Ein neues Glanzstück aus der Kaffee-Wundertüte!

Kaffee: Anbauländer – Äthiopien

Nachdem ich ja nun schon mehrfach über Absurditäten bezüglich äthiopischer Kaffees berichtet habe, und ich glaubte, dies alles ließe sich nicht mehr toppen, musste ich heute feststellen: Es geht doch! Durch Zufall stieß ich auf einen Artikel, bei dem sich einem erneut die Frage stellt: Wie kann es in nur wenigen Zeilen zu einer solchen Konzentration an Unsinn kommen!

Der Artikel beginnt mit gleich einer sensationellen Nachricht: “Überreste der ersten Coffea-Pflanze wurden im äthiopischen Kaffa entdeckt …” Wow!!! Es drängen sich bescheidene Fragen auf: Wo? Wann? Von wem? Von welcher Art der Gattung Coffea? Und: Wieso weiß eigentlich niemand davon?

Weiter: ” … das frühere Abessinien gilt daher als Wiege des Kaffees.” Ein beliebter Irrtum bezüglich Abessinien, der sich durch munteres, unentwegtes und unüberprüftes Abschreiben wacker am Leben hält. Das ehemalige Abessinien nämlich ist nur partiell deckungsgleich mit dem heutigen, viel größeren Äthiopien, und der überwiegende Teil der Kaffeeanbaugebiete liegt ausgerechnet genau in den Gebieten, die nicht zum ehemaligen Abessinien gehörten!

“Mit 1,8 Millionen Sack ist das Land der größte Arabica-Exporteur des Kontinents.” Diese Sackzahl, die 108.000 t Kaffee entspricht, würde dem äthiopischen Finanzminister die Tränen in die Augen treiben! Der oberste Steuereinsammler erhofft sich nämlich (ob es der Fall sein wird, ist eine andere Frage) eine Steigerung der letztjährigen Exportmenge; und die betrug – bei einer Gesamtproduktion von ca. 330.000 t – knapp 230.000 t. Das entspricht einer Sackzahl von rd. 3.800.000!

“Ein Großteil des Kaffees wird als Naturkaffee vermarktet, den überwiegend kleinbäuerliche Betriebe von bis zu 12 m hohen, wildwachsenden Bäumen ernten.” Also so einen Schmarren muss man erst ein Mal verdauen! Um den Anteil an Kaffee “von bis zu 12 m hohen wildwachsenden Bäumen” in der jährlichen Exportmenge aufzustöbern, müsste man sich schon bemühen, das Hubble-Teleskop auf einer der Erhebungen um Addis Abeba herum aufbauen. Uns selbst dann müsste man noch ganz ganz scharf hinschauen …

Den Rest des Artikels erspare ich mir, da ich dort zu den einzelnen Punkten zu weit ausholen müsste, was dann sicher etwas langatmig werden würde. Nur eines: Ich möchte ein Mal zu gerne wissen, wer die Mär in die Welt setzte – und der ich ständig begegne -, dass die Yirgacheffes “die wohl härtesten Bohnen in Äthiopien sind”! Es ist immer das gleiche Spiel: Einer setzt einen Unsinn in die Welt, und alle schreiben ihn munter ab. Dabei gäbe es ausreichend und z.T. auch leicht zugängliche Quellen, die einem eines Besseren belehren! Aber das macht halt ein klein wenig Arbeit. …

3 Kommentare

  1. Veröffentlicht am 24.03.2009 um 20:17 | Permanenter Link

    viel Spass mit deinem neuen Magengeschwür….ich würde den Verfasser verklagen. Beste Genesungswünsche aus Hamburg

  2. Veröffentlicht am 24.03.2009 um 21:30 | Permanenter Link

    Hallo Erik,

    na, auf den Spass verzichte ich lieber! Und was den Verfasser betrifft, nun, der tut das ja nicht mit böser Absicht, aber vermeidbar wäre so etwas durchaus.

    Viele Grüße,

    Hans

  3. Jan Kluczewitz
    Veröffentlicht am 06.07.2009 um 11:17 | Permanenter Link

    Und hier wird fleißig weiter abgeschrieben:
    http://forum.chip.de/funtalk/kaffee-thread-89032-page362.html#post451368

    Für den Kopierer des Textes wirkte der Inhalt offensichtlich seriös. Die Schwierigkeit für den Nichtspezialisten besteht sicher nicht darin, dass die richtigen Quellen zu schwer zugänglich sind, sondern darin, Unzuverlässiges und Zuverlässiges von einander zu unterscheiden. Und nicht jeder ist mit den Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens vertraut.

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