Höllenfeuer und teuflisch guter Kaffee – ein Besuch in einer einzigartigen Kaffeerösterei

Der Sommer der südfranzösischen Region Languedoc ist deutlich verlässlicher als der deutsche. Flirrende Hitze liegt Anfang September über dem Tal des Hérault im Hinterland von Montpellier, als ich das Örtchen Aniane in Richtung der Teufelsbrücke durchquere, wo der Fluss durch eine enge Schlucht aus dem Gebirge in die Ebene bricht. In einem ansonsten eher schmucklosen Gewerbegebiet entdecke ich im flimmernden Mittagslicht ein Gebäude, das als Kulisse für einen Italo-Western dienen könnte. In der Saloontür steht Elie Speziale, ein sympathischer Franzose um die 50. Sein Name ist Programm, das Programm ist Kaffee.

Speziale ist der einzige unter den 285 Kaffeeröstern Frankreichs, der traditionell mit Holz und Holzkohle röstet. Die dazugehörige Röstmaschine, konstruiert im Jahre 1905, ist Zentrum und Schmuckstück seines 600 Exponate zählenden Kaffeemuseums und wiegt circa 7 Tonnen, die Röstpfanne fasst schlappe 280 Kilogramm Rohkaffee.

Bild: Volkmann

Bild: Volkmann

Mehrmals wöchentlich wird das urzeitlich anmutende Ungetüm in Betrieb genommen, und das nicht nur zu Schauzwecken. Im Gegensatz zur heute üblichen Kurzzeit-Heißluftröstung müssen die Schamottofensteine im Innern zunächst auf 300 Grad vorgeheizt werden, bevor Kaffees aus 56 Provenienzen mit viel Fingerspitzengefühl und Näschen bei 200-230 Grad 45 Minuten lang zu einem einzigartigen Gaumenschmaus verarbeitet werden. Neben sortenreinen Arabicas wie Monsooned Malabar, Santo Domingo, Sidamo, Equador, Guatemala Antigua, San Salvador, Sumatra Gayo Mountain oder Kenya AA, die in vier bis sechs jährlichen Reisen zu den produzenten persönlich ‘gescoutet’ werden, kreiert der Meister immer wieder Blends aus bis zu 18 unterschiedlichen Rohkaffees, die mitunter bis zu 4 Monate Arbeit und zahllose Mischungs- und Rösterversuche bedürfen, bevor sie dem Publikum vorgestellt werden dürfen.

Speziale bekam das Handwerk nicht in die Wiege gelegt. Der italienischstämmige Franzose traf vor 20 Jahren eher zufällig als Handelreisender für Kunstoffverpackungen im Departement Gard auf den ehemaligen Minenarbeiter Claude Pellet, der dringend einen Nachfolger für seine Rösterei suchte. Von ihm lernte Elie Speziale 7 Jahre, bevor er sich als Röstmeister diplomieren ließ. Nach dem frühen Tod seines Lehrmeisters wollte er dessen Lebenswerk fortsetzen, suchte aber nach einem günstigeren Standort, den er nahe der Teufelsbrücke am Hérault, einem beliebten Touristenziel fand. Zusammen mit seiner Frau bringt er in Zeiten der Hochsaison mitunter mehreren Hundert Besuchern täglich sein Handwerk optisch und geschmacklich nahe. Ein Vermarktungskonzept, was auf Internetwerbung verzichtet und auf Mund-zu-Mund Propaganda baut. Offensichtlich hat sich die einzigartige Qualität seiner Produkte herumgesprochen, denn die Rösterei beliefert inzwischen nicht nur Kaffeeliebhaber und Gastronomiebetriebe in ganz Frankreich und darüber hinaus. Das war dann sogar dem französischen Frühstückskanal Telematin eine Videoreportage wert.

So, nach soviel Information muss ich jetzt ein paar Kaffees probieren: Speziale empfiehlt mir einen Péru, einen besonders fruchtigen Anden-Kaffee mit angenehmer Kombination zwischen Säure und Süße – köstlich! Fünf weitere leckere Sorten landen zum “Take Five- Pay Four”-Bonuspreis in meinem Rucksack. Zum Abschied fragt mich Elie, ob ich nich sein Nachfolger werden wolle. Bis nächstes Jahr werde ich mir’s wohl überlegen…

Adresse:

Les Cafés Lello-Speciale et Fils
Atelier – Musée du Café
F-34150 Aniane

Maskal – fine coffee company

Ein Kommentar

  1. Stefan
    Veröffentlicht am 01.02.2011 um 07:59 | Permanenter Link

    Das ist schon eine fantastische (alte) Maschine! Auch die Geschichte von Elie Speziale ist wie aus alten Zeiten. Schöner Artikel! Gruß Stefan