Indonesien: Menschen, Natur, Kaffee. (1)

Von Siegfried Klein aus Banda-Aceh, Sumatra.

Wer kennt ihn nicht, den „Mokka Java“, den vielleicht berühmtesten Blend der Kaffee-Geschichte. War er ursprünglich ausschließlich eine Mischung von Kaffees aus dem Jemen und aus Java, so ist heute leider kein Verlass mehr darauf, was sich hinter „Mokka Java“ verbirgt: So ziemlich alles wird inzwischen unter diesem Emblem angeboten.
Seit wann Kaffee im Jemen angebaut wird, ist nicht eindeutig geklärt, aktuelle Ausgrabungsergebnisse lassen aber eine mögliche Rückdatierung bis ins mindestens 12. Jahrhundert zu. Ziemlich genau hingegen wissen wir, wann der Kaffee seinen Weg nach Indonesien gefunden hat.

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Segler vor einer Insel der Süd-Molukken

Kaffee in Indonesien

Kaffee kam zum ersten Mal 1696 nach Indonesien und wurde zunächst in Batavia (dem heutigen Jakarta) angebaut. Irgendwas jedoch lief schief, die Pflanzen gingen ein. Der zweite nachgewiesene Import von Kaffeepflanzen erfolgte 1699, diesmal mit mehr Erfolg. Die Arabica-Pflanzen stammten aus Indien, waren aber jemenitischer Herkunft. 1711 konnte der erste Kaffee aus Batavia nach Europa exportiert werden.
Die Kaffee-Produktion wurde kontinuierlich gesteigert, und Java wurde zum größten Lieferanten von Kaffee für das damalige Europa.

Heute ist Indonesien der viertgrößte Kaffeeproduzent der Welt, mit einem Export von 300.000 Tonnen in 2007, davon 75.000 Tonnen Arabica. Arabicas werden auf Sumatra, Sulawesi und Java traditionell angebaut. Hinzugekommen sind Arabica-Anbauflächen auf Bali, Flores und Papua. Diese Inseln bieten die ideale natürlichen Bedingungen für den Anbau von Kaffee-Arabica

Dorf von Kaffee-Bauern

Dorf von Kaffee-Bauern

Ideale Voraussetzungen für den Anbau von Kaffee

Das indonesische Archipel besteht aus ca. 17.500 Inseln, darunter mit Borneo, Sumatra und Papua einige, die zu den weltgrößten zählen. Das Inselreich liegt auf dem Ring of Fire, mit vielen aktiven Vulkanen, die 4.000 m und höher sind. Da es sich überdies am Äquator entlang erstreckt, also in einer gemäßigten, regenreicher Zone liegt, bietet das Insel-Archipel beste natürliche Voraussetzungen für den Anbau hochwertiger Arabicas. Zu den bekannten Arabica-Kaffees zählen z.B. Gayo Mountain, Mandheling und Lintong aus Sumatra oder Toraja und Kalosi aus Sulawesi.

Der Vulkan Sirung, Molukken

Der Vulkan Sirung, Molukken

Dorf auf Papua

Dorf auf Papua

Plantagen oder Estates für Kaffee und andere Genussmittel sucht man in Indonesien (mit Ausnahme einiger Staatsbetriebe auf Java) vergeblich. Fast alle Arabica-Kaffees werden von Klein- und Kleinstbauern angebaut, die sich in den meisten Fällen zu Kooperativen zusammengeschlossen haben. Kaffee-Anbaugebiete im Gayo Hochland auf Sumatra erkennt man erst bei näherem Hinschauen, eigentlich würde man zuerst einmal auf dichten Wald tippen. Der Arabica in den Hochlagen wächst fast ausschließlich unter Schattenbäumen, und zwischen den Kaffeepflanzen findet auch immer noch Gemüse Platz.

Was produziert Indonesien außer Kaffee?

Neben Kaffee gehört das Archipel zu den führenden Exportnationen für Kakao, Vanille, Zimt, Muskatnuss, Pfeffer, Nelken. Die Molukken waren über zwei Jahrhunderte die Gewürz-Inseln, und machten die East-India Company (VOC) der Holländer einst zu einer der reichsten Aktiengesellschaften. Mittlerweile wurde Indonesien auch zum weltweit zweitgrößten Produzenten von Palmöl, diese Entwicklung ist allerdings fatal und wird hoffentlich schnellstmöglich umgekehrt.

Abholzung für Palmölplantagen

Abholzung für Palmölplantagen

Indonesien: Ein Naturparadies

Das Land ist nicht nur reich an Agrarprodukten, es bietet darüber hinaus eine unendliche Vielfalt an intakter Natur, obwohl seit mehreren Jahrhunderten keine Anstrengungen unterlassen worden sind, diese auszuplündern. Die Zerstörung scheint jedoch gebremst zu werden und auf Sumatra, Borneo, Papua ist noch ausreichend Basis vorhanden, die hohe Biodiversität und den Rest des primären Regenwaldes zu schützen und diese Flächen sogar wieder auszudehnen, trotz des steigenden Anteils für Palmölplantagen.

Orang Utan auf Sumatra

Orang Utan auf Sumatra

Dschungelfluss in Sumatra

Dschungelfluss in Sumatra

Der Artenreichtum beschränkt sich nicht nur auf die Landfläche, sondern erstreckt sich auch auf das Meer. So zählen das Gunung Leuser Eco System auf Sumatra und der Lorentz-Nationalpark auf Papua zu den größten geschützten Regenwaldgebieten der Erde. Unter Tauchern gelten Raja Ampat, Manado, Flores, Kei island und ca. 20 andere als die Tauchspots. Jungle Trekking, Vulkanbesteigungen, Birdwatching, Tauchen, Rafting, 5* Urlaub auf Bali, Surfen, wochenlange Sailing adventures, Reisen auf der Suche nach der Herkunft von Kaffee, Kakao, Pfeffer, Muskatnuss, Nelken, Zimt, Vanille, all das bietet dieses großartige Archipel. Dabei sind diese Reisen aufgrund der großen Entfernungen und der eingeschränkten Verkehrsmittel auch im 21. Jahrhundert immer noch ein Abenteuer geblieben.

Abenteuerliche Autofahrt, West-Sumatra

Abenteuerliche Autofahrt, West-Sumatra

Gili Bei Lombok

Gili Bei Lombok

Und 240 Millionen freundliche und friedsame Einwohner unzähliger ethnischer Herkunft sorgen dafür, dass wir in der westlichen Welt all die erwähnten schmackhaften landwirtschaftlichen Erzeugnisse weiterhin genießen können Und sie warten darauf, uns ihr Archipel mit seiner nach wie vor beeindruckenden Natur zu zeigen. Die Mehrzahl dieser Menschen sind Muslime, aber auch Christen, Hindus, Buddhisten und so genannen „Naturreligionen“ bietet dieses riesige Land reichlich Raum zur Ausübung ihrer religiösen Überzeugung.

In den nächsten Folgen möchte ich ihnen einige Geheimnisse dieses Landes und seiner Schätze, aber insbesondere die Herkunft, Herstellungsweisen und Transportwege einiger Arabica-Kaffees näher bringen, aber auch die Menschen, denen wir diese großartigen Kaffees verdanken. Und vielleicht werde ich ja im Rahmen des coffee-huntings von Hans und Jörg einige neue interessante Arabicas entdecken.

Reisbauern auf Lombok

Reisbauern auf Lombok

Trauminsel

Trauminsel

4 Kommentare

  1. Veröffentlicht am 01.03.2009 um 20:32 | Permanenter Link

    Ist ja ein toller Artikel. SchC6ne Fotos. Warte schon mit Spannung auf die nC$chste Folge.

  2. Veröffentlicht am 02.03.2009 um 09:24 | Permanenter Link

    Ein toller Artikel, der Lust auf mehr macht.
    Trotz oder besonders wegen der angedeuteten Umweltprobleme hat Indonesien ein groCes Potenzial fC

  3. Heike
    Veröffentlicht am 27.11.2010 um 11:02 | Permanenter Link

    interessante Berichte, die mich richtig angenehm auf meinen 4 wC6chigen Trekking-Urlaub im Dezember/Januar einstimmen.

  4. Veröffentlicht am 10.01.2012 um 20:40 | Permanenter Link

    Der Vulkan Sirung liegt auf Pantar, NTT. Siehe

    http://beang.webs.com

    Lg

    Walter

Ein Trackback

  1. [...] ersten Artikel zu “Kaffee in Indonesien” finden Sie hier. Links in diesem [...]

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