BILL AND MELINDA GATES STIFTUNG: 47 Millionen Dollar zur Förderung von Kaffeebauern in Afrika

Im Januar diesen Jahres stellte die Bill & Melinda Gates Stiftung 47 Millionen US Dollar für ein 4-Jahresprogramm zur Qualitätsverbesserung der Kaffee-Produktion von 180.000 Kaffeebauern in Ruanda, Kenia, Tansania und Äthiopien zur Verfügung. In Tansania beispielsweise hatten Kleinbauern bis vor wenigen Jahren mit einer Vielzahl von Schwierigleiten zu kämpfen, die ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit stark limitierte. Hierzu waren geringe Erträge aus überalterten Beständen, Schädlings- und Krankheitsbefall, hohe Düngemittel- und Pestizidkosten, unklare Besitzverhältnisse wie auch fehlende Kredite, Infrastruktur und Marktanbindung zu rechnen.

Notwendige Eigeninvestitionen sind in vielen Regionen Afrikas schwierig zu bewerkstelligen, insbesondere wenn in Ermangelung von Bank- und Kreditdienstleistungen die wenigen Ersparnisse, die die vielfach dominierende Subsistenzlandwirtschaft zulässt, meist in ‘Lebendkapital’ wie Rinder investiert werden müssen, was die Entwicklung einer ökonomischen Eigendynamik weitgehend unterbindet .

Die nun finanzierte Programmfortführung durch TechnoServe, einer nichtstaatlichen US-Entwicklungshilfeorganisation, ist eine Antwort auf die steigende Nachfrage nach hochwertigen Kaffees. Diese bedeutet einerseits erschwerte Wettbewerbsbedingungen, andererseits aber auch die Chancen für afrikanische Kleinbauern, bessere Preise zu erzielen. TechnoServe hat in den vergangenen 10 Jahren Tausenden von Kaffeebauern sowohl in Afrika, als auch in Lateinamerika zu verbessertem Einkommen verholfen. Unterstützung gibt es dabei in erster Linie in Form von unternehmerischer Beratung und Aufbau von Infrastruktur, was Kleinbauern über die sonst unüberwindliche Hürde der Eigeninvestition hinweg hilft. Den Kleinbauern wie auch landwirtschaftlichen Erzeugergemeinschaften fehlen vielfach sowohl Eigenkapital als auch Sicherheiten, die ihre Kreditwürdigkeit gewährleisten würden.

TechnoServe geht davon aus, dass die Investitionen, die vor allem in den Aufbau von mehr als 280 Kaffee-Waschanlagen und in die Beratung von mehr als 20.000 Erzeugern fließen, dazu beitragen, das Einkommen der betroffenen Familien innerhalb von vier Jahren verdoppeln. Bisherige Erfahrungen aus Süd-Tansania zeigten, dass sich seit Beginn der Entwicklungsmaßnahmen im Jahre 2004 die Ausbildungsquote in weiterführenden Schulen von 20 % auf 75 % erhöht hat. In Ruanda verkaufen Kaffeebauern als Erfolg der Qualitätsverbesserungen ihren Kaffee nun erstmals an Premium-Kunden wie Starbucks und Peet’s.

Die Förderung der Gates Stiftung ist Teil eines 306 Millionen Dollar Pakets, mit dem die Stiftung ihr finanzielles Engagement im Bereich “Globale Entwicklung/Landwirtschaft” gegenüber 2006 verdoppelt. Das Programm konzentriert sich auf Bereiche, die ein hohes, nachhaltiges Wirkungspotenzial für Millionen von Menschen versprechen. Deshalb werden insbesondere innovative, als Blaupause dienende Ansätze, unterstützt.

So, wie der Gates-Konzern mit Informationstechnologie wesentlich zur Beschleunigung der Globalisierung mit all ihren gewünschten und unerwünschten Effekten beigetragen hat, so sind die Übernahme globaler Verantwortung und das Engagement für nachhaltige Entwicklung in ihrer Dimension bisher beispiellos. Dass über den Stiftungszweck hinaus möglicherweise – zumindest mittelbar – auch weiterhin ökonomische Eigeninteressen des ‘Mutterkonzerns’ verfolgt werden könnten, erscheint im Sinne nachhaltiger Strategieentwicklung als legitim. Steigert doch eine verbesserte Einkommenssituation in bildungsfernen Gesellschaften die Qualifizierungschancen junger Generationen, die sowohl die Nachfrage nach neuen Technologien sichern als auch den ‘Brainpool’ für ihre Weiterentwicklung darstellen.

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