Hawaii-Kona – ein legendäres Kaffee-Anbaugebiet ökologisch unter die Lupe genommen

Kona-Kaffee aus Hawaii ist für Kaffee-Gourmets eine Legende – doch nur 100 Quadratkilometer misst das 250 bis 750 Meter über dem Meer gelegene Anbaugebiet auf der Hawaii-Insel Kona am Fuße des Mt. Hualalai. Dass die traditionellen Schattenbaumkulturen nicht nur einen der weltweit begehrtesten Kaffees hervorbringen sondern ökologisch und ökonomisch nachhaltig sind, soll nun ein Forschungsprojekt nachweisen.

Kona und seine Bewohner können auf eine 180-jährige Kaffee-Geschichte zurück, die schon fast zu Ende war, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte. 1828 führte der amerikanische Missionar Samuel Reverend Ruggles erste Kaffee-Stecklinge aus Brasilien ein. Die daraus resultierende Produktion war jedoch ausschließlich für den lokalen Bedarf gedacht. Erst ein scharfer Preisanstieg auf dem internationalen Markt sorgte in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts für amerikanische und europäische Investitionen und ein Aufblühen der Plantagenwirtschaft, ein Boom, dem aber 1899 umgehend der Zusammenbruch des Weltkaffeemarktes folgte – die Kona-Kaffee-Industrie stand vor ihrem Ende. Letztlich sahen sich seine Protagonisten gezwungen, das Land ihren erst kurz zuvor angeworbenen Lohnarbeitern – meist japanischen Ursprungs – zu überlassen, die den Kaffeeanbau in Familienbetrieben weiterführten.

Inzwischen generieren 2.300 Tonnen Jahresproduktion etliche Millionen Dollar Umsatz für die 650 registrierten Produzenten der Kona Coffee Farmers Association (KFCA). Und sie stellen mittlerweile eine eher bunte, kosmopolitische Gemeinschaft dar, die mehr als 100 verschiedene Labels hervorgebracht hat, die sich Buddha’s Cup, Imagine oder Sweet Spirit nennen. Niederschläge aus Passatwinden, temperierende Wolken und Nebeldecken sowie fruchtbare vulkanische Böden sorgen für das spezifische Terroir dieses Grand Cru unter den Kaffees. Obwohl nur Kaffees dieser definierten Region in den Nord- und Süddistrikten der Insel den Namen Kona als Ursprungsbezeichnung tragen sollten, erlaubt eine gesetzliche Regelung derzeit noch, dass Blends, die nur zu 10 % aus Kona-Kaffee bestehen, diesen Namen zumindest als Zusatz zu verwenden. Nicht nur gegen diese Regelung, sondern auch gegen die zunehmende Bedrohung durch gentechnisch veränderten Kaffee, mit dem u.a. auf Hawaii experimentiert wird, laufen die Produzenten Sturm.

Auch sonst sind Konas Kaffeeproduzenten mehrheitlich ökologisch orientiert. Während so genannte ‘shade-grown’ (Schatten-) Kaffees andernorts erst seit wenigen Jahren als moderne ökologische Errungenschaft gelten und zumindest in kleinbäuerlichen Strukturen in Entwicklungsländern zunehmend verbreitet sind, so wird Kona-Kaffee seit seinem historischen Neubeginn überwiegend und somit in teils 100-jähriger Tradition in naturnahen Obsthainen oder Waldgärten kultiviert. Diese beherbergen ein Vielzahl endemischer, also nur auf den lokalen Inseln vorkommenden Vogelarten, die auch für die natürliche Schädlingsbekämpfung zuständig sind.

Die ökologischen und ökonomische Vorteile dieser naturnahen Form der Agroforstwirtschaft werden derzeit in einem groß angelegten zwei-jährigen Forschungsprojekt untersucht. Verglichen werden 12 Schattenkaffee-Haine mit herkömmlichen Pflanzungen im Hinblick auf die Ausprägung von fünf Schlüsselindikatoren:

  • Form und Gehalt an organischer Substanz im Boden: Humus ist nicht nur ein wichtiger Träger von Mikroorganismen, Nährstoffen und Mineralien, sondern stabilisiert den Boden gegen Erosion, speichert Wasser und wirkt ausgleichend auf das Mikroklima.
  • Allgemeine Umweltbedingungen: Hierzu zählen insbesondere Beschattungsgrad. Baumbestanddichte und Artenvielfalt der Pflanzen.
  • Befall mit so genannten Schadinsekten.
  • Ertrag und Bohnenqualität
  • Produktionskosten und Marktwert

Die beteiligten Wissenschaftler und Landwirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die Anbauprinzipien des naturnahen Schattenkaffees das Potenzial haben, von einer weitaus größeren Zahl von Kaffeebauern übernommen zu werden.

Einer der Vorzeige-Betriebe ist die Kanlani Ohana Farm, deren Philosophie und Arbeitsweise in einem eindrücklichen dokumentiert sind. Wer die Kona-Farms selbst besuchen will, findet hier eine Karte der Kona-Kaffee-Route. Hier das Video, dessen Einbau in diesen Artikel uns vom Urheber des Videos ausdrücklich gestattet wurde:


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2 Kommentare

  1. Veröffentlicht am 30.03.2009 um 07:08 | Permanenter Link

    Aloha,

    Danke für den Artikel bezgl. Kona Kaffee! In deutschen Gefilden ist er leider nicht so bekannt wie hier in den USA. Deswegen wollte ich auch ein klein wenig korrigieren: Kona ist keine hawaiianische Insel, sondern ein Kreisbezirk der auf der Insel Hawaii (auch Big Island genannt) liegt. Der Staat ist nach dieser Insel benannt, aber die meisten Einwohner drängeln sich auf Oahu in der Stadt Honolulu. Der Kona Kaffee “Gürtel” hat eine einzigartige geographische Lage an den Steilhängen des Hualalai und des Mauna Loa Vulkans. Nachmittags steigen sogenannte Vektorwolken vom Ozean auf und geben nicht nur Schatten sondern auch regelmässigste Regenfälle auf unsere Kaffeefelder. Man kann fast die Uhr danach stellen! Deswegen brauchen wir Konakaffeebauern eigentlich keine Schattenbäume. Ich beobachte das unter meinen dichten, uralten Avokadobäumen kaum Kaffeekirschen auf den Büschen zu finden sind. Das heisst natürlich nicht das alles was nicht Kaffee ist, abgeholzt werden soll! Aber als Schattenspender sind sie nur notwendig in der 300-500 Meter Lage wo die Wolken sich noch nicht abregnen. Die Ideallagen von 600 – 850 Meter benötigen sie nicht. Bäume helfen jedoch die Erde mit Nährstoffen anzureichern, Früchte zu spenden, Erosion zu vermeiden und Vogelhabitat zu bieten. Leider sind in unserer Lage keine urhawaiianischen Vögel mehr zu finden- die sind alle in den Urwald der noch höher liegt geflüchtet. Aber wir haben trotzdem jede Menge ‘zugezogene’ gefiederte Freunde die alles was es so an Insekten gibt, vertilgen.

    Wenn es einen nach Konakaffee gelüstet, wie dieser Blog es in sehr lobenswerter Weise klarmacht auch hier auf ‘Single Origin, Single Estate’ achten. Hier in den Staaten wird leider viel geschummelt wenn es ums Etikett geht.

  2. Veröffentlicht am 30.03.2009 um 10:30 | Permanenter Link

    Hallo Joachim,

    besten Dank für die interessanten Ergänzungen. Gerne nehmen wir im Blog weitere authentische Berichte von vor Ort auf.

    Gruß

    Jörg

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