Coffee-hunting auf Sumatra (Indonesien): Kaffee Arabica in Gayo Bintang

Die Bezirke Bener Meriah und Aceh Tengah, die Herkunftsgebiete des Gayo Arabica, sind etwa so groß wie das Saarland („Meine Heimat“! Der Lektor). Statistiken gibt es derzeit noch keine genauen, aber ich schätze, dass mittlerweile mehr als 40.000 Kleinbauern in mehr als 150 Kooperativen zusammengeschlossen sind.

Aus diesen Zahlen lässt sich ersehen, dass die Gefahr besteht, dass unter dem Namen ‚Gayo’ alle möglichen – gute und auch weniger gute – Kaffees verkauft werden. Zumal auch bei den Exporteuren in Medan weiterhin offensichtlich kräftig mit Kaffees vom Lake Toba zugemischt wird.
Aber ähnlich dem Saarland verbirgt das Gayo-Land viele kleine Geheimnisse, wenn man die Hauptstrasse(n) verlässt und in die üppige Natur rein fährt („Wirklich wie dehäm“! Der Lektor).

Bald ist auch diese Straße zu Ende ...

Bald ist auch diese Straße zu Ende ...

Bintang: Guter Kaffee “abseits der Zivilisation

Bei meinem Export von Gayo Arabica der Koperasi Arinagata in den vergangenen 2 Jahren konnte ich reichlich Erfahrungen sammeln, wie man Nischen entdecken kann, die man mit der Verschiffung eines 20“ Containers einer Kooperative nicht erreicht: An die Kleinbauern ranzukommen, die richtig guten Kaffee herstellen, aber nicht die Möglichkeit haben, ihre gute Ware auch zu einem angemessenen Preis zu verkaufen, da sie weitab von jeder Zivilisation, Verkehrsanbindung und Kommunikation leben.

Es ist relativ bekannt in Takengon, dass einer der besten Einzelkaffees von den Waldbauern aus Bintang kommt. Aber kaum jemand war mal dort, die Anreise dorthin mutet an wie ne Etappe einer Camel-Trophy-Tour: nach 2 Stunden Fahrt mit dem Offroader das Fahrzeug stehen lassen, Rucksack auf den Buckel und laufen. Stundenlang, der Pfad ist relativ in Ordnung, da er regelmäßig von den Suzuki-Geländemaschinen der Collectors benutzt wird, das sind die Leute, die die grünen Bohnen aufkaufen und nach Takengon bringen. In diesem Fall auf dem Gepäckträger.

Kaffee-"Collector"

Typischer Kaffee-"Collector"

Wir aber sind zu Fuß: bergauf, bergab, durch Bäche waten, über Gerölllawinen steigen, Bauern und Kaffeepflanzen haben wir noch keine gesehen. Müßig zu erwähnen, dass hier schon lange keine Elektroversorgungsleitung mehr lang führt. Um uns Urwald und Berge, die Randzone des Gunung Leuser Eco Systems.

Fußmarsch

Fußmarsch

Nach `nem Fußmarsch von 1 Stunde das erste Haus: eine Holzhütte von ca. 4 x 4 m, Blechdach, Moped vor der Tür, Wäscheleine voller Wäsche, unweit von einem Bach. Um das Haus einige Kaffeesträucher, Kinder kommen raus, als wir uns nähern. Ich frage meine Führer, ob jetzt `ne Siedlung käme. Diese lachen und erklären mir, dass es hier keine Siedlungen und Dörfer gibt. Das Anbaugebiet Bintang besteht aus ca. 300 solcher alleine stehenden Häuser wie das vor uns. Diese sind verstreut über die nächsten 5 Stunden Fußmarsch.

Typisches Bauernhaus

Typisches Bauernhaus

Typisches Bauernhaus

Typisches Bauernhaus

Bintang-Waldkaffee: Der Albtraum eines jeden Plantagenbesitzers

Das klingt gut, genau das, wovon ich immer geträumt hatte. Wir gehen noch 2 Stunden weiter, immer mehr Kaffeesträucher passieren wir. Diese sind munter und ohne Plan unter und zwischen die Urwaldbäume gepflanzt, liegen weit verstreut und die Hänge hoch bis auf schätzungsweise 1.600 m.

Der Boden hier ist m. E. nicht so sehr ertragreich, aber der Kaffee erhält offensichtlich seine Güte durch die hier täglichen Niederschläge und die Schatten spendenden Urwaldbäume. Neben Kaffee wachsen aber auch noch willkürlich Bananen, Avocados.

Die Eindrücke hier sind begeisternd. In den Hütten zurückgeblieben sind meistens nur die Alten und behüten ihre Enkel. Die junge Generation ist im Wald, derzeit wird Kaffee geerntet.

Großmutter mit ihrem Enkel

Großmutter mit ihrem Enkel

Üblicherweise leben auf den ca. 20 m² – größer sind die Hütten nicht – drei Generationen. Nach europäischen Gesichtspunkten würden wir sagen: äußerst ärmlich. Diese Leute hier sehen das aber nicht so, sie haben, was sie brauchen, lachen, teilen das ganz wenige mit uns. Wir haben Gott sei Dank genügend Währung mit: Zigaretten, und können den Leuten hiermit so manche Freude bereiten. Papiergeld ist hier nicht unbedingt ein Tauschmittel.

Junge Bauernfamilie

Junge Bauernfamilie

Es gibt hier keinen Strom, also auch keinen Fernseher, Wasser wird aus Bächen, Rinnsalen und Quellen geholt, nicht immer hygienisch. Alles zum täglichen Leben wird zu Fuß und auf dem Kopf hierher geschleppt.

Typische Wasserstelle

Typische Wasserstelle

Familie mit Gepäck unterwegs

Familie mit Gepäck unterwegs

Leider müssen wir dann kurz nach Mittag umkehren, da wir ansonsten nicht mehr vor Dunkelheit nach Takengon zurückkommen. Was mir noch verborgen geblieben ist, darüber wage ich gar nicht nachzudenken …

Ältere Kaffee-Pflückerin

Ältere Kaffee-Pflückerin

Waldkaffee aus Bintag bald bei Maskal?

So viel: die Kaffeemuster, die wir hier mitnehmen konnten, wurden im April in Deutschland testgeröstet und für äußerst gut befunden. Wenn sie mal Gayo Bintang bei Maskal finden, wissen Sie, dass sie diese Waldbauern unterstützen. Derzeit kämpfe ich aber noch mit den Exportpapieren und Frachtraten.

Ein Kommentar

  1. Veröffentlicht am 04.06.2009 um 21:52 | Permanenter Link

    Schöner Bericht und tolle Bilder. Wenn der Kaffee auch noch schmeckt… sehr gerne!

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