Tag Archiv: Marketing

Das Handy, das Kaffee macht!

Da stöbere ich heute nach einiger Zeit wieder ein Mal ein wenig im “Walther Saftblog“, und was finde ich dort: Nein, keine Saft machende Kaffeemühle oder ein “Aronia-phone mit integrierter Saftpresse”, wie in einem Kommentar vorgeschlagen wird, nein, dafür aber den Hinweis auf ein “Kaffee machendes Handy”!

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Der neue “Kenia Kikuyu” von Tchibo oder: Wie dem Kunden etwas vorgegaukelt wird.

Am 13.01.2008 stand in einem Bericht von Christoph Plate in der Neuen Züricher Zeitung zu lesen:

«Kenya Kikuyu» heisst die Kaffeesorte der Handelskette Tchibo, angepriesen als «Vermächtnis ewigen Feuers … Eine als «Rarität des Jahres 2007» verkaufte Kaffeesorte, Kenya Kikuyu, wird mit einer Kampagne beworben, die jetzt, nach den blutigen Ereignissen in Kenya, ungewöhnlich anmutet. Ahnen konnten die Strategen der Handelskette Tchibo das nicht. … Wenn [die europäischen Kaffeetrinke] heute Kikuyu oder Kenya Kikuyu hören, mögen sie eher an Blut und brennende Hütten denken als einen wohlschmeckenden Kaffee.

Bei Kenya Kikuyu ist den Marketingexperten ganz offenbar ihre Phantasie durchgegangen. «Ein Vermächtnis ewigen Feuers» sei dieser Kaffee … Die Kikuyu würden Feuer und Fackeln entzünden, um ihre reiche Kaffeebohnen-Ernte zu feiern, klärt eine Werbebroschüre auf, schon seit Generationen halte dieser Stamm an den Hügeln des Mount Kenya es so.
Der kenyanische Marketingexperte Ndungu Wanjohi, der einige Jahre am Mount Kenya gelebt hat, erklärt, dass es derartige Feste bei den Kikuyu gar nicht gebe. «Weder da noch sonst irgendwo zünden die Kikuyu Fackeln an und laufen damit durch die Nacht, das ist blanker Unsinn.» Die Kikuyu haben, anders als Tchibo es suggeriert, auch keine Kaffeetradition. Wie die Mehrheit der Afrikaner trinken sie selbst gar keinen Kaffee. In der Kolonialzeit pflanzten weisse Farmer Kaffee an, erst seit der Unabhängigkeit gibt es schwarze Kaffeebauern.»
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Vorausgesetzt, die von Christoph Plate dargelegten Sachverhalte sind korrekt, dann bleibt als Fazit, dass so manchem Marketingexperten bzw. Unternehmen, in diesem Falle Tchibo, offensichtlich alles recht ist, ein Produkt “unters Volk” zu bringen. Es werden Geschichten erfunden, die weiter von der Wahrheit entfernt sind als der Mond von der Erde. Der Kunde soll “emotionalisiert” werden, was ganz offenbar funktioniert, denn in Deutschland ist laut Christoph Plate aller “Kenya Kikuyu” verkauft worden (nur in der Schweiz gäbe es noch ein paar Restbestände). Und welche Chance hat der Kunde, die Marketing-Märchen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen? Keine! Es sei denn, er recherchiert mit viel Mühe.

Sehen Sie dazu auch den Kommentar von Andreas B. zu diesem Artikel.

Anm.: Den vollständigen Artikel von Christoph Plate können Sie hier nachlesen.