Die Kaffee-Parade ist zu Ende. Heute: Die Auswertung.

So, jetzt ist die von Maskal – fine coffee company und Vitalgenuss veranstaltete Kaffee-Parade ausgewertet. Es hat ein wenig gedauert, bis all die verschiedenen Sichtweisen, Anmerkungen und Anregungen der 20 teilnehmenden Blogs und Kommentatoren analysiert waren. Aber es hat sich gelohnt. Unser Ziel, auf Nachhaltigkeitsaspekte bei Kaffee aufmerksam zu machen und zum Nachdenken über dieses in seiner Gesamtheit sehr komplexe Produkt anzuregen, haben wir, wenn auch in einer überschaubaren Gruppe, durchaus erreicht.



Bei der Auswertung hat sich Manuel all dem gewidmet, was mit Zubereitung und Geschmack zu tun hat, ich mich den 3 Fragen zum Themen Nachhaltigkeit.

Hier die Auswertung der Nachhaltigkeitsfragen 2 – 4 (Anm.: Persönliche Meinungen und Erläuterungen sind kursiv geschrieben):

Frage 2: Achtest Du beim Kaffeekauf auf bestimmte Siegel (Bio, Transfair, UTZ Certified, Rainforest Alliance)? Wenn ja, warum?

Von den 20 Blogs und Kommentatoren, die sich aktiv beteiligten, haben 8 angegeben, dass Sie auf das Bio- und/oder Fairtrade-Siegel Wert legen. Die Zertifikate „UTZ Certified“ und „Rainforest Alliance“ spielen keine Rolle. Offenbar sind die beiden letzt genannten Zertifikate, obwohl sie innerhalb der Kaffeewelt von großer Bedeutung sind, in Deutschland noch zu wenig bekannt.

Sind einige „ihrer“ Bio-/Fairtrade-Marke treu, so probieren andere immer wieder mal einen neuen Kaffee aus. Wichtig scheint hier das Zertifikat, nicht die Herkunft oder der Geschmack eines Kaffees zu sein. Lediglich zwei Teilnehmer betonen die Wichtigkeit der geschmacklichen Komponente, die für einen der beiden im Zweifelsfall Priorität gegenüber den Siegeln hat.

Für 12 der Teilnehmer/innen, also der deutlichen Mehrheit, spielen Siegel keine Rolle. Einige sagen auch, ein Teil der Siegel sei ihnen unbekannt. Bei diesen Teilnehmer/innen steht dominierend die geschmackliche Komponente im Vordergrund. Nachhaltigkeitsaspekte spielen bei der Kaufentscheidung keine Rolle – was mich persönlich am meisten überrascht hat.

Direkt und indirekt klingt mehrfach ein Misstrauen gegenüber den Siegeln an, speziell, was den so genannten Fairen Handel betrifft. Obwohl mir selbst einige konkrete Fälle bekannt sind, in denen die Bauern nicht in den Genuss ihrer Margen für die verschiedenen Zertifizierungen kamen, (z.B., weil sie in der Verwaltung von Kooperativenverbänden „stecken blieben“), hat der Konsument letztlich leider kaum eine andere Wahl, als den Siegeln zu vertrauen und davon auszugehen, dass alles mit rechten Dingen zugeht – oder ihnen zu misstrauen. Eigene Nachforschungen über spezifische Produkt sind fast unmöglich; es bleibt lediglich, die Prinzipien eines Siegels zu akzeptieren, oder nicht.

Anmerkungen zu einigen Aussagen:

”Ich kaufe nur sortenreine Kaffees der besten Sorten. Die sind zwar nicht zwangsläufig Bio und Transfair, aber in Punkto Umwelt und Arbeitsbedingungen praktisch immer “besser” als Massenkaffees aus dem Supermarkt.“
Das trifft leider so nicht zu. Ein Zusammenhang zwischen besseren oder schlechteren Kaffees auf der einen und besseren oder schlechteren Umwelt- und Arbeitsbedingungen auf der anderen Seite besteht nicht.

„… in der Regel werden oftmals Kaffees von bestimmten Sorten höher im Preis verkauft, um den Kaffee-Plantagen-Besitzer helfen zu überleben.“
Da muss man vorsichtig sein! Die Preise für die Endverbraucher spiegeln leider nicht immer die Preise wieder, die die Produzenten für ihre Rohkaffees bekommen. Ein Rohkaffee ein- und desselben Produzenten kann als Röstkaffee je nach Röster oder (Einzel-)Händler deutlich unterschiedlich im Preis für den Endverbraucher ausfallen!

„… Es gibt auch gute Projekte, welche nicht einem Zertifikat unterliegen.“
Das kann durchaus richtig sein. Wie bei den verschiedenen Siegeln gilt auch hier: Nicht alle schön geschriebenen Zeilen reflektieren zwangsläufig die Realität! In Zeiten des Internets, das wird auch explizit von einem Blog erwähnt, ist die Informationsmöglichkeit größer denn je. Sie muss nur – was manchmal durchaus einen gewissen Aufwand bedeutet – auch genutzt werden.

Abschließend zu dieser Frage möchte ich noch zwei sehr interessante Anregungen eines Blogs vorstellen:

„ … auch mehr Kommunikation zwischen Endverbraucher und Bauern, zum Beispiel in Form eines oder mehrerer Blogs, habe ich schon einmal angeregt. Sozusagen: Campesionos-Blogs.“

„Könnte mich auch mit einer Art des Vertriebs wie bei der Tee-Kampagne anfreunden“.

Über beide Aspekte mache ich mir schon sehr lange Gedanken (unter anderem auch, weil ich den Geschäftsführer der Teekampagne gut kenne). Deren Auslegung würde aber an dieser Stelle zu weit führen. Ich glaube, ich werde in Kürze darüber einen Blog-Artikel schreiben. Für Anregungen bin ich dankbar …

Frage 3.) Ist Kaffee Deiner Meinung nach ein Problem für die Umwelt? Warum (nicht)? (C02-Verbrauch, Anbau, Pestizid- u. Herbizideinsatz, Energieverbrauch etc.)

Einige der Teilnehmer/innen sagen, „Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht!“ – was sie dann aber doch im Rahmen der Parade getan haben! Das freut mich natürlich, ebenso wie die das Statement: „Wahrscheinlich ein Grund mehr, auf Bio-Siegel und ähnliches zu achten.“ Eine der Ursachen, warum sich bisher nicht jeder zur gestellten Frage Gedanken gemacht hat, ist vielleicht, wie eine Teilnehmerin schrieb, dass „… der Herstellungsprozess, Anbau und so weiter… einfach so weit weg ist?“ Das hat was für sich.

Die mehrheitliche Meinung aller Teilnehmer/innen ist jedoch, dass Kaffee als landwirtschaftliches Produkt, das auf seinem Weg zum Endverbraucher lange Wege zurücklegt, ein nicht unproblematisches Produkt ist. Im Einzelnen werden aufgezählt: Abholzung der Regenwälder, Vergiftung der Böden, Verunreinigung der Gewässer durch das entfernte Fruchtfleisch, CO2-Ausstoß während des Transports,

Dazu gibt es aus meiner Sicht folgendes zu sagen: Was die Abholzung der Regenwälder betrifft, so gilt dies auch für die qualitativ guten Kaffees; bezüglich der Abholzung gibt es keine „guten“ und „schlechten“ Kaffees. Bei der „Vergiftung der Böden“ muss man sehr genau zwischen den Anbauländern und Anbauformen unterscheiden, zwischen regelmäßigen Einsatz von Pestiziden und Herbiziden und nur sporadischen Einsatz etc. Zur Vermeidung einer Belastung der Gewässer wird zunehmend dazu übergegangen, bei gewaschenen Kaffees das entfernte Fruchtfleisch als Düngematerial zu verwenden.

Was den Energieverbrauch betrifft, so wird mehrfach auf die Aluminium-Kaffee-Kapseln verwiesen, die in der Herstellung sehr viel Energie verbrauchen und durch die sich eine Menge an Müll ansammelt. Nur ein Mal wird - was mich erstaunt hat - auf den Energieverbrauch bei der Kaffee-Zubereitung hingewiesen.

Ein großer Teil des Energieverbrauchs in der gesamten Kaffee-Kette fällt, wie es ein Blog erwähnt, beim Transport (von Roh- und Röstkaffee) an. Vergleichsweise wenig dagegen, wie bei einem anderen zu lesen, bei der Trocknung der Kaffees. Auch wenn es in vielen Anbauländern elektrisch betriebene Trockenanlagen gibt, so machen sie global gesehen gegenüber der Sonnentrocknung doch den deutlich geringeren Teil aus.

Den Kaffee, wie es ein Teilnehmer vorschlug, in den Anbauländern zu rösten um CO2 wegen des geringeren Ladegewichts zu sparen, macht aus mehrfacher Hinsicht keinen Sinn: Auf Grund des leichteren Gewichts von Röstkaffee durch den Wasserverlust und der gleichzeitigen Volumenvergrößerung der Bohne während des Röstprozesses könnte ein Container nur mit etwas mehr als der Hälfte der Menge im Vergleich zu Rohkaffee befüllt werden. Das würde den Kaffee deutlich verteuern, was sich allerdings zum Teil durch die geringeren Produktionskosten im Anbauland ausgleichen ließe. Bei gemahlenem Kaffee wäre dazu die Befüllmenge höher als bei ungemahlenem. Doch ob gemahlen oder ungemahlen: Die Konsumenten wollen in aller Regel möglichst frisch gerösteten Kaffee – wenn aber der Kaffee wochenlang unterwegs ist, unter Umständen tagelang im heißen Hafen in Djibouti oder Mombasa rum steht (was die Regel ist), also ich glaube nicht, dass dies eine Lösung wäre. Außerdem: Um die gleiche Menge an Röstkaffee zu bekommen, müsste man fast zwei Container mit Röstkaffee befüllen. Wo ist da die CO2-Einsparung?

Einige Teilnehmer/innen sind nicht nur darauf eingegangen, dass Kaffee, wie andere landwirtschaftliche Produkte, mehr oder weniger die Umwelt belasten, sondern dass er auf der anderen Seite für sehr viele Menschen die Existenzgrundlage bedeutet: „Wir müssen eine Balance zwischen unserem Genuss, den Interessen der Erzeuger bzw. Verarbeiter und der Umwelt finden. In der gegenwärtigen Form ist das sicher nicht befriedigend der Fall, aber ich habe Hoffnung, dass sich das bessert.“ Dieser Aussage ist aus meiner Sicht unbedingt zuzustimmen!

Sehr interessant ist die folgende Bemerkung: „Nebenbei bemerkt: Kaffee eignet sich gut, um über globale Beziehungen nachzudenken.“ Das sollten wir in der Tat weiterhin tun! Und ob „Genuss und tiefe Gedanken über CO2-Verbrauch, Pestizide und Energieverbrauch in meinen Augen nicht zusammen gehen“, wie ein Teilnehmer festhielt, das wird die Zukunft zeigen. Es gibt genügend gute Ansätze.

Passend dazu zum Abschluss ein Statement, das in verschiedenen Formulierung mehrfach Erwähnung fand: Das primäre Problem sei nicht das Produkt Kaffee, sondern der Mensch. Nun ja, was soll man dazu sagen? „Problem erkannt!“ Und was macht man daraus?

Frage 4.) Fühlst Du Dich beim Kaffeekauf genügend informiert (Angaben auf der Packung, Webseite des Herstellers etc.) oder welche Informationen vom Kaffeeanbau bis zur Zubereitung vermisst Du?

Die Mehrzahl der Teilnehmer/innen fühlt sich beim Kauf von Kaffee nicht genügend informiert. Die einzelnen Aussagen beziehen sich in der Regel auf die Informationen auf den Verpackungen.

Beklagt werden: fehlende oder unpräzise Auskünfte bezüglich der Zusammensetzung der Kaffees (Herkunftsländer, Arabica/Robusta-Anteile …), der Kaffeequalität, der Art der Ernte (maschinell, handgepflückt), der Lebensverhältnisse der Menschen in den Anbauländern und den Zubereitungsformen.

Auf der Suche nach Ursachen, warum so wenige Informationen gegeben werden, vermutet einer der Blogschreiber: „Um so weniger Angaben auf den Verpackungen stehen, desto fragwürdiger ist die Qualität und Verarbeitung“, und ein anderer, „ …dass die Wirklichkeit der Kaffeebauern gerne durch idyllische Bilder versteckt wird“, wobei er sich explizit auf einen bekannten Großröster bezieht. Aber auch mit solchen, von denen man mehr Aufklärung erwartet, wird – zumindest in einem Fall – ins Gericht gegangen: „ Die Kommunikation der Kaffee-Ökos ist für mich unbefriedigend.“

Ich meine, alle wünschenswerten Informationen auf einer Kaffeepackung zu erwähnen, ist sicher unmöglich – nicht nur aus Platzgründen, vor allem aber auch, um einen der Kommentatoren zu zitieren, weil Kaffee „ein komplexes Thema“ ist.

Mehrfach wird beklagt, dass beim Außer-Haus-Konsum, also im Café, Restaurant, aber auch in Büros, die gewünschten Informationen nach wie vor bei Null liegen. Das ist natürlich ein sehr interessanter Aspekt, den man vielleicht ein Mal näher untersuchen sollte! Schließlich hat der Außer-Haus-Konsum nicht erst seit Etablierung der Coffee-Shops deutlich zugelegt.

Nur einer von den insgesamt 20 Mitwirkenden an der Parade ist mit den Informationen auf den Kaffeepackungen zufrieden, betont allerdings, dass bei weitem nicht jeder Kaffee geschmacklich das hält, was aufgedruckt versprochen wird. Für einen einzigen ist es gleichgültig, was auf der Packung steht: „ Ganz ehrlich, mich interessiert in erster Linie, ob der Kaffee schmeckt“, und ein dritter verlässt sich auf die mündlichen Informationen seines Rösters, der schon einige Anbauländer besucht hat.

Eine Blogschreiberin hat sich, angeregt durch unsere Kaffee-Parade, zusammen mit einem Röster überlegt, „im Anschluss an diese Kaffee-Parade meinen Lesern die Kultur des Kaffees ein wenig näher zu bringen“ und will mit ihm zusammen folgenden Fragen nachgehen:

* Wie entsteht Kaffeequalität und wodurch wird sie beeinflusst?
* Was können die Produzenten tun?
* Was können die Röster und der Fachhandel tun?
* Was kann der Kaffeegenießer tun?

Freuen Sie sich auf die zehn Stationen des Kaffees!

Na, da wollen wir uns doch schon freuen!

Fazit zu den Antworten der nachhaltigkeitsspezifischen Fragen 2 – 4.

Zu jeder Frage gab es ein breites Spektrum an Antworten. Fasse ich das, was bei den einzelnen Fragen als Trend zu erkennen ist, zusammen, so ergibt sich folgendes Bild:

Achtest Du beim Kaffeekauf auf bestimmte Siegel? Die Mehrheit sagt „Nein“. Dies ist überraschend und sollte stärker hinterfragt werden.

Ist Kaffee Deiner Meinung nach ein Problem für die Umwelt? Die Mehrheit sagt „Ja“, auch wenn die angegebenen Auswirkungen sehr allgemein gehalten sind. Mehr Aufklärung und Bewusstseinbildung drängen sich auf.

Fühlst Du Dich beim Kaffeekauf genügend informiert? Die absolute Mehrheit sagt „Nein“; der Informationsmangel bezieht sich dabei auf unterschiedliche Aspekte. Hier herrscht also großer Nachholbedarf.

Ich denke, das sind Ergebnisse, auf deren Basis man weiterarbeiten kann und sollte.

Ich bedanke mich noch ein Mal herzlich bei allen, die an unserer Kaffee-Parade teilgenommen haben! Im Einzelnen sind dies:

Kommentatoren:

Sila Blume (XING – “Das Kaffee-Universum”)

Olaf Reinhold

Manfred Albert

Artmann Neno

Blogs:

Stephan von Stephans Blog

Horst von Leben ohne Diät

Sebastian von Sebastian Backhaus´ Blog

Koro vom Westaflex Blog

Mr. Headspicket vom Headspicket.de Blog

Ralph vom ratatam Blog

Klaus-Peter von Fressnet

Johannes vom Kaffi Schopp

Till vom till we*) Blog

Jann vom feinkost-shop.ch

Michael von Die_Farmblogger

Frank vom Feel-Better-Blog

Ludger von Essen kommen

Christa von ver-rückt

Petra vom Xelajo´s Make-Up Blog

Kirstin von Der “Walther” Saftblog

Ein Kommentar

  1. Veröffentlicht am 24.12.2008 um 13:45 | Permanenter Link

    Angesichts der Tatsache, dass in den letzten Jahren für den Kaffeesektor allgemein und für die Nischenmärkte im Speziellen kaum Verbraucheruntersuchungen durchgeführt bzw. veröffentlicht wurden, sind die Ergebnisse sehr aufschlussreich.
    Es bestätigt u.a., dass der deutsche Verbraucher bzgl. ökologischer und sozialer Zertifizierung weiterhin recht unsensibel ist. Zwar ist durch Fairtrade-Kampagnen in Zeiten der Kaffeekrise (2001-2003) der Umsatz von Fairtrade-Kaffees angestiegen, liegt aber Pro Kopf der bevölkerung weit, weit unter dem vieler Nachbarstaaten. Allein die Niederlande verbrauchen genausoviel Fairtrade-Kaffee wie die gesamte Bundesrepublik!
    Es grenzt für mich schon an Schizophrenie, wenn Otto Normalverbraucher einerseits sehr ‘preisbewusst’ zu lasten von Niedriglohnproduzenten einkauft, andererseits selbst nach immer höherem Einkommen giert.
    Ich bin davon überzeugt, dass sich Hunderttausende Äthiopier einen Volkswagen oder Opel leisten könnten, wenn die Mitarbeiter unserer Konzerne für 1 Euro /Stunde arbeiten würden…

2 Trackbacks

  1. [...] vom 18.12.: Hier die Auswertung der einzelnen Antworten in Sachen Geschmack und Erleben. Dort die Antworten um die [...]

  2. Von Kaffee-Parade: Auswertung I am 24.10.2009 um 21:50

    [...] werden dann beim Maskal-Kaffeeblog, der diese Kaffee-Parade mit ausgerichtet hat, zu lesen sein (diesem Link folgen). 21 Blogs, bzw. Kommentatoren haben sich die 5 Fragen, die wir der Blog-Gemeinde gestellt haben, [...]

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