LOHAS – Mythos und Wirklichkeit.

Das ist ja nun eine "schöne Bescherung": Gerade, da in den Blogs von Michael Wenzl, Markus Trumann/Wolfram Latschar, Hannes Offenbacher, Peter Parwan oder bei gokui signs über Nachhaltigkeit im Allgemeinen und den Spagat zwischen Glaubwürdigkeit und Wirtschaftlichkeit bei "Utopia" im Speziellen heftig diskutiert  wird, legt stratum "… ernüchternde Erkenntnisse über den Ökokonsumenten …" auf den Tisch, gekrönt mit der Aussage, die Zielgruppen würden " …resistent gegen zu viel Aufklärung …". Sind wir also alle Bewohner Potemkinscher Dörfer?

Die stratum-Studie "LOHAS – Mythos oder Wirklichkeit" wird am 06.11. offiziell vorgestellt. Da mir Inhalt noch unbekannt ist, gebe ich nachfolgend ersatzweise den Text der e-Mail wieder, die ich heute von stratum erhielt, so dass sich jeder selbst ein eigenes Bild machen und sich ggf. weiter informieren kann. Hier der Inhalt  der e-Mail:

Lieber Herr Dr. Langenbahn,

eine strategische Marktforschungsstudie, die stratum im Rahmen eines Projektes für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) veranlasst hat, legt ernüchternde Ergebnisse über den Ökokonsumenten vor. Die Menschen, die in Deutschland Nachhaltigkeit zur Leitlinie ihres Konsumverhaltens machen, sind eher unpolitisch, harmoniebedürftig, konservativ und ichbezogen. Auf diese Weise werden Öko-Themen zwar zu Ego-Themen und gewinnen eine größere gesellschaftliche Breite, aber gleichzeitig werden die Zielgruppen resistent gegen zu viel Aufklärung und Lifestyle-Marketing.

Die Studie ist unter dem Titel „LOHAS – Mythos und Wirklichkeit“ in einer Kurzfassung erschienen und ab sofort unter www.stratum-consult.de/lohas-mythos-und-wirklichkeit.html erhältlich. Lesen Sie doch einfach mal Probe!

Wenn Sie bevorzugen, bei der erstmaligen Veröffentlichung der Studie live dabei zu sein und mit zu diskutieren, dann kommen Sie doch am 6.11. ins Zentrum für Umweltkommunikation nach Osnabrück. Infos und Anmeldung: www.stratum-consult.de/die-marke-nachhaltigkeit.html

Mit besten Grüßen

Claudia Kerns

Was hält man davon? Steht LOHAS auf tönernen Füssen oder ist doch mehr Nachhaltigkeits-Substanz vorhanden, als Stratum festgestellt hat?

6 Kommentare

  1. Veröffentlicht am 04.11.2008 um 08:51 | Permanenter Link

    Mythos und Wirklichkeit, ja da stelle ich entgegen: Wie soll unsere Zukunft denn aussehen? Genausogut könnte man sagen, den Wunsch oder Vision die wir haben, gibt es noch nicht, also ist es ein Mythos, die Wirklichkeit lebt nur in der Gegenwart. LOHAS.de ist Projektpartner bei stratum. Meine Einschätzung ist, mit Strategie und altem Denken lösen wir nicht die Probleme, die unsere Experten erst geschaffen haben, die wir nun wandeln müssen. Und diese Experten arbeiten nun an einer Lösung, wie kann das gehen? Der Versuch, mit Marketingmethoden einer GUTEN SACHE zu dienen, ist zweischneidig, möchte auf Grundlage von Daten und Fakten und exakte Berechnung der Zielgruppe für “nachhaltige Akteure” Umweltbewusstsein schaffen, also genau die Methoden, die das alte Denken ausmachen. Das kann nur gelingen, wenn auch die Intention der Akteure sichtbar wird, wenn der Mensch und nicht nur die Studie gesehen wird. Wer ist denn stratum, wer führt die Marktforschung durch und wer interpretiert hier? Aber einen Versuch scheint es Wert, wobei nicht die Zeit bleibt, für viele Versuche…

  2. Veröffentlicht am 04.11.2008 um 15:03 | Permanenter Link

    hallo werte leser,

    “Auf diese Weise werden Öko-Themen zwar zu Ego-Themen und gewinnen eine größere gesellschaftliche Breite, aber gleichzeitig werden die Zielgruppen resistent gegen zu viel Aufklärung und Lifestyle-Marketing.”

    ich setzte hier mal für mich einen gedanklichen ansatz.

    es werden also öko themen zu ego themen. nun wie darf ich das verstehen ? ist es negativ gemeint ? ich sehe es, trotz einer vermeintlichen negativierung eher positiv, denn wo sonst soll ich anfangen dinge zu ändern wenn nicht bei mir ?
    soll ich einen dicken alten geländewagen fahren und das radfahren prädigen ?

    dann: was ist falsch daran resitent, für mich eher im sinne von “kritische offenheit”, gegenüber “lifestyl- marketing” zu sein ?

    für meine geschmack past da was nicht so richtig zusammen.
    *grübel*

  3. Veröffentlicht am 04.11.2008 um 15:19 | Permanenter Link

    Hallo Peter,

    ich gebe Dir vollkommen Recht: Mit altem (Experten-)Denken kommen wir nicht weiter! Wir leben, in wesentlichen Teilen durch das Internet ermöglicht, in einer Zeit (beginnender) gravierender Umbrüche – wünsche ich mir jedenfalls!

    Hans

  4. Veröffentlicht am 04.11.2008 um 15:26 | Permanenter Link

    Hallo “gokui”,

    spannend wäre es sicher, bei der Vorstellung der Studie am 6.11. dabei zu sein – was für mich leider nicht möglich ist. Aber vielleicht hast Du oder einer der Leser/innen das Interesse, die Zeit und die Möglichkeit teilzunehmen? Da könnte sicher einiges vor Ort ge- resp. erklärt werden.

    Hans

  5. Veröffentlicht am 06.11.2008 um 16:33 | Permanenter Link

    Ich sehe ja in dem Begriff LOHAS auch wieder nur eher eine Strategie der Marketingabteilungen, eine gewisse Art von Konsumbedürfnis zielgruppengenau zu befriedigen – DIE LOHAS gibt es so sicher eh nicht, es sei denn, Leute springen auf diesen “Trend” auf, nur um eben en vogue zu sein.

    Tendenziell würde ich auch sagen, dass es zwar gut und sinnig ist, wenn jeder bei sich selbst anfängt, seinen Konsum etc. zu überdenken – aber an den grundsätzlichen Problemen des “Systems” (Wirtschaftssystems) wird es nicht so viel ändern. Der Wachstumszwang ist beispielsweise tödlich für die Erde, egal, ob man nun Biomilch trinkt oder nicht. Weniger (Konsum) wäre hier mehr.

    Siehe auch:
    http://konsumpf.de/?p=556

  6. Veröffentlicht am 06.11.2008 um 17:07 | Permanenter Link

    Hallo Peter,

    Du sprichst mir aus der Seele! Aber wie lässt sich das (Wirtschafts-)system ändern resp. der Wachstumszwang einschränken oder gar vermeiden? Sind die gerade hie und da im Entstehen begriffenen “Sozial-Unternehmen” im Sinne von Yunus ein Ansatz?

    Viele Grüße,

    Hans

2 Trackbacks

  1. [...] wir also als abschließende Frage, was Hans Langenhahn auf dem Kaffee-Blog so formuliert hat: Steht LOHAS auf tönernen Füssen oder ist doch mehr Nachhaltigkeits-Substanz [...]

  2. [...] LOHAS hat auch insofern überhaupt nichts mit ökologischem Bewusstsein und einer moralischen Haltung zu tun, als dass – wie eine Studien gezeigt hat, es den Anhängern dieses Konsumtypus mehr um ihre eigene Gesundheit geht als um die ökologischen Konsequenzen ihres Verhaltens; Bio ist also aus dieser Sicht deshalb zu bevorzugen, weil es als gesünder gilt (was ein Trugschluss sein kann). Auch wird der Konsum im LOHAS nicht eingeschränkt – es wird munter auf hohem Niveau weiterkonsumiert, nur werden eben andere Produkte von (teilweise) anderen Herstellern bevorzugt. Es kann hier also nichteinmal von nachhaltigem Konsum im Sinne von schonendem Umgang mit Ressourcen die Rede sein – der Lifestyle of Health and Sustainability sieht nicht vor, Konsum in irgend einer Form zu begrenzen (im Gegensatz zum LOVOS). Die Menschen, die in Deutschland Nachhaltigkeit zur Leitlinie ihres Konsumverhaltens machen, sind eher unpolitisch, harmoniebedürftig, konservativ und ichbezogen. (Quelle) [...]

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