Weltmeisterin im Kaffee-Pflücken

Auf der “Coffeena” in Köln haben wir es wieder gesehen und erlebt: Kaffee wird nicht nur getrunken, es gibt auch Weltmeisterschaften! Weltmeisterschaften in den Kategorien “Latte Art”, “Coffee in Good Spirits”, “Cezve Ibrik” und “Cup Tasting”; und das auf hohem Niveau. Die Teilnehmer/innen hierfür müssen sich jeweils bei nationalen Meisterschaften qualifizieren.

Nachdem ich von Freitag bis Sonntag die Wettbewerbe im Livestream verfolgt und jeweils kurz über die Resultate berichtet habe, ist mir auf der Hompage meines Blogs beim Runterscrollen etwas aufgefallen: In den letzten 4 Artikeln gibt es 3 Bilder von Frauen: Von Valentina Kazachkova, der Weltmeisterin im “Cup Tasting”, von Marta Piigli, der Weltmeisterin bei den “Coffee in Good Spirits” und von einer unbekannten Frau auf der Südseeinsel Tanna beim Kaffeepflücken. Ist die Unbekannte die aktuelle Weltmeisterin im Kaffeepflücken? Diese Frage schoss mir augenblicklich durch den Kopf, als ich die Abfolge der Bilder sah.

Valentina-Kazachkova

Valentina-Kazachkova, Weltmeisterin im "Cup Tasting"

Kaffeeernte auf Tanna (Vanuatu)

Kaffeeernte auf Tanna (Vanuatu)

Eine Frage des Respekts

Natürlich ist sie es nicht. Es gibt keine “World Coffee Picking Championship”, auch keine nationalen Wettbewerbe. Aber warum eigentlich nicht? Wäre das nicht zumindest eine Frage des Respekts gegenüber all den Menschen, die das Rohprodukt für das wunderbare Produkt Kaffee liefern, mit dem am anderen Ende der Produktions- und Wertschöpfungskette bei Wettbewerben Champions gekürt werden? Hat Kaffee als Endprodukt eine andere Wertigkeit wie Kaffee als Ausgangsprodukt? Wir reden immer über die engere Zusammenarbeit mit den Kaffeebauern …

Es geht darum, Aufmerksamkeit zu erzielen

Gewiss, es gibt inzwischen zahlreiche Wettbewerbe, bei denen Kaffees bei den nachfolgenden Versteigerungen gute bis Höchstpreise erzielen, und bis dahin unbekannte Produzenten plötzlich ein Gesicht bekommen. Aber so wie die Barista-Meisterschaften streng genommen ein (notwendiges) “Spektakel” sind, um für gute Kaffees und deren perfekte Zubereitung öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen, so könnten “Kaffee-Pflück-Meisterschaften” die Aufmerksamkeit auf einen ganz anderen, ganz zentralen Aspekt lenken, auf das, was die Grundvoraussetzung für einen guten Kaffee ist: Die perfekte Ernte (und selbstverständlich die nachfolgende perfekte Aufbereitung)!

Das Niveau der Ernte heben

Solche Meisterschaften könnten dazu führen, das Niveau der Kaffee-Ernte weltweit zu heben – zumindest was die Spezialitätenkaffees betrifft. Dann gäbe es eine weiter wachsende Zahl an guten Spezialitätenkaffees – genau das also, wonach viele Baristi für den Alltag und für die vielen Wettbewerbe ständig und begierig suchen!

Bei den “Cup Taster Championships” können Produzenten bereits  Kaffees für den Einsatz im Wettbewerb einreichen (4 kg/Kaffee). Die Produzenten, deren Kaffees schließlich Verwendung finden, werden in Publikation ausführlich vorgestellt. Wüsste man nun auch noch, welcher nationale Champion diesen oder jenen Kaffee geerntet hat – der Schulterschluss zwischen dem Alpha und Omega der Kaffeekette wäre perfekt!

Absurd?

Ich bin ernsthaft am überlegen, ob, und wenn ja wem ich diesen Vorschlag machen soll. Absurd? Nun, vor vielen Jahren erschien es nicht nur mir als absurd, Wettbewerbe in der Zubereitung von Kaffee durchzuführen. Das hat sich inzwischen gehörig geändert.

4 Kommentare

  1. Veröffentlicht am 30.06.2009 um 09:38 | Permanenter Link

    Ja Hans, das erinnert mich an die Fußballweltmeisterschaft 2002 in Japan & Südkorea. Absoluter Höhepunkt damals war natürlich das Finale am 30. Juni, jedoch nicht das zwischen Brasilien und Deutschland, mit Olli Kahns legendärem Lapsus, sondern das parallel stattfindende Finale der beiden damals schlechtest platzierten Mannschaften der FIFA-Rangliste, nämlich Bhutan und Montesarrat, das Bhutan seinerzeit vor 25.000 Zuschauern im Hexenkessel von Thimphu mit 4:0 etwas zu hoch gewann. Auch hier zeigt sich, beim Fußball wie beim Kaffee, Kultur braucht eine Basis! Also, lass uns Sponsoren für die Alternativen Kaffee-Weltmeisterschaften 2011 in Äthiopien suchen! Wir berichten dann im Livestream vom Ursprung des Kaffees.

  2. Veröffentlicht am 30.06.2009 um 19:55 | Permanenter Link

    Auf Youtube gibt’s übrigens die Dokumentation dieser denkwürdigen Fußball-Begegnung in sieben Teilen – die Höhepunkte des Spiels hier: http://www.youtube.com/watch?v=VpAFWNiHHYU&feature=related und hier: http://www.youtube.com/watch?v=DR_jCXXOX4Y&feature=related

  3. Veröffentlicht am 01.07.2009 um 14:06 | Permanenter Link

    Das ist wirklich genial! Wär ich auch dafür, die Weltmeisterschaften im Kaffeepflücken 2011 in Äthiopien! Und die gepflückten Bohnen könnten doch geröstet werden und für gute Zwecke verkauft werden…!?

  4. Veröffentlicht am 01.07.2009 um 21:37 | Permanenter Link

    Hallo “Kaffeeman”,

    mensch, schon lange nichts mehr von Dir gehört! Vielen Dank für Deinen Kommentar – und melde Dich doch noch mal bei Gelegenheit wieder!

    Deine Idee mit dem Rösten und Verkaufen für einen guten Zweck ist hervorragend! Trag` das Ganze doch mal weiter. Es gibt bestimmt `ne Menge Leute, denen was Kreatives und Spannendes zur Weiterentwicklung der “Kaffee-Pflück-Meisterschaften” einfallen würde!

    Viele Grüße und alles Gute,

    Hans