Förderung von innovativer Nachhaltigkeit durch die Weltbank: Eindrücke vom MARKTPLATZ FÜR ENTWICKLUNG in Washington

Es ist müßig an dieser Stelle darüber zu befinden, ob es sinnvoll und richtig ist, Steuergelder in ein völlig marodes Wirtschafts- und Bankensystem zu pumpen. Allein die Dimension, in der dies nun in den USA zu geschehen droht, sprengt jede Vorstellung und wird vermutlich kaum noch vermittelbar sein. Nicht nur aus entwicklungspolitischen Kreisen vernimmt man das Lamento, welchen Beitrag jene wahnwitzigen 700 Milliarden Dollar im Kontext von nachhaltiger Entwicklung zu leisten imstande wären. Zählt man hierzu noch die 267 Milliarden hinzu, die die Industrienationen im vergangenen Jahr an Landwirtschaftssubventionen ausgegeben haben, so entspricht dies 127 % Bruttosozialprodukt aller Subsahara-Staaten inklusive Südafrika oder 940% der derzeitigen Entwicklungshilfe der Top 22 Geber-Nationen.

Gleichzeitig erleben wir Preisexplosionen im Lebensmittelbereich in bisher ungekanntem Ausmaß, nicht nur ein Ergebnis der gestiegenen Energiepreise, sondern das Resultat verfehlter Wirtschafts-, Förder- und Verteilungspolitik. So sind in den vergangenen Jahren Investitionen in landwirtschaftliche Forschung und Entwicklung, insbesondere in Afrika, drastisch verringert worden. Und nun reiben sich die Verantwortlichen verwundert die Augen, wenn sie feststellen, dass die Erde nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch völlig aus dem Ruder läuft. Fest steht jedoch: Viel hilft nicht immer viel, insbesondere dann nicht, wenn in ökonomischem Eigeninteresse korrupte System gestützt werden. Entwicklung muss aus dem System selbst kommen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der World Bank Development Marketplace, ein mit verglichsweise lächerlich anmutenden 4 Mio Dollar dotierter Förderwettbewerb für Innovation in der Landwirtschaft, der vergangene Woche in Washington seinen Abschluss fand. Parallel zum Ringen der Kongressabgeordneten um das umstrittene Bankenrettungspaket präsentierten Finalisten aus 42 Nationen 100 Projekte für eine nachhaltige landwirtschaftliche Entwicklung, die ein Jurorenteam zur Prämierung aus 1.750 Vorschlägen ausgewählt hatte. Alle einhundert Projektvorschläge konnten mit innovativen Ansätzen zur Marktanbindung von Produzenten, zur Verbesserung von Landzugang und -nutzungsrechten oder zum Schutz von Klima und Biodiversität aufwarten. Bemerkenswert hierbei ist, dass diese Innovationen von „unten“ kommen, sich an lokalen Bedürfnissen und Möglichkeiten orientieren und so unmittelbar zur Verbesserung der sozio-ökonomischen und ökologischen Verhältnisse ihrer Zielgruppen beitragen.

Nach langen Beratungen konnte sich die Jury auf 22 Sieger-Projekte einigen, die sich nun über Preisgeld von maximal 200 Tsd Dollar freuen dürfen. Unter den 100 nominierten Projekten befassten sich drei Vorschläge mit der Vermarktung von Kaffee aus kleinbäuerlichen Strukturen, Initiativen, die ich hier und in zwei Fortsetzungen vorstellen werde. Den Anfang macht die Pachamama Coffee Cooperative, die mit ihrem Projekt zur Marktanbindung von Kleinbauern durch rückverfolgbaren Kaffee zu den Wettbewerbssiegern zählte.

Pachamamasymbolisiert die personifizierte Mutter Erde, die seit dem 13 Jahrhundert bis heute als Figur aus dem indianischen Schöpfungsmythos verehrt wird.

Pachamama Zeremonie in Bolivien

(Quelle: YouTube)

Zielsetzung von Pachamama ist es, mehr als 140 Tausend Kleinbauern in Äthiopien, Guatemala, Mexico, Nicaragua und Peru durch Direktvermarktung einen höheren Anteil an der Wertschöpfung zu ermöglichen. Während die Verbraucherpreise in den vergangenen Jahren mitunter deutlich angezogen haben und in den USA bis über 10 Dollar das Pfund erreichen, stagnieren die Abnahmepreise auf lokaler Ebene bei 50 Cents, bei gleichzeitig steigenden Produktions- und Zertifizierungskosten. Kostendeckende Produktion wird so immer schwieriger, die Überschuldung nimmt zu und Kaffeebauern sind vielfach zur Aufgabe gezwungen. Trotz steigender Fair-Trade Anteile und dem Verbraucherwunsch nach mehr Transparenz in der Wertschöpfung bleiben die Gewinnmargen zu gering.

In dem nun begonnenen Vermarktungsansatz wollen die Produzenten einige wesentliche Elemente der Wertschöpfungskette integrieren und Röstkaffee direkt an die Verbraucher abgeben. Innovativ hierbei ist insbesondere ein Rückverfolgbarkeitssystem, das es dem Verbraucher erlaubt, den Produzenten eines jeden Kaffees zu identifizieren und sich gezielt über die Produktion und das soziale Umfeld zu informieren. Gleichzeitig sind die Kaffeebauern Eigentümer einer Vertriebsorganisation mit Sitz in den USA und beschäftigt dort sechs Management- und Vertriebsprofis. Zielgruppe der Vermarktungsoffensive sind insbesondere Lebensmittelkooperativen, Restaurants und Caterer, der Lebensmitteleinzelhandel, Cafés sowie Kaffeeküchen und Kantinen privatwirtschaftlicher wie öffentlicher Einrichtungen. Derzeit werden sowohl sechs „Single Origin“ Kaffees als auch drei Premium Blends zu Preisen um die 10 Dollar/Pfund angeboten.

Fortsetzung folgt: Ethno-Kaffee aus Indien und Waldkaffeezertifizierung in Äthiopien.

 

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