue „Bier + Erfrischungsgetränk mit Cappuccino-Flavour“ schmeckt, nun darüber wird sich trefflich streiten lassen; ob es ein cleverer Schachzug war, nun, darüber lässt sich wahrscheinlich nicht streiten. Da sind bei Veltins offensichtlich ein paar ganz Pfiffige am Werk!

Aber warum Cappuccino-Flavour und nicht echter Cappuccino? Mich würde ernsthaft interessieren, wie viel Cappuccino-Flavour je Mengeneinheit, z.B. je Flasche zugesetzt ist. Verhält es sich bei „V+ Cappuccino“ (und davon muss man eigentlich schon ausgehen) so wie bei den von Jörg Volkmann erwähnten Kaffee-Extrakt-Getränken-Mix-Getränken, bei denen geringste Mengen an Extrakt für die Namensgebung des Getränks ausreichen? Mit solcher Art von Mix, quasi ein Standard bei den so genannten Functional-Drinks, habe ich wirklich ein Problem. Auch mit der Aussage von Dr. Volker Kuhl, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb der Brauerei C. & A. Veltinns: "Wir haben Kaffee modern interpretiertund präsentieren so eine wirklich Innovation im Biermixmarkt." Modern interpriert durch die ZUgabe von ein wenig Flavour?  Die Italiener, um einen Vergleich heranzuziehen, sind da (erstaunlicherweise ? ) viel korrekter: Sie geben einem Glas warmer Milch eine geringe Menge Espresso hinzu und nennen das Ganze „Latte macchiato“, „befleckte Milch“. Aber „beflecktes Bier-Erfrischungsgetränk“ würde ja vielleicht doch ein bisschen zu komisch klingen …

Kein Problem hingegen habe ich mit der cleveren Vermarktungsstragie, die Veltins bei der „V+“-Marke eingeschlagen. Im Gegenteil: Ich finde es immer wieder beeindruckend, wenn ein angeschlagenes Unternehmen oder gar eine ganze Branche die Umsatz-Gewinn-Kurve wieder kriegt – und die Bierbranche ist (weiterhin) angeschlagen, wie auch die neuesten Zahlen z.B. in "Lieblingsbier.de" zeigen. Unter diesem, aber einzig und allein unter diesem Aspekt muss man sogar dem einst deutlich abgemagerten Fast Food-Riesen „McDonald´s“ Respekt zollen – ein Konzern, der jetzt ausgerechnet demjenigen die Stirn bietet, der Veltins (ich schließe den Kreis) in erster Instanz auf die Cappuccino-Idee gebracht hat: Starbucks, den Initiator der Coffee Shop-Bewegung und Großmeister des „Punchings“.

Ob allerdings Starbucks, derzeit in einer tiefen Krise steckend, (bald) wieder die Kurve kriegt, das bleibt abzuwarten. Vielleicht schaut Howard Schultz ja mal auf ein „Cappuccino-Bierchen“ in Meschede-Grevenstein vorbei, sozusagen auf seinem geplanten Weg „back to the roots“, zurück zur Innovationsfähigkeit. Aber, das ist seine Sache; meine Sache ist: ich mach´ mir jetzt erst Mal ein schönes „Pilsner Urquell“ auf (mein geliebtes „Karlsberg Urpils“ habe ich leider nicht zur Hand) und freue mich schon auf den schönen Frühstückskaffee, den ich morgen genießen werde – pur, schwarz, ohne alles, mit nix außer 100% Kaffee! Auch da halte ich es mit dem Reinheitsgebot.  

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Ein Kommentar

  1. Mario
    Veröffentlicht am 23.09.2011 um 10:27 | Permanenter Link

    Was die Industrie sich alles einfallen lässt, um ihren Absatz zu steigern, ist schon enorm. Ich mag das süße Zeug überhaupt nicht. Ebenso wie der Autor halte ich viel vom Reinheitsgebot und trinke lieber das gute als Pils, denn das ist gesund und schmeckt einfach nur geil. Nicht umsonst ist Bier in Bayern kein Getränk, sondern ein echtes Lebensmittel. :)

    Anm. der Blog-Redaktion: Der Werbelink im Text wurde entfernt.

2 Trackbacks

  1. [...] von Veltins, über deren jüngstes Baby, den „V+Cappuccino“, ich mir vor einigen Tagen bereits Gedanken gemacht habe. Links in diesem [...]

  2. [...] 06.08. habe ich einen Beitrag zum neuen Kaffee-Bier-Mix-Getränk "V+ Cappuccino" von Veltins geschrieben, das im [...]