BESTBREW oder: die Perfektion der Kaffeezubereitung. Ein Interview mit Robin Salten.

Robin Salten importiert mit seinem noch kleinen Unternehmen Bestbrew Equipment für die manuelle Kaffeezubereitung. Bestbrew ist in meinen Augen ein wichtiger Baustein in der Ausweitung der Spezialitätenkaffee-Szene sowie der wachsenden Erkenntnis, dass es keineswegs teuerer, technisch komplexer Maschinen bedarf, um sich einen guten Kaffee zu brühen. Im Gegenteil! Aber lesen Sie am Besten selbst, was Robin Salten dazu zu sagen hat – in einem Interview, das ich vor einigen Tagen mit ihm geführt habe.

Hallo Robin! Erst ein Mal vielen Dank für die Zeit, die Du Dir nimmst! Die Konstruktion Deiner “mobilen Brewbar” hält Dich, wie Du mir im Vorfeld gesagt hast, derzeit ganz schön auf Trapp! Lass` uns deshalb gleich loslegen, und zwar mit der vielleicht berühmtesten aller Einstiegsfragen: „Wie hat alles angefangen?“ Oder anders formuliert: „Wie kommt jemand auf die Idee, als Großhändler Equipment für die `beste Kaffeezubereitung` zu importieren?“

Im Grunde genauso wie es bei den meisten „Kaffeeverrückten“ angefangen hat: mit der Unzufriedenheit mit den Kaffeegetränken, die man in vielen Cafés serviert bekommt. Vor etwa 15 Jahren habe ich damit begonnen, Espresso und Cappuccino nach italienischem Vorbild zubereiten zu wollen. Dieser Versuch hat mich dann einige Jahre beschäftigt und von der Herdkanne und Schneebesen für den Milchschaum bis zur 2-gruppigen Gastronomie Espressomaschine geführt.

Nachdem ich mit meinen Ergebnissen zufrieden war, und sich auch, anders als es vorher eigentlich immer gewesen ist, meine Ansprüche nicht mehr weiterentwickelt haben, fiel mir auf, dass immer mehr Kaffeeröstereien anfingen sortenreine Kaffees anzubieten. Das hat mich dazu animiert mich mehr mit unterschiedlichen Kaffees auseinander zu setzen. Damit habe ich im Grunde eine für mich völlig neue Welt betreten und musste feststellen, dass es dort mehr gab als ich mir vorher vorstellen konnte. Da aber die ständige Einstellerei von Maschine und Mühle beim Bohnenwechsel nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Kaffee kostete, fing ich an mich mit unterschiedlichen Zubereitungsmethoden für Brühkaffee zu beschäftigen. Als ich dann 2006 über die AeroPress gestolpert bin, war das für mich wie eine Erleuchtung, und ich musste feststellen, dass mir am Brühkaffee nicht nur der Abwechslungsreichtum, sondern vor allem auch der Geschmack  wesentlich besser gefiel als der des Espresso. Der Gedanke, bis dahin in Deutschland im Wesentlichen unbekannte Brühgeräte zu importieren, drängte sich mir danach ziemlich bald auf. Allerdings hat es dann noch fast 3 Jahre gedauert, bis dem Gedanken auch Taten folgten bzw. alle Grundlagen gelegt waren.

Mit welchem Produkt hast Du schließlich angefangen, und warum genau mit dem? Was hat Dich daran so überzeugt, begeistert?

Angefangen habe ich dann tatsächlich mit der AeroPress. Die AeroPress stach für mich vor allem dadurch hervor, dass ich damit sehr gut mit unterschiedlichen Zubereitungsparametern wie Mahlgrad, Wassertemperatur, Druck und Ziehzeit experimentieren konnte und dadurch sehr konkret auf die einzelnen Kaffees, die ich ausprobiert habe eingehen konnte.

Danach kamen welche Produkte? Und auch hier: warum genau die?

Danach kamen einige Produkte der Firma Hario Glassware aus Japan. Um zu erklären, warum ausgerechnet Hario-Produkte, muss ich kurz zurück zur AeroPress.

Die Markteinführung der AeroPress gestaltete sich nämlich wesentlich schwieriger und zäher als ich es ob meiner Begeisterung erwartet hatte. Das lag, denke ich, maßgeblich daran, dass die AeroPress kein ästhetisches Wunderwerk ist, auch wenn man unter dem Gesichtspunkt „form follows function“ sagen kann, dass sie sehr konsequent gestaltet ist. Zumindest hat mich dies dazu bewogen, mich nach Produkten umzusehen, die auch den ästhetischen Ansprüchen eines Kaffeeliebhabers gerecht werden. Die Hario-Produkte erfüllten dann nicht nur den Anspruch der Ästhetik, sondern überzeugten mich auch hinsichtlich der Verarbeitungs- und Materialqualität als auch der Funktion.

Das heißt, neben der Funktion spielt auch die Ästhetik eine inzwischen wichtige Rolle bei der Auswahl der Produkte, die Du importierst oder beabsichtigst zu importieren?

Ja. Und dennoch: Für mich spielt in erster Linie die Funktion eine Rolle; das heißt, das Produkt muss dazu beitragen, guten Kaffee zubereiten zu können oder aber ein passender Zuspieler für das eigentliche Zubereitungsgerät sein. Gute Beispiele dafür sind der Buono Kettle und der Range Server von Hario. Neben dem passenden Design zum V60 Coffee Dripper, einem Kaffee-Filter, bringen Sie auch noch Eigenschaften mit, die es vereinfachen, guten Kaffee zu zubereiten. Mit dem Buono Kettle ist z. B das kontrollierte langsame Aufgießen des Brühwassers wesentlich einfacher als mit einem Wasserkocher. Und das kontrollierte Aufgießen ist wichtig für eine gute Extraktion!

Wie vertreibst Du Coffee Dripper, Buono Kettle, AeroPress & Co? Wer sind die Abnehmer Deiner Produkte?

Direkte Abnehmer der durch uns importierten Produkte sind unsere Vertriebspartner. Unser Vertriebsnetz setzt sich im Wesentlichen aus Kaffeeröstereien, Speciality-Coffee Shops sowie Kaffee- und Kaffeezubehör- Geschäften zusammen. Indirekte Abnehmer sind Menschen, denen guter Kaffee am Herzen liegt und die bereit sind, sich über das Drücken eines Knopfes und dem gelegentlichen Säubern einer Maschine hinaus mit der Kaffeezubereitung auseinanderzusetzen. Glücklicherweise entdecken immer mehr Konsumenten die geschmackliche Vielfalt, die Kaffee zu bieten hat und entwickeln Interesse an der Zubereitung.

Wie würdest Du die Kommunikation mit Deinen Abnehmern zum einen, aber auch mit Deinen Zulieferern zum anderen beschreiben?

Die Kommunikation mit meinen Abnehmern ist sehr offen und der Umgang miteinander freundlich und kooperativ. Man merkt, dass es in der Spezialitätenkaffee-Branche nicht nur um wirtschaftliche Interessen geht, sondern die meisten Beteiligten mit echtem Herzblut Ihre Geschäfte betreiben, so dass es auch darum geht, gemeinsam etwas zu bewegen und voneinander zu lernen.

Die Kommunikation mit den Lieferanten war für mich anfangs sehr ungewohnt, da  meine Vorerfahrungen sich bis dahin nur auf Geschäftspartner aus dem europäischen und zumeist deutschsprachigen Raum beschränkten. Merkt man schon zwischen Nord- und Südeuropa Unterschiede in der Mentalität und den Gepflogenheiten, so sind diese natürlich auf interkontinentaler Ebene noch gravierender und bieten viel Spielraum für Missverständnisse. Alles in allem klappt aber auch mit meinen internationalen Geschäftspartnern die Kommunikation sehr gut.

Du betreibst „Bestbrew“ nun seit einigen Jahren. Wie siehst Du die Entwicklung, die Akzeptanz der von Dir importierten Produkte von Deinen Anfängen bis heute? War bzw. ist viel Aufklärungsarbeit notwendig oder lief und läuft „alles wie von selbst“?

Nun, Bestbrew ist ja noch eine recht junge Firma, aber selbst über den kurzen Zeitraum von mittlerweile drei Jahren kann ich eine extrem ansteigende Nachfrage feststellen. War im ersten Jahr noch jeder gewonnene Vertriebspartner anstrengende Arbeit und ein riesiger Erfolg, so geht heute schon vieles von selbst. Insbesondere bezüglich der von dir angesprochenen Aufklärungsarbeit tragen heute maßgeblich die Vertriebspartner mit ihren Vorführung und Erklärung der Zubereitungsmethoden bei, aber auch mit ihren Bemühungen um Aufklärung hinsichtlich von Kaffeequalitäten, Nachhaltigkeit beim Anbau, Fairness gegenüber den Erzeugern, und somit zu insgesamt mehr Verständnis für das Produkt Kaffee.
Im vergangenen Jahr haben wir einige Veranstaltungen wie z.B. „Roasters & Baristi“ in Hamburg oder den „BrewRista Talk“ in Mainz mit Brühgeräten versorgt und haben festgestellt, dass das Interesse an Brühkaffee enorm angestiegen ist.
Auch auf den diesjährigen Österreichischen Baristameisterschaften, wo wir als Sponsor der Brewbar präsent waren, war das Interesse der Besucher sehr groß.

Daraus könnte man die Frage ableiten: Sollte ein Kaffeetrinker zuhause seinen Vollautomaten, seine Pad- oder Filtermaschine jetzt in die Ecke stellen seinen Kaffee mit einem Deiner Produkte zubereiten?

Warum nicht? Es gibt es viele Gründe dafür! ;-)

Und die wären?

Der Hauptgrund liegt natürlich im Geschmack. Es ist mit einer manuellen Brühmethode ohne Zweifel besser möglich, auf den jeweiligen Kaffee, den man verwendet einzugehen und ihm sein Geschmackspotential zu entlocken. Das heißt natürlich nicht, dass dies mit einem  perfekt eingestellten Vollautomaten, der die notwendigen Einstellungsmöglichkeiten wie Mahlgrad, Wassertemperatur, Ziehzeit, Brühwassermenge usw. bietet nicht möglich wäre, aber mit einer manuellen Brühmethode ist es wesentlich einfacher. Durch die Einfachheit, Einfluss auf die Brühparameter zu nehmen, wird es möglich, viele unterschiedliche Kaffees je nach Lust und Laune zu trinken, was für mich mittlerweile wesentlich für den Genuss ist.

Was den Vergleich z.B. mit Pad-Maschinen angeht, so kommen noch ein paar mehr Gründe neben der Einfachheit und der Flexibilität hinzu. Da man bei einer Pad-Maschine auf maschinentaugliche Pads angewiesen ist, kann man in der Regel nicht frei wählen, welche Kaffees man trinken möchte. Hinzu kommt der verhältnismäßig hohe Preis für die Pads, der, wenn man ihn mal auf den Kilogrammpreis hochrechnet, den Preisen für erstklassige Spezialitätenkaffees in nichts nachsteht. Wem über den Geschmack hinaus auch wichtig ist, wo der Kaffee herkommt bzw. dass er im Erzeugerland unter menschenwürdigen Verhältnissen auf umweltfreundlich-nachhaltige Weise produziert wurde, wird ebenfalls mit einer Pad-Maschine nicht glücklich sein können.

Gibt es bei der Zubereitung mit AeroPress, Syphon etc. bestimmte Anforderungen an den Kaffee, den man dazu verwenden sollte? Oder tut`s auch ein Aldi-Kaffee?

Generell würde ich sagen, dass die Grundlage für ein wirklich gutes Ergebnis immer qualitativ hochwertiger, gut gerösteter Kaffee ist! Da die verschiedenen Brühmethoden unterschiedliche Eigenschaften bezüglich der Betonung von z. B Körper und Aroma des Brühergebnisses aufweisen, gibt es mehr oder weniger geeignete Kaffees, was sich aber, denke ich, maßgeblich auf die Röstung bezieht. Der Coffee Syphon z. B ist eine gnadenlose Aromafalle, die auch den kleinsten Hauch von Röstaroma als beißenden Geschmack zutage fördern kann, weshalb sich dafür nach meiner Erfahrung in erster Linie hell geröstete Kaffees eignen.

Was den Aldi-Kaffee angeht, so würde ich sagen, dass man auch mit gutem Brühgerät daraus sicherlich keinen besonders interessanten Kaffee zaubern kann. Trotzdem wird man aber auch aus diesem Kaffee ein klein wenig mehr herausholen können als mit einer einfachen Filtermaschine, die in der Regel zu kaltes Wasser ungleichmäßig auf dem Kaffeemehl verteilt. Allerdings wage ich zu behaupten, dass jeder, der einmal in den Genuss von gutem Kaffee, zubereitet mit etwas Aufmerksamkeit unter Zuhilfenahme eines geeigneten Brühgerätes gekommen ist, einen billigen Supermarktkaffee nicht mehr als Genuss empfinden wird.

Würdest Du sagen, dass in Deutschland zunehmend mehr auf eine gute Kaffeezubereitung, welche die von Dir angesprochenen Parameter berücksichtigt Wert gelegt wird? Wird von den Konsumenten gleichzeitig auch mehr Wert auf teuere, dafür aber gut verarbeitete und geröstete Kaffees gelegt? Kurzum: Wie würdest Du in Deutschland die Zukunft für „den guten Kaffeegeschmack“ sehen – rosig oder dornig?

Das ist eine schwierige Frage. Ohne Zweifel steigt die Nachfrage für hochwertige Kaffees und damit auch für die Brühgeräte. Allerdings handelt es sich dabei nach wie vor um einen Nischenmarkt. Die Tatsache aber, dass mittlerweile auch Unternehmen aus der Kaffeeindustrie mit Kaffees aus, glaubt man der Werbung, nahezu unzugänglichen Gegenden, gepaart mit einem schonenden, traditionellen Röstverfahren werben zeigt uns, dass auch dort ein Trend zu steigendem Qualitätsbewusstsein seitens der Verbraucher wahrgenommen wird. Es stimmt mich zuversichtlich, dass es sich bei der derzeitigen Entwicklung nicht nur um einen Hype, sondern wirklich um einen Trend hin zu mehr Anspruch an die Qualität des Lebensmittels Kaffee und hin zu mehr Interesse an den Bedingungen in den Anbauländern handelt. Insofern sehe ich die Zukunft rosig, zumal auch das Angebot an gutem Röstkaffee deutlich zunimmt.

Und wie steht Deutschland in dieser Hinsicht im europäischen und internationalen Vergleich da?

Ich habe da natürlich nur einen sehr begrenzten Einblick, aber aus meiner Wahrnehmung heraus hängen wir  im Vergleich zu den Skandinavischen Ländern oder Großbritannien sicherlich noch 10 Jahre hinterher; aber es tut sich was.
Im Vergleich zu Österreich und der Schweiz ist Deutschland, glaube ich, schon einen ganz kleinen Schritt weiter.
Die südeuropäischen Länder kann ich ganz schlecht einschätzen. Griechenland scheint teilweise sehr weit zu sein, während man aus Italien, Spanien, Portugal usw. eigentlich kaum etwas mitbekommt.
Im Vergleich zu den USA oder Japan liegt Deutschland ebenfalls noch recht weit zurück.

Das heißt, es gibt noch viel für Dich – und für unsereins – zu tun! Kommen wir deshalb mit einer ebenfalls berühmten Frage zum Abschluss: Auf welche Art und Weise bereitet „Mr. Bestbrew himself“ seinen Morgenkaffee zu?

Meinen Morgenkaffee bereite ich mit der AeroPress zu. Für mich ist dies jedes Mal ein Moment der morgendlichen Besinnung. Ich liebe die Düfte, die bei der Zubereitung von Kaffee mit der AeroPress frei werden und starte auf diese Weise mit einem positiven sinnlichen Erlebnis in den Tag. Das Wachwerden kommt dann später …

Robin, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit „Bestbrew“!

Ein Kommentar

  1. Andy
    Veröffentlicht am 11.04.2012 um 19:55 | Permanenter Link

    Das ist ein echtes Highlight das Interview. Vor allem wenn man sich beim Kaffee etwas auskennt.