Eindrücke vom MARKTPLATZ FÜR ENTWICKLUNG in Washington: Teil II – Adivasi-Kaffee aus Ost-Indien

Priti Rao ist eine sympathische, vor Tatendrang und Begeisterung sprühende Inderin aus Hyderabad. Ihre Story spielt im indischen Bundesstaat Andra Pradesh, wo sie als Beraterin der Naandi Foundation in Sachen Kaffee mit mehreren Gruppen von ‚Adivasi’ arbeitet. ‘Adivasi’ ist die Sanskrit-Bezeichnung für indigene Gemeinschaften. Von diesen leben hier im Araku Valley, rund 120 Kilometer entfernt vom Golf von Bengalen, mehr als ein Dutzend. Sie nennen sich Bagatas, Kotiyas, Nooka Dooras oder Khonds, sie waren landlos, ihre Landnutzungstechniken archaisch, die Erträge des Wanderfeldbaus minimal – ein Leben am Rande des Existenzminimums.

Auf Initiative der Naandi Foundation, einer lokalen Stiftung und einer staatlichen Agentur zur Förderung indigener Gemeinschaften haben inzwischen 7.000 Familien Pachtverträge zur Nutzung von insgesamt 12.000 Hektar vormals entwaldeter Brachflächen abgeschlossen. Diese Flächen konnten durch Vermittlung von praktischen Kenntnissen zur biologischen Landbewirtschaftung rekultiviert und mit hochwertigem Schattenkaffee (Arabica catimor) bepflanzt werden.

 copyright : Naandi Foundation

Inzwischen sind bereits mehr als 1.300 Hektar bio- und Fairtrade zertifiziert. Darüber hinaus hat sich die Naandi Foundation insbesondere in der landwirtschaftlichen Ausbildung und Organisation der Produzentenfamilien zu einer Kooperative engagiert. So hat das neu erworbene landwirtschaftliche Know-How u.a. zu Ertragssteigerungen von 80 % beigetragen, und viele Familien erreichen nun Hektarerträge von 200 kg Rohkaffee. Zudem ermöglicht die Organisation als Kooperative mit der Vermittlung von Marketing- und Managementkenntnissen eine Verarbeitung nach hohen Qualitätsstandards, eine kostengünstige Zertifizierung und eine zentrale Vermarktung unter Umgehung von Zwischenhändlern.

Obwohl das Araku Valley kein traditionelles Anbaugebiet für Kaffee ist – erst 1920 begann man unter britscher Kolonialherrschaft mit dem Anbau – werden die Newcomer keineswegs belächelt: 2007 wurden sie vom Indischen Kaffeeverband mit dem Fine Cup Award für Arabica-Kaffees aus nicht-traditionellen Anbaugebieten ausgezeichnet, was die zukünftigen Marktchancen deutlich steigern dürfte.

In Kürze dürfte das Arku-Valley bis zu 3.000 t Premium-Bio-Kaffee produzieren können, ein ökonomisches Potenzial, das schon jetzt die Lebenssituation der Adivasis deutlich verbessert hat. Priti Rao rechnet mit durchschnittlich 30 % Einkommenssteigerung für die in das Projekt integrierten Familien. Germila Tikku, Witwe und Mutter von vier Kindern aus dem Dorf Gondivalsa berichtet: "Endlich konnte ich mir eine Kuh, ein paar Ziegen und goldene Nasenringe leisten. Mit Geld in der Hand habe ich nun eine Perspektive und kann meine Zukunft planen. Ich habe mir ein Bankkonto eingerichtet und begonnen Geld zu sparen. Ich will mein Haus reparieren und etwas Geld für gesundheitliche Notfälle zur Seite legen und muss nun niemanden in meiner Familie mehr sterben lassen, nur weil wir uns die Medizin nicht leisten können.“

copyright : Naandi Foundation
 
Die Naandi Foundation wurde vorletzte Woche in Washington auf dem "Marktplatz für Entwicklung" der Weltbank für die geplante Erweiterung dieses Entwicklungs- und Geschäftsmodells auf 12.000 Familien als Wettbewerbsfinalist ausgezeichnet. Mit der angestrebte Ausweitung der Handelspartnerschaften wird ‚Araku Emerald’ Kaffee möglicherweise schon nächstes Jahr auch in Deutschland erhältlich sein.
 
Kontakt:
Mrs. Priti Rao
Araku Coffee Program
Naandi Foundation