Tag Archiv: Marketing

Das Handy, das Kaffee macht!

Da stöbere ich heute nach einiger Zeit wieder ein Mal ein wenig im “Walther Saftblog“, und was finde ich dort: Nein, keine Saft machende Kaffeemühle oder ein “Aronia-phone mit integrierter Saftpresse”, wie in einem Kommentar vorgeschlagen wird, nein, dafür aber den Hinweis auf ein “Kaffee machendes Handy”!

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Der neue “Kenia Kikuyu” von Tschibo oder: Wie der Kunde offensichtlich belogen wird.

Basierend auf einem Bericht von Christoph Plate in der NZZ: Zitate von Christoph Plate sind kursiv geschrieben.

«Kenya Kikuyu» heisst die Kaffeesorte der Handelskette Tchibo, angepriesen als «Vermächtnis ewigen Feuers»…. Der von Tschibo als «Rarität des Jahres 2007» verkaufte "Kenya Kikuyu"-Kaffee wird mit einer Kampagne beworben, die … nach den blutigen Ereignissen in Kenya, ungewöhnlich anmutet. Ahnen konnten die Tschibo-Strategen das nicht. … Wer aber heute Kikuyu oder Kenya Kikuyu hört, mag eher an … brennende Hütten denken als an einen wohlschmeckenden Kaffee.

Bei der Anpreisung ihrers neuen Kaffees ist den Marketingexperten ganz offenbar ihre Phantasie durchgegangen. «Ein Vermächtnis ewigen Feuers» sei dieser Kaffee und die Kikuyu würden Feuer und Fackeln entzünden, um ihre reiche Kaffeebohnen-Ernte zu feiern, wie eine Werbebroschüre aufklärt. Schon seit Generationen führe dieser Stamm an den Hügeln des Mount Kenya dieses traditionelle Ritual durch. Ndungu Wanjohi, ein kenyanischer Marketingexperte , der einige Jahre am Mount Kenya lebte, erklärt hingegen, dass es derartige Feste bei den Kikuyu überhaupt nicht gebe. «Weder da noch sonst irgendwo zünden die Kikuyu Fackeln an und laufen damit durch die Nacht, das ist blanker Unsinn.»

Die Kikuyu haben, anders es als die Marketinexperten unterschwellig suggerieren, auch keine Kaffeetradition. Anders als z.B. in Äthiopien wird in zahlreichen afrikanischen Kaffeeanbauländern gar kein Kaffee getrunken. So würde man z.B. in ganz Ruanda vergeblich nach einem Café suchen; es gibt einfach keins. Außer in Äthiopien, das bis auf eine kurze italienische Besatzungszeit bekanntlich unabhängig blieb, pflanzten in der Kolonialzeit primär weisse Farmer Kaffee an. Das hat sich erst mit der Unabhängigkeit geändert.

Vorausgesetzt, die von Christoph Plate dargelegten Sachverhalte sind korrekt, dann bleibt als Fazit, dass so manchem Marketingexperten bzw. Unternehmen, in diesem Falle Tschibo, offensichtlich alles recht ist ist, ein Produkt "unters Volk" zu bringen. Es werden Geschichten erfunden, die weiter von der Wahrheit entfernt sind als der Mond von der Erde. Der Kunde soll "emotionalisiert" werden, was ganz offenbar funktioniert, denn in Deutschland ist laut Christoph Plate aller "Kenya Kikuyu" verkauft worden. Und welche Chance hat der Kunde, die Marketing-Märchen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen? Keine! Es sei denn, er recherchiert mit viel Mühe.

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