Runter von der Ökobremse! Ein Zu- und Zwischenruf – und das ermutigende Beispiel eines Kaffee- und Teehändlers

Der Aktienindex weiter auf Talfahrt – und nicht nur die Börsianer saugen hörbar die Luft zwischen den Zähnen ein. Ganze Wirtschaftszweige stimmen ein Wehklagen an und reihenweise schwenken Unternehmen sogar weiße Fähnchen! Ich frage mich: Gibt es Unternehmen, die uns einen Weg aus dieser Situation aufzeigen?

Nachdem Starbucks dieser Tage erneut einen starken Gewinneinbruch vermeldet – neben hausinternen Schieflagen trinkt die Kundschaft trinkt zunehmend wieder Billig-Kaffee – und die Schließung von 600 Filialen mit 12.000 Mitarbeitern ankündigt, ruft der Boss des kolumbianischen Kaffeebauernverbandes andere Verbände kühn dazu auf, gemeinsam die ganze Kette zu übernehmen, was prompt den Börsenkurs beflügelt. Wenn das kein Zeichen ist! Kaffeebauern aller Länder vereinigt euch!: Ein Fisch, der vom Kopf her stinkt, muss am Schwanz noch nicht faul sein!

Szenenwechsel. Haben Sie’s auch gemerkt?: Der Bundesregierung senkt sich langsam das Hinterteil auf Wasser in winterlichem Aggregatzustand. Statt Daueroptimismus zu verbreiten, bereitet uns Frau Merkel jetzt schon persönlich auf ein wirtschaftlich unschönens Frühjahr vor. Von Regierungen mit bestenfalls 3-jähriger effektiver Amtszeit erwarte ich schon lange keine Visionen mehr. Ich freue mich im Hier und Jetzt – über 20 Euro mehr Kindergeld und 1.500 Euro Steuerersparnis für “meinen” Öko-Cayenne mit Bremsenergierückgewinnung – wer viel Gas gibt, kann auch viel bremsen. So tritt denn Frau Merkel auch prompt auf die Öko-Bremse: Klimaschutz wird in diesen schweren Zeiten einfach zu teuer. Wir lassen das doch lieber nachfolgende Generationen ausbaden – im wörtlichen Sinne. Unsere Schulden, mit den u.a. die fetten Jahre und unsere Rentenansprüche finanziert wurden, bekommen sie auch noch dazu – leider nicht ganz gratis. Ich rate meinen Töchtern schon jetzt, diese Erbe abzulehnen. Leider sind sie noch nicht wahlberechtigt. Aber vielleicht werfen Sie später wieder lieber mit Tomaten oder brennenden Gegenständen – nach uns, die das zu verantworten haben…

Ein ermutigendes Beispiel

Szenenwechsel. Wie auch bei anderen Rohstoffen, sind auch die Preise bei Kaffee mittlerweile eingebrochen. Ist damit auch das Ende der öko-sozial nachhaltigen Kaffeewirtschaft gekommen? Nein – es muss heißen: Jetzt erst recht! Kaffee aus nachhaltiger Agroforstwirtschaft muss, kann und wird langfristig die einzig zukunftsfähige Anbauform werden. Vorausschauende Unternehmen wie die Cafédirect, mit mehr als 30 Mio EUR Umsatz Großbritanniens größter Fairtrade-Heißgetränkeanbieter, investieren bewusst in die Breitenwirkung nachhaltiger Kaffeeproduktion.

Cafédirect arbeitet seit Jahren mit Kaffee- und Tee-Produzenten in Lateinamerika, Asien und Afrika zusammen. So muss das Unternehmen ständig miterleben, wie ihre mehr als 160.000 Kleinbauern mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert werden: Ob Hurrikans in der Karibik oder ungewöhnliche Trockenzeiten in Ostafrika – Missernten treffen so nicht nur das Unternehmen, sondern vor allem Erzeugerfamilien. Sie haben bisher nur begrenzte Möglichkeiten, sich den Veränderungen ihrer Umwelt anzupassen.

Dies zu ändern ist Ziel einer 3-jährigen Kooperation (Public Private Partnership) mit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Das Projekt sieht sich als Vorreiter im Kampf gegen die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels und will gleichzeitig in den davon betroffenen Kaffee- und Teeanbauregionen einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten. In der ersten Projektphase wurde nun untersucht, wie Produzenten in 6 Schwerpunktregionen in Mexiko, Nicaragua, Peru (Video), Tansania, Uganda und Kenia den Klimawandel wahrnehmen, welche Entwicklungen die neuesten Klimaszenarien erwarten lassen, und welche internen und externen Finanzierungsmechanismen für Unterstützungsmaßnahmen zur Verfügung stehen.

Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, dass sich der Klimawandel in den Regionen sehr unterschiedlich manifestieren wird. Während Lateinamerika v.a. verstärkt von Wirbelstürmen und Überflutung heimgesucht werden wird, wird Ostafrika vermehrt von Trockenheiten betroffen sein. Im Bewusstsein dessen hat die dortige Bevölkerung durchaus schon Ideen entwickelt, wie sie sich an diese Verhältnisse besser anpassen kann, es fehlen aber finanzielle Mittel und technische Unterstützung für deren Umsetzungen. Ziel der folgenden Projektphase ist es nun kurz- und mittelfristige Finanzierungsinstrumente und Pilotprojekte zu entwickeln, in denen mögliche Anpassungsstrategien getestet werden können. Die Projekte sind praxisorientiert und beziehen die betroffenen Gemeinschaften unmittelbar mit ein.

So wurden in einer Teefabrik in Kenia eine viel zu hohe und ineffiziente Nutzung von Feuerholz zur Energieerzeugung festgestellt, die zu einer starken Entwaldung der Umgebung geführt hatte. Durch ein umfangreiches Energie-Audit gelang es, den Energieverbrauch insgesamt um 15 % und zu senken und die Effizienz der Holznutzung um 40 % zu steigern. In einer tanzanischen Teefabrik, die ebenfalls mit Brennholzknappheit zu kämpfen hat, wurden 10 Mitarbeiter im Bau von Niedrigenergie-Kochherden geschult, um der Feuerholzknappheit zu begegnen und gleichzeitig die Rauchbelastung der Frauen zu verringern – ein unmittelbarer Zugewinn an Lebensqualität.
Von 2004 bis 2007 investierte Cafédirect 1,7 Mio EUR oder 60 % der operativen Gewinne in den nachhaltigen Auf- und Ausbau von Partnerschaften – solch Engagement wird sich auszahlen – wenn auch der Kunde weiter mitmacht.

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