Die Krise eines Kaffee-Giganten: Gedanken zu Sein und Schein

Josef Joffes Artikel „Bye-bye Starbucks“ in der „Zeit“ vom 31.07.08 zur derzeit schwierigen Situation des Kaffee-Giganten wurde in etlichen Blogs kommentiert, so auch von Wolf Hosbach in seinem „Hausmannskost“-Blog. Dabei wird eines klar: Hosbach mag Joffe nicht, und Joffe mag Starbucks nicht. Nun gut, sei´s drum. Die deutlich „unterschiedliche Positionierung“ der beiden möchte ich aber für ein paar kurze Gedanken zu dem ganzen Trubel um Starbucks nutzen.

Man kann zu Starbucks stehen wie man will, um eines kommt man nicht herum: der komplette Coffee Shop-, Kaffeespezialitäten- und Spezialitätenkaffee-Boom wäre ohne Starbucks in der erlebten Dynamik nicht möglich gewesen. Und wenn ich in Äthiopien, Ruanda oder sonst wo unterwegs bin, dann sehe ich überall die Leute von Starbucks auf der Suche nach neuen Kaffees. Und Starbucks kauft in der Regel keine schlechten Kaffees (ich konnte einige davon in den Ursprungsländer verkosten) und zahlt durchaus akzeptable Preise – auch wenn die Bauern und Exporteure ständig klagen.

Dass ein Unternehmen allein mit Idealismus (sofern er jemals vorhanden war oder ist) nicht über die wirtschaftlichen Runden kommt, sollte eigentlich jedem klar sein. Und die Nutzung oder gar Schaffung eines spezifischen Lebensgefühls oder eines Zeitgeistes zur Vermarktung eines Produktes, das ist erstens nichts Neues und wird es zweitens immer wieder geben. So machten die Beatles oder Jimi Hendrix nicht einfach nur "gute Musik", und die „saugeilen“ Jeans und Parker, die wir dazu trugen, waren nicht einfach nur “guter Stoff“, nein, um jungen Menschen von der Sinnhaftigkeit einer völligen neuen Musik und einer grün-blauen ästhetischen Grausamkeit überzeugen zu können gehören deutlich mehr als verkratzte Vinylplatten und Singer-Nähemaschinen in Taiwan!. Der idealisierte Schein für "die da draußen" hat oft sehr wenig zu tun mit den Triebfedern des Seins für "die da drinnen" im Unternehmen. Ein schönes Beispiel der Jetzt-Zeit ist die Lifestyle-Marke "V+" von Veltins, über deren jüngstes Baby, den „V+Cappuccino“, ich mir vor einigen Tagen bereits Gedanken gemacht habe.

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