Karmakonsument Christoph Harrach in TRANS-SELBST-FAIR-SUCHUNG. Mit nachhaltiger Wirkung?

Christoph Harrach ist ein mutiger Mann – noch! Genauer: Ein mutiger KarmaKonsum-Blogkarneval-Mann. Seine Reifeprüfung: Sich während der „Fairen Woche“ 14 Tage lang von fair gehandelten Produkten zu ernähren. Zwei Drittel der (Durst-?)Strecke hat er hinter sich, und viele Nachhaltigkeits-Blogger haben schon darüber berichtet (slowretail, Alles was gerecht ist, bioemma, nachhaltigBeobachtet, Fressnet, netzlogbuch, ecowein, naturbelastet, Leben ohne Diät, unsdiewelt, faircustomer, Almende, Sebastian Backhaus´Blog, Konsumguerilla u.a.m.).

Christoph führt ein Selbstversuch-Tagebuch, dem wir genau entnehmen können, was er täglich zu sich führt. Alle Produkte, die er innerhalb von 2 Wochen konsumiert, sind fair gehandelt, oder genauer, tragen das FAIRTRADE-Siegel und finden ihren Weg aus dem Weltladen in seine Küche. Unabhängig von meiner eigenen, distanzierten Einstellung zu TransFair (nicht zum fairen Handel als solchem!) finde ich, wie Christoph Aufmerksamkeit weckt beachenswert, und er verleiht dem globalen Sub-Thema „fairer Handel“ sicher einen weiteren kleinen Schub nach vorne.

Ich selbst stecke ebenfalls gerade mitten einen Selbstversuch: Ich habe mir eine ganze Ladung FAIRTRADE/Bio-Kaffees zuschicken lassen. Ich kann nur hoffen, dass der gute Christoph nicht zu viele von den gleichen Kaffees zu sich nimmt (auf seinen täglichen Menükarten fehlen leider die Getränke), es sei denn, er räumt regelmäßig mit Remy seinen Magen auf! Es bestätigt sich leider erneut und immer wieder, dass „fair gehandelt“ und „bio-zertifiziert“ weiterhin zu häufig nichts mit Geschmack zu tun haben – wohlgemerkt: mit gutem Geschmack und hoher Qualität!  Das müsste zum Nachdenken geben! Nachhaltig schlechten, fair gehandelten Bio-Kaffee trinken, der dazu bei einigen Anbietern kaum noch nachvollziehbar billig ist – sorry, da läuft beim besten Siegel was aus dem Ruder! Ich sehe da für mich ernst zu nehmende Widersprüche!

TransFair: fehlende Qualitäts-Standards
Einer der für mich größten Widersprüche, und damit einer meiner wesentlichen Kritikpunkte an TransFair, ist die fehlende Verlinkung von Fairem Handel und Qualität, oder besser, Qualitätsstanddards. Den „Knackpunkt“ sehe ich, und ich beziehe mich jetzt konkret auf das in diesem Zusammenhang wichtige Produkt „Kaffee“, bei der wenig flexiblen Strategie der Fixpreise resp. der pauschalen Aufschläge. Warum soll ein Produzent/Exporteur, so frage ich mich, sich um eine bessere Qualität bemühen und in qualitätsverbessernde Maßnahmen investieren, wenn er unabhängig davon eine Preisgarantie hat?

OK., die Dachorganisation FLO, so wird auf der TransFair-Website vermerkt „… leistet … Hilfestellungen in Sachen Organisations- und Unternehmensentwicklung, Strategieplanung sowie der Verbesserung des Qualitätsmanagements.”. Aber nach fast einer Stunde Suche auf der FLO-Website nach konkreten Äußerungen zu den zitierten “Hilfestellungen bei Verbesserungen des Qualitätsmanagements” habe ich aufgegeben: Ich konnte einfach nichts zu finden. Es mag sein, dass irgendwo in einer der zahlreichen Verzweigungen der Site etwas dazu geschrieben steht (vielleicht auch unter anderer Formulierung), aber dann scheint es offensichtlich nicht ganz so wichtig zu sein.

Ich habe mir danach die Mühe gemacht, die TransFair-Website darauf hin zu überprüfen, wie oft der Begriff Qualität erwähnt wird, um den Stellenwert des Begriffs dort zu erfassen (den Menüpunkt „Produkte“ habe ich, da sich einiges wiederholt, das auf anderen Seiten bereits erwähnt wurde, nicht in Gänze berücksichtigt). Hier die Ergebnisse der relevanten Seiten:

Der Begriff „Qualität“ erscheint nicht auf den Seiten :

- „Kriterien“
- „Mindestpreis
- „FairTrade-Prämie“!
- “TransFair und Bio
- "FAQ´s"

Der Begriff „Qualität“ erscheint auf den Seiten :

1 x (ohne nähere Erläuterung) auf „So funktioniert´s
Rund drei Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland greifen bei ihrem Einkauf nach Produkten mit dem Fairtrade-Siegel. Hier zeigt sich, dass die Qualität der Produkte und die Transparenz der Produktion ankommt.

1 x (ohne nähere Erläuterung) auf „Das wurde erreicht“:
Rund drei Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher wissen den Geschmack und die gute Qualität zu schätzen.

6 x (ohne nähere Erläuterung) und in unterschiedlichen Zusammenhängen bei "Verbrauchermeinungen"

Bei den Produzenten:
4 x in den Bananen-Geschichten

1 x in den Baumwoll-Geschichten
“Pauline ist überzeugt, dass ihre Bio-Baumwolle eine hohe Qualität hat”

1 x in den Blumen-Geschichten

6 x bei den Kaffee-Geschichten (ohne nähere Erläuterung)
Tadessa Maskela (OCFCU, Äthiopien): “Das Einkommen der Farmer durch den Kaffeeexport soll weiter gesteigert werden, die Qualität des Kaffees soll erhalten bleiben …”

2 x in den Kakao-Geschichten (ohne nähere Erläuterung)
"Wir versprechen euch Qualität."

1 x in den Orangensaft-Geschichten (ohne nähere Erläuterung)
“Ihr Konsumenten in Europa könnt uns vertrauen, ihr bekommt die beste Qualität aus Kuba."

2 x in den Weingeschichten (ohne nähere Erläuterung)

Null x bei:
Honig
Reis
Sportbälle
Tee
Zucker

1 x bei den (21!) “prominenten Unterstützern” (ohne nähere Erläuterung)

1 x bei den “aktiven Multiplikatoren” (ohne nähere Erläuterung)

3 x bei den “tatkräftigen Unternehmern” (2 x davon nicht auf den fairen Handel bezogen)

Null x bei den “FLO CERT Inspektoren”!
http://www.transfair.org/menschen/flo-cert-inspektoren.html

Die Auflistung sollte genügen. Sie ist meines Erachtens für sich selbst redend, weshalb sich ein Kommentar dazu erübrigt!

Was ich, um es noch ein Mal pointierter zu formulieren, bei TransFair vermisse, ist die explizite Forderung nach Produktqualität resp. nach der Einhaltung von Qualitätskriterien. Aus der Perspektive des Verbrauchers sehe ich darin ein inakzeptables Versäumnis.

Die Qualitäts-Frage
Ich habe, und damit komme ich zum Schluss, nun oft genug den Begriff „Qualität“ verwendet, habe dabei aber bewusst auf eine Klärung des Begriffs verzichtet. Da ich immer wieder erlebe, dass der Qualitäts-Begriff recht wahllos, pauschal und undefiniert benutzt wird, würde  ich gerne eine Diskussion über diesen Begriff beginnen und deshalb, beispielhaft auf das Produkt „Kaffee“ bezogen, die Frage stellen:

„Was zeichnet eine hohe Qualität aus? An welchen Kriterien ist sie fest zu machen?“

Ich freue mich über alle Ideen, Meinungen und Anregungen; nutzen Sie einfach die Kommentarfunktion! Ich denke und hoffe, dies wird auch im Sinne des „Fair Trade Mannes“ Christoph Harrach sein. Ich wünsche ihm von dieser Stelle aus noch gutes Durchhalten!

Übrigens:
Bei uns gab es heute Abend handelsfreies, direkt vermarktetes Bio-Büffelsteak! (Dem Büffel werden die von uns geliebten Attribute allerdings egal sein: gemeuchelt ist gemeuchelt. So sind wir Menschenkinder eben. Aber zäh war er, der Büffel!)

Maskal – fine coffee company  

22 Kommentare

  1. Veröffentlicht am 26.09.2008 um 20:37 | Permanenter Link

    Hallo Hans,
    das muss Gedankenübertragung sein, denn vor ein paar Tagen habe ich über meine Erfahrung im Supermarkt zum Thema Bio versus Transfair Kaffee im Blog berichtet:
    http://janasworld.wordpress.com/2008/09/20/alles-bio/

    Ich finde es als Verbraucherin blöd, dass ich mich entscheiden muss, ob ich Bioqualität oder Transfair Kaffee haben will. Warum geht das nicht zusammen, das ein ein Kaffee biologisch mit glücklichen, gut bezahlten Kaffeebauern angebaut wird? Denn soweit wie ich weiß, hat das Transfair Sigel nun gar nicht mit Bio-Standards zu tun…

    Was mich bei beiden Kaffees (Bio und Transfair) gestört hat, war, dass die Sorte, die Geschmacksrichtung und die Herkunft nicht verzeichnet waren. So habe ich mich für einen entschieden, bei dem mich das Etikett angelacht hat.Der Preis war dabei nicht entscheidend, da alle Kaffees gleich viel gekostet haben. An sich bescheuert, aber was sollte ich machen?

    Ich werde aber bald mal deinen Kaffee ausprobieren und bin schon ganz gespannt. Viele liebe Grüße
    Jana

  2. Veröffentlicht am 28.09.2008 um 10:06 | Permanenter Link

    Hallo Hans, nun war ich gerade in etwas streitbarer Stimmung und habe eine Replik auf Deinen Beitrag geschrieben. Dabei finde ich es ja eigentlich sehr positiv, dass fairer Handel überhaupt ein Thema für Dich ist!
    http://blog.faircustomer.ch/?p=263
    Trotz der inhaltlichen Meinungsverschiedenheit herzliche Grüße
    Amei

  3. Veröffentlicht am 28.09.2008 um 14:34 | Permanenter Link

    Wir haben hier in der Firma Demeter-Kaffee, der äusserst lecker und bekömmlich ist. Irlanda heisst er glaube ich. Leider weiss ich nicht, ob er fair gehandelt ist und ob dies bei Demeter vielleicht sogar vorausgesetzt wird…. Ich kann bestätigen, dass Bioanbau nicht immer ein Indikator für besonders hohe Qualität ist, aber ich denke, das ist auch nicht das primäre Ziel. Im Grunde ist es die Vorstellung des Verbrauchers. Aus meiner Sicht geht es darum nachhaltig zu wirtschaften. Den Boden, das Grundwasser, Nützlinge und letztendlich die Pflanze selbst zu schonen. Natürlich beinhaltet dies auch den Verbraucher, da er vom ausbleibenden Einsatz von Pestiziden und anderen Giften profitiert.

  4. Veröffentlicht am 28.09.2008 um 21:14 | Permanenter Link

    Der Irlanda-Kaffee hat zwar kein Fairtrade-Siegel ist aber sicher fair angebaut, zwischen Röster und Kaffeebauern gibt es nun schon in der 2. Generation enge Beziehungen.
    Wir sind zwar sicher keine Feinschmecker wie der Profi Hans, aber unser Favorit ist Irlanda zur Zeit auch!

  5. Veröffentlicht am 28.09.2008 um 21:42 | Permanenter Link

    Fair und Qualität geht beim Kaffee, wie er von der TAZ vertreiben wird, nicht so wirklich zusammen. Das hat schon Tradition seit dem Café Sandinista.

    Auf der Bio-Fach habe ich den – subjektiv – bisher besten Espresso bei einer italienischen Firma getrunken, die ihre Ware aus Costa Rica bezieht. Vielleicht lag es aber auch an der perfekten Espressomaschine?

  6. Veröffentlicht am 29.09.2008 um 00:29 | Permanenter Link

    Hallo Amei,

    Danke für Deine Anmerkungen! Auf Deine erste werde ich bei Gelegenheit einen Kommentar in Deinem Blog schreiben.

    Zu Deiner zweiten Anmerkung muss ich sagen: Achtung! Wenn Du schreibst, dass der Irlanda-Kaffee zwar kein FairTrade-Siegel hat, er “…aber sicher fair angebaut…” ist, so trittst Du die sowieso schon geöffnete Tür der freien Interpretation dessen, was fair gehandelt ist und was nicht, noch ein Stückchen weiter auf. Wir sollten uns alle angewöhnen, nur dann von “fair gehandelt” zu sprechen, wenn ein Produkt tatsächlich mit dem betreffenden Label versehen ist! Ansonsten kann auf das Label gleich ganz verzichtet werden. Das sage ich, auch wenn ich kein Freund von TransFair bin, was vielerlei Gründe hat (beachte: ich spreche explizit von TransFair, von sonst nichts!). Aber Labels stehen nun mal für etwas Bestimmtes, für etwas klar Definiertes, das für den Verbraucher von Interesse ist, im Gegensatz zu Aussagen oder gar Behauptungen, die jemand macht; das meine ich generell, nicht auf Dich bezogen.

    In diesem Sinne,

    viele Grüße,

    Hans

  7. Veröffentlicht am 29.09.2008 um 00:42 | Permanenter Link

    Anmerkung zum Kommentar von “Fressnet”:

    Danke für Deinen Kommentar!

    Was mir besonders gefällt ist – bezüglich Deiner Beurteilung des Espresso, den Du auf der Bio-Fach getrunken hast – Deine Anmerkung, dass Dein Urteil möglicherweise auf einer ganz subjektiven Einschätzung beruht bzw. auf etwas, das Du selbst nicht einschätzen kannst (Einfluss der Espressomaschine)! Das ist ein faires Statement!

    Viele Grüße,

    Hans

  8. Veröffentlicht am 29.09.2008 um 07:19 | Permanenter Link

    Nicht Label sollten Standard und Basis für unsere Kaufentscheide sein, sondern Vertrauen. Was wiederum eine sehr direkte Beziehung zum Produzenten voraussetzen würde …

  9. Veröffentlicht am 29.09.2008 um 12:35 | Permanenter Link

    Hallo Reto,

    ich finde Deine Anmerkung hervorragend! Wenn sie sich realisieren ließe, könnte endlich auf die ganzen Zertifizierungsformalitäten und die hohen Zertifizierungs- und jährlichen Inspektionskosten verzichtet werden – von den Produzenten angefangen über die gesamte Handelskette hinweg. Dann käme man endlich auch zu Preisen, die für “Otto-Normalverbraucher” interessant wären!

    Meine Erfahrungen im Kaffee-Geschäft sind aber leider die, dass ausschließlich Labels eine größtmögliche Garantie geben können, dass in den Säcken und Tüten tatsächlich das drin ist, was darauf steht. Ansonsten führt der Druck, Gewinne zu machen, schnell zu Vertrauens-”Fantasien”, die der Verbraucher nicht überprüfen kann, sprich, dem Verbraucher werden Dinge vorgegaukelt, die nicht existent sind. Das ist leider die traurige Wirklichkeit.

    Dennoch beteilige ich mich gerade an einem Kaffee-Qualitätsprojekt in Äthiopien, bei dem ich zu den Aufschlägen für Bio-Kaffee zusätzlich3,-€/kg (!) für weitere Qualitätsmaßnahmen zahle. Diese Maßnahmen laufen auf der von Dir erwähnten Vertrauensbasis, die aus meiner Sicht bei allen beteiligten Akteuren gegeben ist – auch wenn die Arbeit vor Ort bisweilen echte Knochenarbeit ist!

    Die Kunst ist nun, das Vertrauen, das ich in die restlichen Beteiligten habe, an meine (potentiellen) Kunden zu vermitteln. Für jede Anregung, wie dies realisiert werden kann, bin ich dankbar! Hast Du da einige Ideen?
    (Zu diesem Projekt siehe: http://kaffee-blog.maskal.de/maskal-infos/unser-neuer-top-kaffee-aus-athiopien-ist-eingetroffen-sidamo-grad-1-special-preparation-nur-50-sack-jahresernte.)

    Viele Grüße,

    Hans

  10. Veröffentlicht am 29.09.2008 um 13:00 | Permanenter Link

    @ Hans Nr. 7: Gerade da stimme ich Dir nicht zu, man kann den Begriff “fairen Handel” nicht nur auf Transfair/Max Havelaar/FLO beschränken. Ich will damit keine Kriterien aufweichen (sonst wäre ich nicht so kritisch bei utz), aber die Tatsache, dass es dieses Label nur bei einer ganz geringen Anzahl von landwirtschaftlichen Produkten (und Fussbällen ;-) ) gibt, spricht doch schon gegen die Einengung. Natürlich gibt es fair gehandeltes Quinoa aus den Anden und fair gehandete Palmblattkörbe aus Burkina Faso, auch wenn es dafür nie das Siegel von Transfair/Max Havelaar geben wird. Ich habe ja in meinem Blog schon einmal geschrieben, dass es mit der Definition des fairen Handels viele Probleme gibt und in der praktischen Durchführung noch viel mehr (http://blog.faircustomer.ch/?p=210). Deshalb werde ich sicher wo immer möglich versuchen nachzufragen und auf den Einzelfall zu schauen und nicht nur schematisch nach bunten Bildchen urteilen. Sonst haben Kleinbauernkooperativen in einem Land mit Devisenbewirtschaftung niemals eine Chance, denn sie können die Zertifizierung in Dollars nie bezahlen (und die FLO nimmt keine Landeswährung)…

    Und warum soll der Eigentümer der Irlanda-Plantage sich zusätzlich um das Fairtrade-Siegel mit all seinen Kosten und bürokratischen Erfordernissen bemühen, wenn er seit Jahren das Demeter-Siegel hat, seine sozialen Anstrengungen bekannt sind und Demeter und er selbst Glaubwürdigkeit bei den Kunden geniessen? Natürlich darf er nicht irreführen, darf nicht behaupten, er sei geprüft, kein Fairtradelabel auf die Verpackung drucken, aber er darf erzählen, dass er Schulen unterhält und wie es den Landarbeitern auf seiner Plantage ergeht.

    Und damit sind wir bei Deiner Nr. 9: Wie sage ich es meinen Kunden: Genauso, wie Du es tust, indem Du die Geschichte erzählst und überprüfbar machst. Aber in Deinem Beispiel geht es nur um die zusätzliche Qualität des Kaffees, der erhebliche Mehrarbeit für die Kaffeebauern bedeutet. Ob die für diese Arbeit auch fair bezahlt werden, erzählst Du nicht….

  11. Veröffentlicht am 29.09.2008 um 13:22 | Permanenter Link

    @Hans 9: aus meiner Sicht funktioniert gebana relativ glaubwürdig als Vertrauensvermittlerin zwischen Verkäufern weit weg und Käufern hier in der Schweiz. Und andererseits gibt es da die Vision der Projektonauten: der hybride Konzern (oder wie der letzte Arbeitstitel auch immer sein mag.

    Und Amei stänkert hier nicht nur rum, sondern ihre Plattform wird ja auch nächstens online gehen (gell, Amei :-) .

  12. Veröffentlicht am 29.09.2008 um 13:49 | Permanenter Link

    Die Produzenten / Bauern selbst sind noch so gut wie gar nicht an das Internet angeschlossen. Mittlerweile gibt es Dinge wie “One Computer per Child”, also halbwegs günstige Lösungen.
    Der Anschluss ans Netz hätte auch weitere Vorteile, wie mögliche Unwetterwarnungen, die Möglichkeit, handwerkliche Produkte zu vermarkten usw. usw..
    Die Sprachbarriere ist dabei nicht das größte Problem, es gibt genügend Sprach-Studenten, die für ein “Taschengeld” die Übersetzungen machen könnten.
    Warum sollen Kaffeebauern usw. nicht auch Blogger sein?
    Je nachdem, wie sie ihre Lebens. und Produktionsbedingungen darstellen, sind sie glaubwürdig, chem. Analysen könnten hinzukommen usw.. Somit kann auch ein “lokales” Produkt zur “Marke” werden, wie es hier bei z.B. Winzern ja auch der Fall ist.
    Und schließlich kann man im gleichen Atemzug dei Vertriebskosten noch deutlich senken:
    http://fressnet.de/blog/?p=895

  13. Veröffentlicht am 29.09.2008 um 14:10 | Permanenter Link

    Hallo Amei,

    zunächst zu Deiner Frage bezüglich Kommentar Nr. 9: Ich zahle für den besagten Kaffee, einen Sidamo Grad 1, 1,50 Euro mehr als letzte Woche für einen handelsüblichen Sidamo Grad 2 (PS: Grad 1 ist nicht handelsüblich, weshalb als Vergleich nur der Preis für Grad 2 herangezogen werden kann). Das ist mehr als das 10fache von dem, was normalerweise für ein Upgrade von Grad 2 auf Grad 1 gezahlt werden würde. Ich denke, das wiegt die Mehrarbeit, die die Bauern selbstverständlich haben, auf.

    Was Deine anderen Anmerkungen betrifft, so stimme ich Dir nur in einem Punkt zu: Die Zertifizierungs- und Kontrollkosten für die Kooperativen sind zu hoch! Definitiv! Aber die Sache mit dem Vertrauen steht auf tönernen Füßen – sicher nicht bei Dir, auch nicht bei mir, was ich mit Überzeugung sagen kann. Aber Hand auf´s Herz: wie viele Leute schätzt Du, hinterfragen wie Du, ob alles mit rechten Dingen zugeht, ob ein Produkt tatsächlich fair gehandelt ist, unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde etc.? Haben wir bereits eine “kritische Masse” an Verbrauchern und Verbraucherinnen, die es erlauben würde, auf Labels zu verzichten? Und um es noch ein Mal zu betonen: Ich bin kein Verfechter von Labels, ganz und gar nicht; aber ich stehe einer Geschäftswelt, die auf Vertrauen basiert, äußerst skeptisch gegenüber! Für Einzelfälle mag das ja durchaus gelten (und gilt es auch), für mehr reicht es aber nicht. Deshalb die Frage: Welche konkreten Vorschläge hast Du, wie (langfristig) die diversen Labels durch eine Zusammenarbeit in Produktion und Handel auf der Basis von allseitigem Vertrauen erreicht werden kann?

    Zuletzt noch eine Frage zum Irlanda-Kaffee: Was hat das Demeter-Siegel, das ich durchaus schätze, mit Handel, mit fairem Handel zu tun? Natürlich darf Plantageneigentümer erzählen, dass Schulen gebaut werden, welche Vorzüge es für die Landarbeiter gibt etc. Aber bewegst Du Dich in Deiner Argumentation nicht auf Glatteis? An anderer Stelle hast Du mir vorgehalten, ich würde dem Kunden suggerieren, das UTZ CERTIFIED-Label würde für fairen Handel stehen (was ich keineswes getan habe!); Gleiches könnte ich Dir bei Deiner Argumentation zum Irlanda-Kaffee jetzt auch vorhalten.

    Aber ich lasse es sein, denn es würde zu nichts führen – außer dass wir beide einen von unterschiedlichen Standpunkten aus geführten Disput führen. Lass´uns doch lieber darüber nachdenken, wir aus dem Spannungsfeld heraus, in dem wir beide uns gerade bewegen, etwas Positives entwickeln können, wie wir unsere Energie vor dem Abfließen ins Leere oder Negative bewahren und kreativ nutzen können!

    In diesem Sinne,

    viele Grüße,

    Hans

  14. Veröffentlicht am 29.09.2008 um 14:41 | Permanenter Link

    Anmerkung zu “fressnet” (Kommentar 11):

    Ein höchst interessanter Vorschlag, den man weiter verfolgen sollte!

    Ich werde voraussichtlich morgen einen Beitrag zu Jugendlichen aus Jena veröffentlichen, die im Oktober für eine längere Zeit nach Äthiopien fliegen und dort versuchen ein Projekt zu realisieren, das den einzelnen Kaffeebauern dem einzelnen Konsumenten näher bringen soll. Eine ganz spannende Sache, bei der es u.a. allerdings die gleiche Frage zu beantworten gilt wie bei dem sehr interessanten Vorschlag von “fressnet”: Wie können die Mitteilungen einzelner Kaffeebauern, die alle in klaren Produktionsstrukturen stecken (sowohl bei den Kooperativen als auch bei den Privaten), stellvertretend für sich und andere nach außen transportiert werden. Den einzelnen Kaffeebauern als solches gibt nicht, Kaffee ist ebenenfalls ein Produkt, bei dem viele ihren Beitrag leisten. Aber vielleicht ist diese Frage auch nur nebenrangig und sollte die generelle Idee nicht behindern. Deshalb meine Frage an “fressnet”: Wie könnten wir den von Dir ausgelegten Faden weiterspinnen? Und Danke noch ein Mal für die Anregung!

    Viele Grüße,

    Hans

  15. Veröffentlicht am 29.09.2008 um 15:58 | Permanenter Link

    Hallo Reto (zu Kommentar Nr. 11),

    “gebana” ist selbstverständlich ein guter Ansatz!

    Danke auch für den Hinweis auf die “Projektonauten”! Kannte ich bisher noch nicht, macht aber auf den ersten Blick einen überzeugenden Eindruck. Witziger Weise laufe ich schon seit Jahren mit dem Begriff “fairbusiness” schwanger, denn wie in einer Beziehung sind in einer Geschäftsbeziehungen immer mindestens zwei Personen beteiligt, die fair, gleichberechtigt und verständnisvoll miteinander umgehen sollten. Ich werde mich mit den “Projektonauten” näher befassen.

    Ich habe nicht den Eindruck gewonnen, das Amei “herumstänkert”! Im Gegenteil, ich kann mich ob der guten und spannenden Diskussion eigentlich bei Amei bedanken. Genau so soll es laufen. Und nur so kommt man weiter!

    Viele Grüße,

    Hans

  16. Veröffentlicht am 29.09.2008 um 20:35 | Permanenter Link

    @ Hans: Der Zugang zu Informationsnetzen kann sich durchaus  stimulierend auf die Wirtschaft auswirken.
    Über die “Internatione Bloggerszene” kann man sich zur Zeit bei der Deutschen Welle informieren.
    Blogs von landwirtschaftlichen Kooperativen gibt es bisher wohl noch nicht; aber wozu gibt es Journalisten? Die könnten mal eine Weile vor Ort leben, ihre Eindrücke verarbeiten. Dabei eine Seite aufbauen, und später auch weiter betreuen, wenn sie in Kontakt mit den Bauern bleiben. Dabei kann es sich um einheimische Journalisten handeln, aber auch hiesige Studenten wären über ein Stipendium glücklich.
    Zur Finanzierung könnte auch die westliche Entwicklungshilfe einen Beitrag leisten.
    Natürlich kann auch eine Schülergruppe ihre Erfahrungen publizieren – dann kommt es darauf an, wie packend ihre Beiträge sind und wie und wo sie eingebunden/verlinkt werden.
    Halbwegs erfahrene Internet-User entwickeln mit der Zeit schließlich ein gewisses Gespür dafür, welche Seiten glaubwürdig sind, und welche nicht.
    @ Reto: Worum es beim hybriden Konzern geht, erschließt sich dem nicht-eingeweihten Leser erst nach gehöriger Anstrengung, wenn überhaupt. Eine Geschäftsidee sollte sich doch etwas kompakter darstellen lassen.

  17. Veröffentlicht am 29.09.2008 um 21:38 | Permanenter Link

    Anm. zu “fressnet” (Kommentar 16):

    Sehr interessant! Sehr interessant! Bei der Realisierung eines solchen Vorhabens wird man, je nach dem, in welchem Land man so etwas mal angehen würde, zwar mit Sicherheit auf mehr oder weniger Komplikationen stoßen – aber wo gibt es das nicht? Deshalb: Bei Deinen Vorschlägen möchte ich gerne am Ball bleiben!

    Lass´uns doch die Sache in den nächsten Tagen mal konkretisieren und vielleicht noch ein paar Blogger aktivieren. Eine schöne virtuelle Konzeptentwicklung, offen, transparent, für jeden einsichtig und jeder zum Mitmachen herzlich eingeladen … na, das wär´doch was! Was hältst Du davon?

    Morgen veröffentliche ich einen kurzen Bericht über ein möglicherweise sehr interessantes Projekt in Äthiopien. Ich habe die Leute (2 Abiturienten und eine in Deutschland lebende Äthiopierin), die sich ab Oktober für 8 resp. 12 Monate in Äthiopien aufhalten werden gebeten, möglichst regelmäßig über den Stand ihrer Arbeit mit Kaffeebauern in meinem Blog zu berichten – sofern ein Internetanschluss in erreichbarer Nähe ist.

    Das geht schon durchaus in die von Dir vorgeschlagene Richtung. Oder? Du kannst Dir das Projekt, von einer der Teilnehmerinnen beschrieben, ja mal anschauen.

    Ich habe heute gleich die Projektonauten-Site durchforstet. Tja, mir ist schon klar, auf was das hinauslaufen soll. Ich finde es auch toll, dass Leute auf solche Gedanken kommen, aber es ist natürlich vieles noch sehr offen, vage und allgemein gehalten. Aber nun gut, so fängt man meistens an. Ich hege nur gewisse Zweifel, ob die ganze Sache nicht doch zu komplex angelegt ist. Aber mal sehen, wie es sich weiter entwickelt.

    Viele Grüße und danke für Deine ausgezeichneten Inputs!

    Hans

  18. Veröffentlicht am 30.09.2008 um 07:24 | Permanenter Link

    @Fressnet 16: ja, stimmt, das Konzeot erschliesst sich einem nicht so einfach. Ich kann aber das Interview mit Thomas Diener, einem der Köpfe, welches ich vor einiger Zeit geführt habe, sehr empfehlen:

    Im Gespräch: Thomas Diener

  19. Veröffentlicht am 30.09.2008 um 20:49 | Permanenter Link

    @ Hans Danke, ich möchte auch gar ncht bissig sein und wenn von dem Mehrpreis, den Du für den Qualitätskaffee zahlst etwas bei denen hängenbleibt, die ihn pflücken, ist das gut!
    Ehe ein Missverständnis entsteht, möchte ich nur eines kurz richtig stellen: Ich bin nicht gegen Labels, sie geben dem Konsumenten in der heute unüberschaubar gewordenen Zeit eine dringend notwendigen Orientierung. Allerdings nur, wenn eindeutig und klar ist, wofür sie stehen und sie sich auch externer Kontrolle stellen. Sie sind aber nicht abschliessend, nicht nur dass, was z.B. das Biolabel trägt ist Bio, sondern der Apfel aus dem Garten meiner Großmutter ist mindestens genauso bio, auch ohne Label.
    Und so kaufe ich viele Produkte mit dem Fairtradelabel, aber ebenso guten Gewissens auch Produkte von gebana, Claro und anderen, die das Label eben nicht haben. Denn ich kenne mich inzwischen gut genug in dem Bereich aus um zu wissen, dass das Firmen sind, die sich zumindest ehrlich um Fairness bemühen.

    Lustig, dass Du auf die Idee vom Fairbusiness gekommen bist, unsere Firma heisst Faircustomer und wir stellen auch den Anspruch an uns, genau das zu sein. Wir glauben auch, dass das Internet neue Möglichkeiten bietet Transparenz zu schaffen, deshalb geben wir unseren Händlern die Möglichkeit anzugeben, ob und welches Label er hat, aber wir bitten ihn auch darum, die Geschichte des Produktes zu erzählen. Und dann fordern wir die User auf, uns Missbrauch zu melden und setzen dabei darauf, dass schwarze Schafe sehr schnell auffliegen können, wenn Kunden, Konkurrenten und Touristen darauf schauen.

    (Einschub @ Reto: wir werden das alles ganz bald tun, es werden nicht noch Monate bis zum Launch vergehen, versprochen!)

    Eigentlich hoffen wir darauf, dass vielleicht tatsächlich auch die Produzenten selbst zu Wort kommen, aber mir scheint, dass man da noch Geduld haben muss.

    Und zu Deinem Äthiopienprojekt ist mir der Reisebericht der Praktikanten von gebana eingefallen (in 6 Teilen)http://blog.gebana.com/2008/05/page/2

  20. Veröffentlicht am 01.10.2008 um 17:58 | Permanenter Link

    Hallo Amei,

    sorry, ich kann Dir im Augenblick nicht auf Deinen interessanten Kommentar antworten, da ich mir eine deftige Erkältung eingefangen habe und ich mich kaum konzentrieren kann.

    Mein Co-Autor Jörg Volkmann veröffentlicht aber morgen früh einen Artikel über die Förderung von innovativen Nachhaltigskeits-Projekten durch die Weltbank (PS: Ich sehe Dich schon zusammenzucken!), von der er gerade zurück gekommen ist. Das passt voll und ganz zum Them und wird Dich sicher interessieren. Es wird auch ein sehr konkretes Projekt von Tadesse Meskala vorgesellt, den ich persönlich kenne und von dessen OCFCU (er ist der Manager des Kooperativen-Dachverbands) in Äthiopien einer der “gebana”-Kaffees stammt.

    So, jetzt werde ich mich erst ein Mal versuchen auszukurieren!

    Viele Grüße,

    Hans

  21. Veröffentlicht am 01.10.2008 um 19:54 | Permanenter Link

    Hallo Hans,
    gute Besserung, es ist schrecklich, wenn man plötzlich nur noch aus Nase und Husten besteht!
    Und ich zucke nicht so schnell, überhaupt nicht, manchmal macht Hilfe Sinn und es gibt Weltbankprojekte, die einfach wirklich spannend und toll sind!
    Bin gespannt auf den Beitrag!
    Herzliche Grüße
    Amei

  22. Veröffentlicht am 01.10.2008 um 19:56 | Permanenter Link

    Eines nur noch: Du bist doch hoffentlich nicht meinetwegen verschnupft! ;-)

3 Trackbacks

  1. Von Donnerstagslinks #55 am 02.10.2008 um 22:10

    [...] Im Zusammenhang mit dem o.g. Fairtrade-Projekt hat sich der Maskal-Blogger Hans Langenbahn mit der Frage beschäftigt – “geht Faitrade und Qualität eigentlich zusammen?“ [...]

  2. [...] kaffee-blog.maskal.de Es bestätigt sich leider erneut und immer wieder, dass „fair gehandelt“ und „bio-zertifiziert“ weiterhin zu häufig nichts mit Geschmack zu tun haben – wohlgemerkt: mit gutem Geschmack und hoher Qualität!  Das müsste zum Nachdenken geben! . [...]

  3. [...] Also ist irgend etwas an der Fair-Trade-Geschichte doch nicht so 100-prozentig fair. Bei einer vertrauenswürdigen “Kaffeequelle” wäre deren guter Name so gut wie ein Siegel. Und auch mehr Kommunikation zwischen Endverbraucher und Bauern, zum Beispiel in Form eines oder mehrerer Blogs, habe ich schon einmal angeregt. Sozusagen: Campesionos-Blogs. [...]

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