Die Abenteuer eines Kaffee-Botschafters - oder wie der Reisstärling seinen Weg von Brasilien nach Deutschland fand (Teil 1)

Coffee Hunter sind viel unterwegs auf der Suche nach spannenden Kaffees. Manchmal aber finden die Kaffees auch den weiten Weg zu uns bzw. Ihnen. Oder, sie schicken einen Kaffee-Botschafter. Ein solcher Botschafter landete neulich bei uns - nein keine Brieftaube. Es war ein Reisstärling. Nun, was macht dieser Vogel bei uns, ist er doch eigentlich in Nordamerika, zum Beispiel bei Hans Langenbahn in Ottawa zuhause? Aber was macht den Vogel zum Kaffee-Botschafter?

Unsere Geschichte beginnt eigentlich in Schweden, genauer gesagt in Christer Söderbergs Open World Café, einem Netzwerk für Nachhaltigkeit und Leadership. Die an das virtuelle Café angeschlossene Openworld Foundation begann Ende 2009 mit einem Regenwald-Aufforstungsprojekt auf der Fazenda Ambiental Fortaleza im Distrikt Mococa, im Norden des Bundesstaates Sao Paolo. Eine Kaffee-Farm, deren Anspruch es ist, ein Modellunternehmen für ganzheitlich nachhaltiges Wirtschaften zum Wohle des Einzelnen, der Gemeinschaft und der Umwelt zu sein. Die Fazenda ist nicht nur Umwelt-Lern-, Urlaubs- und Meditations-Zentrum, sondern erzeugt auch Spitzenkaffees.
Wer an Spezialitätenkaffee denkt, dem kommt vermutlich nicht unbedingt Brasilien in den Sinn. Das liegt sicher daran, dass Kaffeeanbau in Brasilien gewöhnlich in großem Maßstab, maschinell und unökologisch stattfindet. Seine Kaffees sind oftmals Massenware, ihr Geschmack flach, säurearm und bestenfalls für Espresso-Blends geeignet - so ist es leider häufig. Sollte das Team um Marcos Croce mit seinen Biokaffees aus Schattenkulturen eines der langsam an Zahl zunehmenden Beispiele dafür sein, dass Brasiliens Kaffeefarmer auch anders können? Das wollten wir herausfinden.

Ich nahm also zunächst per E-Mail Kontakt auf mit Marcos, um nach Kaffee-Mustern zu fragen - ohne wirklich ernsthaft eine Antwort zu erwarten - wer beantwortet heute schon noch E-Mails?! Noch am Tag meiner Anfrage erhielt ich Antwort und wenige Minuten später waren wir per Skype miteinander verbunden. Marcos begrüßte mich auf Deutsch - witzigerweise lebte er ein Jahr in Freiburg - meiner Heimat - und fühlt sich der Stadt noch sehr verbunden - eine gute Verhandlungsbasis, eigentlich. Aber seine Kaffees waren bereits ausverkauft - vor allem an Käufer aus den USA, doch auch geringe Mengen nach Europa. Auch der World Barista Champion von 2004, Tim Wendelboe hat seine Kaffees bereits gekostet und wird bald zu seinen Kunden zählen. Ein gutes Zeichen!

Immerhin schaffte ich es ihm ein Muster abzuschwatzen, das wir zur Verkostung an die Cupping Weltmeisterin von 2006, Gloria Pedroza, in die Schweiz schickten. Die war ziemlich angetan von dem, was sie dort aus Brasilien zu kosten bekam - nutzte uns aber nichts, denn - genau - der Kaffee war ja schon ausverkauft! Schade eigentlich - Europa schaut wieder in die Röhre, wenn sich die Amis die besten Stücke unter den Nagel reißen. So schwer ist Coffee Hunting! Und so spannend, denn 30 kg von Marcos absoluten FAF-Spitzenkaffee haben wir dann doch noch ergattert! Und mit dem gleichen Kaffee beabsichtigt  Johan Ekfeldt von “Johan & Nyström” aus Schweden, der ebenfalls ein paar kg bei Marcos abzwacken konnte, die nächsten World Barista Championships zu gewinnen.

Anfang des Jahres überraschte uns Marcos dann mit der Nachricht, einen neuen Kaffee anbieten zu können:

Bobolink ist eine andere Bezeichnung für - genau - den Reisstärling. Wie dieser Kaffee nun zu seinem Namen kam und was dahinter steht, das lassen wir in Folge 2 Marcos selbst erzählen.

2 Trackbacks

  1. [...] ersten Teil dieser Serie haben wir es bereits erwähnt: Eine andere Bezeichnung für unseren [...]

  2. [...] naht und Bobolink, der Reisstärling, ist bereits im Brutgebiet angekommen - genau wie der Bob-o-Link ‘birdfriendly’ Kaffee von unseren brasilianischen Partnern rund um die Fazenda Ambiental inzwischen in der Rösttrommel [...]

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