Auf der Suche nach dem Kaffee der Zukunft – oder: Ich hatte einen Traum…

Wir schreiben das Jahr 2109. Es ist November. Mein halb-chinesischer Urenkel Martin-Lee Chang, und seine 20 einheimischen, alemannischen Tagelöhner haben die Ärmel hochgekrempelt. Es ist heiß an den Südwesthängen des Black Folests (früher Schwarzwald) im Westen der gleichnamigen chinesischen Provinz. Unten in der Lheinebene, an den Hängen des Kaiselstuhls wiegen sich die Dattelpalmen im tropischen Wind. Martin-Lee macht sich rund 500 Meter höher mit seinen Mitarbeitern an die Kaffee-Ernte. Eigentlich würde sich die mühsame Arbeit nicht mehr lohnen, denn moderne Maschinen stehen wegen der knappen Energieressourcen nicht mehr zur Verfügung, und die Autoindustrie im nahen Stuttgalt hatte es wieder mal versäumt, ein Antriebsaggregat zu entwickeln, das mit lokalem Palmöl hätte betrieben werden können. Glücklicherweise zahlt die Regierung der Pan-Asiatischen Union (PAU) hohe Agrar-Subventionen an die Kaffeebauern, die ansonsten nicht mit den Billigproduzenten an der amerikanischen Ostküste konkurrieren könnten. Hier wurde ich kurz wach…

… aber der Traum ging weiter. Von Pedro, einem eingewanderten Kolumbianer, hat Martin-Lee erst kürzlich ein Dutzend Maultiere erstanden. Sie ziehen einen geländetauglichen VW Touareg, den er sich günstig von der Wolfbulger-Autohalde besorgen konnte. Er stammte noch aus den Überproduktionen der automobilen Endzeit im frühen 21. Jahrhunderts. Mit abgesägtem Dach eignet er sich bestens für den Transport der leuchtend roten Kaffeekirschen zu den Kaffeewaschanlagen am Lhein, wo zahllose, in Zeltstädten hausende, holländische und belgische Wanderarbeiter besten Rohkaffee herstellen. Tausende von ihnen wurden nach der Überflutung der Provinzen an der Lheinmündung hier an den Obellhein umgesiedelt. Vom expandierenden Binnenhafen Bleisach sind die Transportwege zum größten westchinesischen Überseehafen Köln relativ kurz und günstig. Dennoch braucht der Transport der getreidelten Frachtkähne etliche Tage. Köln, mit seinem angenehmen subtropischen Klima und den meisten Sonnenstunden in Westchina, hatte sich nach dem Untergang von Hambulg und Blemen zu einem überregionalen Kaffeezentrum entwickelt, dessen Röstmeister mit ihren herrlich duftenden Spezialitäten aus Solarröstern zu glänzen wissen ….

Kaffee rösten mit Solarenergie

An dieser Stelle wachte ich schweißgebadet auf. Zugegeben – klingt sehr nach dem Traum eines Umwelt-Apokalyptikers, und angesichts des kalten Winters mag an Klimaerwärmung ohnehin niemand mehr glauben. Aber den Solarröster, den gibt es wirklich. Zwar nicht in Köln, wo die Einstrahlung trotz der bekanntlich sonnigen Gemüter dafür noch nicht ausreichen dürfte, sondern im amerikanischen Colorado. Entwickelt wurde der nach dem Sonnengott Helios benannte Röster von den Gebrüdern Michael und David Hartkop im Jahre 2004. Helios 4, der neueste Typ, besteht – bei 11 Tonnen Gewicht – aus 720 Glasspiegeln, die eine Leistung von bis zu 20 kW erzielen. Mit dieser Leistung wird ein Heißluftstrom erzeugt, in dem sich pro Röstvorgang rund 30 Pfund Rohkaffee praktisch CO2-neutral veredeln lassen. Sechs Blends und sieben ‘Single Origin Kaffees’ vertreibt das Unternehmen Solar Roast Coffees mittlerweile, darunter Spezialitäten aus Mittelamerika, Ostafrika und Südostasien.

Der Solarröster “Helios 3″

Quelle: YouTube; mit freundlicher Genehmigung von Michael Hartkop.

Einfluss des Klimawandels auf den Kaffeeanbau

Doch schon in näherer Zukunft wird in einigen dieser Regionen kein Kaffeeanbau mehr möglich sein. So zeigt eine Fallstudie zu den Auswirkungen des Klimawandels, dass bei einer Temperaturerhöhung von 2° Celsius in Uganda beispielsweise praktisch alle Kaffeeanbauregionen verschwinden würden, da sich die dafür geeignete Höhenlage um mehr als 300 Meter nach oben verschieben wird.

Unser Beitrag zum Klimaschutz

Mit Kaffee aus naturnaher Agroforstbewirtschaftung können sowohl wir, Maskal – fine coffee company, als auch Sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten und sich zumindest für einen Augenblick zurücklehnen und genießen. Und wenn Sie sagen: “Ist mir egal, Hauptsache der Kaffee ist gut”, kann ich Ihnen vielleicht in einer der nächsten Beiträge berichten, ob man Brandrodung, also das Abbrennen von Waldflächen zur landwirtschaftlichen Nutzung, tatsächlich nicht in der Tasse schmeckt.

“Coffee hunting”

Für diejenigen unter Ihnen, die Kaffee nicht nur genießen, sondern sich noch mehr für Herkunft, Geschichte sowie naturnahe Produktion und soziales Engagement begeistern wollen, sind wir als Coffee-Hunter schon jetzt auf den Spuren von Raritäten, die, angebaut in den entlegendsten Winkeln dieser Welt, all diese Bedingungen erfüllen. Gehen Sie mit uns auf Entdeckungsreise, werden Sie Vorkoster und vielleicht Mitglied unserer geplanten Kaffeekampagne. Bleiben Sie neugierig – wir werden in Kürze Näheres berichten!

2 Kommentare

  1. Veröffentlicht am 26.01.2009 um 22:05 | Permanenter Link

    Und im Lheingau-Taunus-Kleis wild das Klima auch meditellanel, odel tlopisch?

  2. Veröffentlicht am 27.01.2009 um 08:50 | Permanenter Link

    Ja, sichel, die Tempelatulen welden um Dulchschnitt um bis zu 5 Glad ansteigen, wintelliche Stülme und Sommelstalklegen deutlich zunehmen.

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