Therapie der Kaffee-Kultur durch freie Radikale! Ein Beitrag von J. Volkmann zu Arnes Blog-Parade.

Ich schließe mich mit meinem Beitrag zu Arnes Blog-Parade im “Coffeeness”-Blog an. Es geht darum, die chronisch gestörte Physiologie der deutschen Kaffee-Kultur durch den Einsatz “freier Kaffee-Radikale(r)”zu therapieren.

Here the answers from a Black Forest Coffee Hunter:

Gehört die Zubereitung für Dich mit zur Kaffeekultur, oder ist sie nur Mittel zum Zweck?

Auch wenn ich kein Ethnologe bin würde ich sagen, zur Kultur gehört nicht nur WAS der Mensch an sich je geschaffen hat und weiterhin schaffen wird, an rein geistigen oder handwerklichen Leistungen (siehe Hans’ Beitrag), sondern auch das WIE ist Ausdruck der Kultur, aber auch seiner Beziehung bzw. Einstellung zum Produkt. Zum WIE zählt auch der räumlich-zeitliche Kontext, also wenn Tanner und Schimanski sich – in hektischen Dialog verstrickt – am Automaten auf dem Flur der Präsidiums treffen und ritualartig das Gerät traktieren, nur um dann den halbvollen Plastikbecher nach dem ersten Schluck angeekelt in die nächste Tonne zu schleudern. Oder wenn mich ein wildfremder Mann mitten im Dschungel in die verrauchte Strohhütte einlädt, wo mir seine Frau umgeben von fünf Kindern, Hühnern und Kuh eine Dreiviertelstunde ihrer knappen Zeit widmet, um mir in der Tonkanne drei pechschwarze Kaffee-Aufgüsse, mit Salz gewürzt, reicht.

Welche Wirkung hat Kaffee auf Dich?
Die Wirkungen können bei mir sehr unterschiedlich sein. Eine der schönsten ist die der Ablenkung und Konzentration auf den Genuss, sozusagen die sensorische Neufokussierung.

Kaffee-Kultur oder -Subkultur: Sind Kaffeekapseln, Kaffeepads und Instantkaffees auch Teil der Kultur?
Da Kultur sich ständig verändert und neu definiert, gehören natürlich auch Kapseln dazu. Vielleicht sind diese Elemente aber auch nur temporäre Erscheinungen – Sinnestäuschungen ausgetrockneter Seelen, gleichsam Fata Morganen inmitten der Kulturverödung: Kaum hat man sie lechzend erreicht, tun sich in der Ferne neue auf.

Welche Veränderungen würdest Du Dir für die Kaffee-Kultur im deutschsprachigen Raum in den nächsten Jahren wünschen?
Um Entertainer Harald Schmidt zu bemühen: „Ahnungslosigkeit ist die Objektivität der schlichten Gemüter“ – Ignoranz die der intelligenten, würde ich ergänzen.
Dazu habe ich eine Vision, nämlich die individuelle Wahrnehmung von Kaffee in unserer Kultur so zu verändern, dass eine Wertschätzung entsteht, die äquivalent und zum Nutzen aller Beteiligten in Wertschöpfung konvertiert werden kann. Oder einfacher ausgedrückt: Beim Blick in die Kaffeetasse 5 Sekunden derer gedenken, die diesem Produkt ihre Zeit, Kraft und hoffentlich auch ihre Leidenschaft gewidmet haben und dann bereit sein, 50 Prozent mehr dafür auszugeben als bisher. Was im übrigen nicht nur für Kaffee gilt.

Was ist für Dich ein absolutes Kaffee No-Go?
Für mich? – Kaffee mit Sirup – das ist wie Rotwein mit Cola.

Ein Kommentar

  1. Veröffentlicht am 24.06.2009 um 18:07 | Permanenter Link

    Zwei Autoren zwei Artikel! Sehr schön, genau so habe ich es mir vorgestellt. Insgesamt sind es ca. 10 Artikel. Die Idee mit den 5 Sekunden finde ich besonders schön.

Ein Trackback

  1. [...] Jörg (der Black Forest Coffee Hunter) den Bericht gibt es hier [...]

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