Tag Archiv: Forschungsprojekt CoCE

Kaffee: Die wundersame Mutation eines äthiopischen Gartenkaffees zu einem schweizerischen Wildkaffee

Anders als in meinem Beitrag zum vermeintlichen “Wildkaffee aus Äthiopien” von Solino habe ich bezüglich des Gololcha Bio-Kaffees aus Äthiopien, angeboten von dem in Zürich ansässigen Unternehmen Yanick + Fee, nicht lange gezögert, meine Meinung kund zu tun. Warum habe ich, obwohl beide Fälle im Kern deckungsgleich sind (ein Garten-Kaffee wird fälschlicherweise als Wild-Kaffee deklariert), dort gezögert – und hier nicht?

Der Grund ist einfach: Solino war mir unbekannt, und ich hatte beim Lesen der Solino-Website von Anfang an den Verdacht, dass da jemand mit großem Engagement eigentlich etwas Gutes wollte, aus purer Unwissenheit heraus aber “vom Weg abgeraten ist” (was sich in einer sehr positiven Reaktion von Herrn Ahlers, dem Initiator von Solino, auf meinen doch sehr kritischen Beitrag auch bestätigt hat). Bei Yanick + Fee liegt der Fall anders: hier wurde ganz bewusst gehandelt und aus einem Kaffee etwas gemacht, das er nicht ist!

Wenn ich mich richtig erinnere, war es Anfang November 2006, als ich mit 2 Vertretern von Yanick + Fee zusammen saß. Sie waren am Gololcha-Kaffee, für den ich mich in Äthiopien schon seit 2002 engagiere interessiert. Sie wurden auf den Kaffee aufmerksam gemacht von einem Röster, der zu unserer kleinen Gruppe gehört, die diesen Kaffee Jahr für Jahr für die jeweils eigene Verwendung importieren lässt. In diesem Gespräch, bei dem es um allerlei Details ging, war eines immer klar: der von der “Sole”-Kooperative bezogene Gololcha-Kaffee ist ein reiner Gartenkaffee! Aber, wie sich später herausstellte, bei den beiden Vertreter von Yanick + Fee entweder nicht an, oder es `wollte nicht angekommen werden`!? Sie haben von mir jedenfalls alle gewünschten Informationen erhalten sowie die Erlaubnis, neben Bildern, die ich zur Verfügung gestellt habe, auch die Gololcha-spezifischen Inhalte meiner Website für ihre Werbemaßnahmen zu verwerten. Ich habe mich auch bereit erklärt, den Text ihres zu erstellenden Flyers zu korrigieren.

Der mir zugeschickte Text verschlug mir dann allerdings die Sprache: entgegen aller mündlichen und schriftlichen Informationen war der Gartenkaffee aus Gololcha zu einem Wildkaffee aus Bergregenwäldern mutiert! Da auch vieles andere, an das ich mich im Nachhinein im Einzelnen gar nicht mehr erinnere nicht stimmte, habe ich einen guten Teil des Textes umgeschrieben. In einem Telefonat mit Yanick + Fee stellte ich noch ein Mal deutlich klar, dass es sich bei dem Gololcha-Kaffee nicht um einen Wildkaffee handelt.

Ich habe die Sache dann nicht mehr weiter verfolgt (die Sache war für mich nach der Akzeptanz meiner Korrekturen durch Yanick + Fee für mich erledigt), bis ich kürzlich bei Google auf das “Gololcha-Projekt” bei Yanick + Fee stieß. Der dort zu lesende Text zum “Gololcha-Projekt” ist noch weitgehend im Ordnung, wenn auch die Aussage: “Das Gololcha-Projekt wurde 2002 ins Leben gerufen und garantiert seither erfolgreich den dortigen Kaffee-Bauern faire Preise …” (s. Anm. 1) nicht ganz korrekt ist: Die Kooperative hat jetzt durch den Handel über zwei Auktionen (neben, wie bisher, über Dire Dawa, nun auch über Addis Abeba) lediglich mehr Optionen, bessere Preise zu erzielen als zuvor; ob sie die aber immer erreichen, und ob diese Preise “fair” sind (was immer das im Konkreten heißt), das lässt sich nie prognostizieren; aber das ist freier Markt, und die Teilnahme am freien Markt war von den Bauern und der Gololcha-Distrikt-Verwaltung auch so gewollt.

Nicht in Ordnung und nicht akzeptabel ist hingegen die Beschreibung des Gololcha-Kaffees im Online Shop von Yanick + Fee:

….. (Sreenshot von http://www.yanickfee.com/de/catalog/18/bio_caf vom 26.06.2008)

Wieso, frage ich mich, ist hier die Rede von “wild wachsenden Kaffeekirschen”? Warum ist das wider jeden besseren Wissens von Nöten? Um den Absatz zu fördern? Kaffees mit Zusatz “wild” versehen, das habe ich an anderer Stelle bereits erwähnt, verkaufen sich derzeit gut. Alles also eine Sache des Marketings?

Ob dem so ist oder nicht – eines stimmt mich dabei nachdenklich: Behauptet ein Röster oder Händler, ein Kaffee sei “bio”, dann muss er dies durch ein Bio-Zertifikat nachweisen; behauptet der gleiche Röster hingegen, der Kaffee sei “wild wachsend” (und er ihn entsprechend teuer anbietet!), dann muss er das nicht durch ein Zertifikat nachweisen! Falschen Behauptungen sind deshalb Tür und Tor geöffnet. Darüber sollte man sich Gedanken machen! Zwei der wenigen Einrichtung, die das tun, sind die Amber Foundation und das ZEF an der Uni Bonn im Rahm des CoCE-Forschungsprojekts. Ob´s hilft? Von anwendbaren Instrumenten ist man derzeit noch weit entfernt.

Anm. 1: Screenshot von http://www.yanickfee.com/de/gololchaprojekt vom 26.06.2008:

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