Die ESPRO PRESS im Test.

Es ist erstaunlich, wie viele neue Produkte für die manuelle Kaffeezubereitung seit geraumer Zeit auf den Markt kommen. Und das ist gut so! Sehr gut sogar! Im Prinzip jedenfalls. Nicht immer ist die Technik oder Methode ganz neu, doch die langjährigen und intensiven Bemühungen vieler Top-Baristi und Coffee-Geeks, der manuellen Kaffeezubereitung wieder zu mehr Geltung zu verhelfen, scheinen offensichtlich Früchte zu tragen. In der Regel sind es Designerfirmen, Küchenausstatter, Keramik- oder Glashersteller, die deren umfangreichen Erkenntnisse (mehr oder weniger) aufgreifen und in neue bzw. weiterentwickelte  Produkte umsetzen. Manchmal sind es aber auch reine Kaffee(-zubehör)-Firmen, wie z.B. die durch Ihre Tamper weithin bekannt gewordene kanadische Firma ESPRO, die seit einiger Zeit mit ihrer ESPRO PRESS, einer modifizierten French Press, für Aufmerksamkeit sorgt. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal ihrer ESPRO PRESS zur French Press ist ein neu entwickelter, doppelter Mikrofilter, der die Feinstoffe zurückhält, die Kaffeeöle aber durchlässt.

Die Espro Press

Die Espro Press

ESPRO PRESS: Kanne u. Filter

ESPRO PRESS: Kanne u. Filter

Da die Neuentwicklung von ESPRO sehr viel versprechend klingt, und zudem das Design sehr ansprechend ist, habe ich mir zu Testzwecken eine ESPRO PRESS zuschicken lassen. Ich wollte sehen, ob sich die Versprechungen des Herstellers (“The espro™ press helps you make a clean cup, with all of the delicate flavours and aromas that fully express your coffee.”) sowie die vielen positiven Beurteilungen in Foren wie CoffeeGeek und anderen bewahrheiten und wir ggf. die ESPRO PRESS in unseren Shop aufnehmen werden. Und um es gleich vorweg zunehmen: Die erste Lieferung ist bereits bestellt.

Optik

Optisch ist die Espro Press sehr ansprechend: Die schlanke Form und das Metall wirken sehr elegant und solide.

Maße, Gewicht

Höhe (mit Stempel): 19,5 cm

Breite (am Boden): 7,1 cm

Griffhöhe: 15,25 cm

Griffbreite: 3,6 cm

Gesamtgewicht (mit Filter): 560 g

Handhabung

Die Handhabung ist äußerst einfach und identisch mit der einer French Press: Kaffeepulver wird in die Kanne gegeben, nach dem Kochen leicht abgekühltes Wasser aufgegossen und nach einer Brühdauer von 4 – 5 Minuten der Stempel/Filter heruntergedrückt. Fertig! Zu den einzelnen Parametern wie Wassertemperatur, Kaffeemenge etc. erfahren Sie in der Folge mehr.

Kanne/Isolierfähigkeit

Die Kanne besteht aus einer doppelten Edelstahlwand, mit einem Vakuum als Isolier”material” im Zwischenraum.

Es wurde ein Temperaturtest mit folgenden Parametern durchgeführt:

Kaffeemenge: 22 g

Verwendeter Kaffee: Tanna (Vanuatu)

Wasseraufgussmenge: 300 g

Temperatur: 92 Grad Celsius

Umgebungstemperatur: 22 Grad Celsius

Der Test ergab:

Beim Aufgießen in die nicht vorgewärmte ESPRO PRESS fällt die Wassertemperatur zunächst von 92 auf 86 Grad Celsius ab. Ohne die Espro Press abzudecken dauert es dann knapp 10 Minuten, bis die Temperatur um 2 Grad von 86 auf 84 Grad absinkt! Dies zeigt, dass die Isolierfähigkeit der Espro Press sehr hoch ist und mit sehr gut bewertet werden muss!

Bei allen noch folgenden Tests habe ich eine Aufgusstemperatur von 92 Grad Celsius verwendet; dies ist zum einen noch eine ideale Brühtemperatur, zum anderen ergibt sich dadurch eine angenehme Anfangs-Trinktemperatur. Bei Verwendung der vom Hersteller der ESPRO PRESS auf dem Begleitzettel empfohlenen 95 Grad Aufgusstemperatur habe ich mir, wie der gemeine Südbadener sagen würde, aufgrund der guten Isolierfähigkeit der ESPRO PRESS “heillos de Schnorre verbrennt”. Deshalb: Wer 95 oder 96 Grad heißes Aufgusswasser verwendet, sollte den Kaffee nach dem Ausgießen aus der ESPRO PRESS erst ein paar Minuten abkühlen lassen!

Die äußere Wand der ESPRO PRESS wärmte sich während des Tests nur unwesentlich auf, und ließ sich sehr angenehm anfassen. Im Prinzip könne deshalb sogar auf einen Griff verzichtet werden. Eine Verbrennungsgefahr jedenfalls besteht in keinster Weise.

Fingerabdrücke auf der Außenwand sind materialbedingt leicht sichtbar; die Kanne sollte deshalb von Zeit zu Zeit mit einem feinen Tuch abgewischt werden.

Filter

Was die ESPRO PRESS im Wesentlichen von der French Press unterscheidet, ist der Mikro-Filter, der, genau betrachtet, ein Doppelfilter ist. Bei Herunterdrücken läuft der Kaffee zunächst in den unteren, etwas gröberen Filter (“basket filter”), von dort dann durch den oberen, wesentlich feineren Filter (“disk filter”). Der untere “basket filter” hält den Kaffeesatz zurück, nur wenige Feinstoffe durchdringen ihn; diese werden vom oberen “disk filter” zurückgehalten. Das Ergebnis ist, so der Hersteller,  ein “ultra-clean coffee“.

Der Boden des unteren Filters (“basket filter”) lässt sich bis auf knapp 5 mm über den Boden der Kannen-Innenwand herunterdrücken.

Der ESPRO PRESS-Doppelfilter: unter der etwas gröbere "basket filter" (Korbfilter), darüber der feinere "disk filter" (Scheibenfilter

Der ESPRO PRESS-Doppelfilter: unter der etwas gröbere "basket filter" (Korbfilter), darüber der feinere "disk filter" (Scheibenfilter

“Clean cup”

Trotz des doppelten Filters gelingt es einem kleinen Teil der Feinstoffe in den Kaffee zu gelangen. Der Anteil ist allerdings deutlich geringer als bei einem French Press-Kaffee und insgesamt so gering, dass er den Kaffeegenuss (zumindest aus meiner Perspektive) in keiner Weise trübt. Die perfekte “clean cup”, wie der Hersteller verspricht, kann allerdings nicht erzeugt werden.

Füllmenge/Output

Die Gesamtbefüllmenge beträgt 520 g Wasser.

Was das Output, also den gebrühten Kaffee in der Tasse betrifft, so spricht der Hersteller auf der Website von “8 oz”, was knapp 237 ml bzw. ca. 227 g Kaffee entspricht, andererseits auf dem Begleitzettel von “the 3-cup espro press”, also der “3-Tassen espro press”. Das erscheint mir ein wenig verwirrend …

Eine Reihe von Tests zur Erfassung des Outputs an Kaffee, von denen ich einige repräsentative ausgewählt habe, führte zu nachfolgenden Ergebnissen:

Erste Testreihe: Verwendung von 18 – 22 g Kaffee und 300 g Wasser (Herstellerempfehlung: 22 g Kaffee, 300 ml Wasser).

1. Test

Kaffeemenge: 22 g

Verwendeter Kaffee: Tanna (Vanuatu)

Mahlgrad: grob (auf der Baratza Virtuoso Preciso Einstellung 35/F)

Wassermenge: 300 g

Ph-Wert des verwendeten Wassers: 7,1

Aufgusstemperatur: 92 Grad Celsius

Brühdauer: 4 min

Methode: Das oben auf dem Wasser stehende Kaffeemehl wurde nicht umgerührt; Filter aufgesetzt und schnell herunter gedrückt

Output: 214 g Kaffee

Restkaffee in der ESPRO PRESS: 48 g *

* Um festzustellen, wie viel Kaffee in der ESPRO PRESS nach dem Ausgießen zurück bleibt, wurde der Restkaffee durch einen Melitta-Filter gegossen und abgewogen.

2. Test

Kaffeemenge: 18 g

Verwendeter Kaffee: Tanna (Vanuatu)

Mahlgrad: grob (auf der Baratza Virtuoso Preciso Einstellung 35/F)

Wassermenge: 300 g

Ph-Wert des verwendeten Wassers: 7,1

Aufgusstemperatur: 92 Grad Celsius

Brühdauer: 4 min

Methode: Das oben auf dem Wasser stehende Kaffeemehl wurde nicht umgerührt; Filter aufgesetzt und schnell herunter gedrückt

Output: 214 g Kaffee

Restkaffee in der ESPRO PRESS: 50 g

3. Test

Kaffeemenge: 18 g

Verwendeter Kaffee: Tanna (Vanuatu)

Mahlgrad: grob (auf der Baratza Virtuoso Preciso Einstellung 35/F)

Wassermenge: 300 g

Ph-Wert des verwendeten Wassers: 7,1

Aufgusstemperatur: 92 Grad Celsius

Brühdauer: 4 min

Methode: Das oben auf dem Wasser stehende Kaffeemehl wurde nach 2 min Brühzeit umgerührt

Output: 189 g Kaffee

Restkaffee in der ESPRO PRESS: 64 g

Fazit:

Es bleiben jeweils zwischen  48 und 64 g Kaffee in der Espro Press zurück! Dieser Kaffee lässt sich  nicht aus der Kanne ausgießen! Grund: Durch die Konstruktion des Filters ist unter dem “Disk-Filter” ein wenig zu großer Freiraum, in dem nicht nur, wie auf der Produktabbildung dargestellt, Kaffeesatz, sondern auch Kaffee Platz hat. Beim Kippen der ESPRO PRESS zum Ausgießen bleibt der Kaffee in diesem Freiraum sitzen (s. Abb. unten).

Wird das Kaffeemehl vor dem Herunterdrücken umgerührt, sinkt es komplett auf den Boden der Kanne ab; in diesem Fall bleibt der Filter auf dem Kaffeesatz stehen, er lässt sich nicht vollständig herunterdrücken. Dadurch entsteht ein deutlich größerer Freiraum zum “disk filter”, der sich mit Kaffee auffüllt. Dieser Umstand ist leicht daran erkennbar, dass der Stempel des Filters um ca. 0,5 cm nach oben heraus regt – ein klares Indiz dafür, dass der Filter sich nicht ganz herunterdrücken lässt. Wird das Kaffeemehl hingegen nicht umgerührt und der Filter vorsichtig herunter gedrückt, bleibt es, wie auf der nachfolgenden Abbildung zu sehen, direkt unter dem oberen Filter (disk filter”) als Kaffeesatz hängen. Es bleibt somit unter dem “disk filter” weniger Freiraum für Kaffee.

Das Problem ist nun, dass das Kaffeemehl auf jeden Fall um- oder zumindest untergerührt werden sollte (wie generell bei allen vergleichbaren Brühverfahren). Nur so kann das gesamte Kaffeemehl gut mit Wasser durchtränkt und möglichst gleichmäßig extrahiert werden. Die Folge ist allerdings eine geringere Kaffee-Ausbeute als bei einem Verzicht auf das Umrühren. Der Anwender hat demzufolge die Wahl: Höhere Extraktion, aber geringere Kaffeemenge, oder geringere Extraktion, aber größere Kaffeemenge.

Die vom Hersteller genannten “8 oz”, also 236 ml/226 g Kaffee wurden in den Tests nur annähernd erreicht, und dies auch nur dann, wenn das Kaffeemehl nicht umgerührt wurde. Die erzielten 189 g Kaffee beim Umrühren des Kaffeemehls lagen hingegen weit von den “8 oz” des Herstellers entfernt. Und wieso auf dem Begleitzettel der ESPRO PRESS von einer “3-cup espro press” gesprochen wird, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel.

Es stellt sich nun die Frage, ob es eine Möglichkeit gibt, bei größtmöglicher Extraktion (d.h. durch Umrühren des Kaffeemehls) eine höhere Kaffeeausbeute zu erzielen als in den bisherigen, sich an den Herstellerangaben orientierten Tests.

Zweite Testreihe: Verwendung einer größeren Wassermenge (> 300 g)

1., 2. und 3.Test

Kaffeemenge: 22 g

Verwendeter Kaffee: Tanna (Vanuatu)

Mahlgrad: grob (auf der Baratza Virtuoso Preciso Einstellung 35/F)

Wassermenge: 445 g/410 g/390 g (maximale Füllmenge; das aufquellende Kaffeemehl erreichte den oberen Rand der  ESPRO PRESS)

Ph-Wert des verwendeten Wassers: 7,1

Aufgusstemperatur: 92 Grad Celsius

Brühdauer: 4 min

Methode: Das oben auf dem Wasser stehende Kaffeemehl wurde nach 2 min Brühzeit umgerührt

Fazit:

Beim Herunterdrücken des Filters setzt sich sofort Kaffeemehl auf den oberen “disk filter”. Dieses Kaffeemehl findet sich später in der Tasse wieder. Eine Befüllmenge von > 390 g ist damit eindeutig zu groß. Auf eine Messung der erzeugten Kaffeemenge wurde deshalb verzichtet.

4. Test

Kaffeemenge: 23 g

Verwendeter Kaffee: Tanna (Vanuatu)

Mahlgrad: grob (auf der Baratza Virtuoso Preciso Einstellung 35/F)

Wassermenge: 350 g

Ph-Wert des verwendeten Wassers: 7,1

Aufgusstemperatur: 92 Grad Celsius

Brühdauer: 4 min

Methode: Das oben auf dem Wasser stehende Kaffeemehl wurde nach 1 min vorsichtig mit einem Löffel untergehoben. Das gesamte Kaffeemehl war gut durchtränkt, nur ein Teil der Kaffeepartikel sank auf den Boden ab.

Output: 242 g Kaffee

Restkaffee in der ESPRO PRESS: 55 g

Fazit Test 4:

Es setzt sich kein Kaffeemehl auf dem Filter ab, der Kaffee ist “clean”. Der Restkaffee ist mit 55 g um 7 g höher als in Test 1 (22 g Kaffee, 300 g Wasser, kein Umrühren), da aber statt 300 g Wasser 350 g verwendet wurden, war die Kaffee-Ausbeute mit 242 g um durchschnittlich 28 g deutlich höher! Die Verwendung von mehr Wasser (und 1 g mehr Kaffee) zahlt sich in der Tasse aus, die angegebenen “8 oz” des Herstellers wurden sogar übertroffen!

5. Test

Kaffeemenge: 23 g

Verwendeter Kaffee: Tanna (Vanuatu)

Mahlgrad: grob (auf der Baratza Virtuoso Preciso Einstellung 35/F)

Wassermenge: 350 g

Ph-Wert des verwendeten Wassers: 7,1

Aufgusstemperatur: 92 Grad Celsius

Brühdauer: 4 min

Methode: Das oben auf dem Wasser stehende Kaffeemehl wurde nicht umgerührt.

Output: 254 g Kaffee

Restkaffee in der ESPRO PRESS: 48 g

Fazit Test 5:

Es setzt sich kein Kaffeemehl auf dem Filter ab, der Kaffee ist “clean”. Der Restkaffee entsprach mit 48 g dem in der ersten Testreihe, da aber statt 300 g Wasser 350 g verwendet wurden, war die Kaffee-Ausbeute mit 254 g um durchschnittlich 40 g deutlich höher! Die Verwendung von mehr Wasser (und 1 g mehr Kaffee) übertraf die angegebenen “8 oz” des Herstellers!

Zusammenfassung der Output-Tests

Je nach dem, ob das Kaffeemehl umgerührt, nicht umgerührt bzw. untergehoben wurde, ergab sich ein unterschiedliches Verhältnis zwischen ausgeschenktem Kaffee und Restkaffee in der ESPRO PRESS. Eine Output-Kontrolltestreihe ergab unter Verwendung von 23 g und 350 g Wasser folgende Durchschnittswerte:

Ohne Umrühren: ausgeschenkter Kaffee/Restkaffee in der ESPRO PRESS 252/47 g; Gesamtkaffeemenge: 299 g

Unterheben: ausgeschenkter Kaffee/Restkaffee in der ESPRO PRESS 242/55 g; Gesamtkaffeemenge: 297 g

Mit Umrühren: ausgeschenkter Kaffee/Restkaffee in der ESPRO PRESS 230/63 g; Gesamtkaffeemenge: 293 g

Es zeigt sich klar und deutlich: je stärker das Kaffeemehl im Verlaufe der Brühzeit umgerührt wird, desto mehr Kaffeepartikel sinken auf den Boden. In der Folge kann der Filter entsprechend  weniger heruntergedrückt werden, da der Filter auf dem abgesunkenen Kaffeesetzt aufsetzt. Da nun mehr Kaffeesatz unter dem “basket filter” liegt, ist zwischen dem “disk filter” und dem Kaffeesatz dementsprechend mehr Platz für Kaffee (der natürlich auch im “basket filter” steht!). Dieser Kaffee lässt sich jedoch aufgrund der Filterkonstruktion nicht ausschenken und bleibt als Restkaffee in der ESPRO PRESS zurück.

Ob der Verzicht von 47 – 63 g Kaffee pro Zubereitung zugunsten eines Kaffees “with all of the delicate flavours and aromas that express Your coffee” in Kauf genommen werden oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber wie schmeckt nun der Kaffee aus der ESPRO PRESS und wie wirken sich die unterschiedlichen Brühmethoden (umrühren, unterheben, nicht umrühren) geschmacklich aus?

Geschmack

Vergleichstests mit der Frech Press und dem Handfilteraufguss ergaben, dass sich die ESPRO PRESS exakt zwischen diesen beiden Zubereitungsformen ansiedeln lässt. Unter Verwendung der jeweils gleichen Brühmethode läst sich ganz allgemein sagen: Der Körper ist etwas leichter als bei der French Press, da die Feinstoffe weitgehend ausgefiltert werden (dafür ist der Geschmack stärker als bei der French Press), und der Geschmack ist etwas schwächer als beim Handfilteraufguss, da er durch die den Filter durchströmenden Öle etwas abgedeckt wird (dafür ist der Körper größer als beim Handfilteraufguss). Der Kaffee ist sehr ausbalanciert und harmonisch. Alles in allem ein geschmacklich sehr interessantes Gesamtergebnis.

Die unterschiedlich verwendeten Methoden des Umrührens, nicht Umrührens resp. Unterhebens des Kaffeemehls wirken sich geschmacklich wie folgt aus:

1.) Ohne Umrühren: geringste Extraktion; der Charakter des Kaffees ist erkennbar, aber etwas schwach im Ausdruck; Verhältnis Ausschank/Restkaffee: 252/47 g

2.) Unterheben: gute bis sehr gute Extraktion, schöne Balance, der Charakter des Kaffees kommt sehr gut und deutlich hervor; Verhältnis Ausschank/Restkaffee: 242/55 g

3.) Mit Umrühren: größte Extraktion, schöne Balance, stark im Charakter; Verhältnis Ausschank/Restkaffee: 230/63 g

Der geschmackliche Unterschied von “Unterheben” und “mit Umrühren” einerseits zu “ohne Umrühren” andererseits ist deutlich höher als der Unterschied zwischen “Unterheben” und “mit Umrühren”. Da bei der Methode des “Unterhebens” die Kaffeeausbeute mit 242 g höher ist als bei der Methode des “Umrührens” (230 g), macht es aus meiner Perspektive Sinn, bei der ESPRO PRESS vorzugsweise die Methode des “Unterhebens” zu verwenden. Bei dieser Methode hält sich die Restkaffeemenge im Vergleich zur Kaffeeausbeute in Grenzen, und das Geschmackserlebnis bewegt sich nahe am Optimum.

Reinigung

Die Reinigung ist schnell getan und unterscheidet sich von der French Press nur dadurch, dass der Filter der ESPRO PRESS deutlich einfacher abzuspülen ist. Von Zeit zu Zeit sollte man den leicht aufzuschraubenden Filter öffnen und kurz durchspülen.

Gesamt-Fazit

Die ESPRO PRESS liefert unter Verwendung eines guten Spezialitätenkaffees und der Berücksichtigung der für eine optimale Extraktion wichtigen Parameter bezüglich Wassertemperatur, Kaffee-Wasser-Verhältnis, Mahlgrad, Brühdauer etc. einen geschmacklich sehr interessanten Kaffee, der zwischen French Press und Filterkaffee anzusiedeln ist. Sie ist einfach zu handhaben, verbraucht außer zum Kochen des Wassers keinen Strom und ist unkompliziert zu reinigen. Und setzt in jeder Küche einen kleinen, optischen Glanzpunkt.

Bei Anwendung der Methode des “einmaligen Unterhebens des Kaffeemehls während des Brühprozesses”, bei der das Verhältnis zwischen Kaffeeausbeute und in der Kanne zurückbleibendem Restkaffee in einem akzeptablen Verhältnis steht, ist die ESPRO PRESS für mich persönlich überzeugend und rechtfertigt ihren Kauf. Wir werden deshalb in Kürze die ESPRO PRESS in unseren Shop aufnehmen. Der Preis wird bei ca. 79,- € liegen.


4 Kommentare

  1. Günter
    Veröffentlicht am 18.07.2011 um 11:52 | Permanenter Link

    Ein wirklich ausgiebiger Test, zudem auch noch sehr aufschlussreich. Ich muss sagen, dass ich immer einw enig skeptisch bin, wenn Neuerungen auf den MArkt kommen, denn wieso sollte nicht meine French Press weiter ihre Dienste gut erfüllen? Ich glaube aber dass ich hier tatsächlich mal umsteigen werde, bzw. die ESPRO PRESS mal ausprobieren werde. Schliesslich hört sich das hier alles sehr vielversprechend an;)

  2. Mirco
    Veröffentlicht am 20.07.2011 um 09:00 | Permanenter Link

    Habe die Espro Press auch daheim. Ist schon ein anderer Genuss ohne diese braune Suppe am Boden ;) Kann sie nur empfehlen.

  3. Veröffentlicht am 05.08.2011 um 00:35 | Permanenter Link

    Wunderbarer, sehr ausführlicher Test. Ich teste in meinem Blog eher den Geschmack der Bohnen, dieser Ausflug zu Kaffee-Satz! und zum “Hardware”-Test hat sich gelohnt. Weiter so!

  4. Hans
    Veröffentlicht am 07.09.2011 um 10:26 | Permanenter Link

    Das ist ein sehr gelungener und ausführlicher Test geworden. Hat Spaß gemacht ihn zu lesen. Die Espro Press scheint gar nicht mal so schlecht zu sein. Mit gutem Kaffee würde ich gerne mal ein Glas damit probieren.

Ein Trackback

  1. Von ESPRO PRESS im Shop | Kaffee-Satz! am 14.06.2011 um 00:11

    [...] von uns kürzlich getestete und für gut befundene Espro Press ist ab sofort in unserem Kaffee-Shop [...]

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