Informations-Chaos über dramatische Ausfälle bei der Kaffee-Ernte in Äthiopien. Auswirkungen auf die Kaffee-Preise?

Als wäre, wie ich kürzlich berichtet habe, das Chaos in Äthiopiens Kaffee-Sektor derzeit nicht schon groß genug, so potenzieren jetzt Meldungen über dramatische Erntausfälle bei den Sidamo und Yirgacheffe-Kaffees dieses Chaos. Begonnen hatte das nach wie vor undurchsichtige Informations-Hin-und-Her am 17.12. mit der Meldung von Bloomberg, in diesen beiden wichtigen Kaffee-Anbauregionen Äthiopiens, dem größten Kaffee-Produzenten Afrikas, sei mit Ernteeinbußen von 60% zu rechnen. Das würde auch die von mir schon früh gehegten Befürchtungen bestätigen, die auf Grund des weitgehenden Ausfalls der kleinen Regenzeit im Frühjahr diesen Jahres in vielen Teilen Südäthiopiens und der zu starken Regen im August/September zu erwarten waren (PS: weshalb ich mich sicherheitshalber rechtzeitig mit äthiopischen Kaffees eingedeckt habe!).

Was aber ist dran an dieser Bloomberg-Meldung? Verhält es sich mit ihr so wie mit einer Information des UN children´s fund in Äthiopien Mitte des Jahres? Darin wurde vor möglichen Auswirkungen für 6 Millionen Kinder unter 5 Jahren in Folge einer auf Grund des Regenfalls zu erwartenden Dürre gewarnt und Präventivmaßnahmen gefordert. Die internationale Presse machte daraus gleich eine anstehende große Hungersnot.

Aber gehen wir chronologisch vor. Einen Tag nach Erscheinen der Bloomberg-Meldung, die sich ihrerseits auf eine Mitteilung des UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) beruft, berichtet Reuters, Äthiopien weise diese Meldung als falsch zurück. Zitiert wird, und jetzt fängt es an spannend zu werden, Berhanu Gezahegn vom Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Dieser sagt, es gäbe keinerlei Hinweise auf einen Ausfall bei der Kaffee-Ernte, auch nicht bei den Anbaugebieten für Sidamo- und Yirgacheffe-Kaffee. Ganz im Gegenteil: “A government assessment mission which toured all coffee growing regions a few weeks ago, concluded that the country’s coffee production will be maintained at the estimated annual 330,000 tonnes in 2009.”

Genau dieser Berhanu Gezahegn bestätigte allerdings einen Tag später, am 19.12., jetzt in einem Interview bei Bloomberg (!), die Richtigkeit der ersten Bloomberg- sowie der OCHA-Meldung: Im Sidama-Distrikt (PS: dem Kerngebiet der Sidamo-Kaffees), sei mit einem Ernteausfall von 55 % zu rechen, im Gedeo-Distrikt (PS: dem Kerngebiet für Yirgacheffe-Kaffees), sogar mit 62 %! Er bestätigt die Regenausfälle zur Kaffeeblüte im Frühjahr und die zu starken Regen während der Reifezeit im August und September. Führten die Regenausfälle im Frühjahr zu einer zu geringen Knospenentfaltung, so waren, Berhanu Gezahegn weiter, die starken Regenfälle während der Reifezeit Auslöser für die gefährlichen Kaffee-Krankheiten “coffee berry disease” (PS: die in den 60er Jahren von Kenia her Äthiopien erreichte) und “wilt desease” (PS: die, wenn ich mich richtig erinnere, ihren Ursprung in den 40er Jahren in Simbabwe hatte und auf ihrer Nordwanderung erst vor wenigen Jahren Äthiopien erreichte; bisher hilft gegen diese Krankheit nur ein radikales Ausreißen und Verbrennen des gesamten Kaffeebaumes).

Was ist jetzt Fakt? Nun Fakt ist, dass im Frühjahr die Regenfälle weitgehend ausblieben, und dass es im August/September zu viel geregnet hat. Wie hoch der Ernteausfall tatsächlich sein wird, wissen wir erst nach Abschluss der Ernte genau. Aber das kann noch dauern. Denn was seltsamer Weise in all den obigen Meldungen fehlt, ist ein Hinweis darauf, dass sich die Kaffee-Ernte je nach Region um bis zu 3 Monate verschiebt! Und das hat weit reichende Folgen!

Normaler Weise beginnt die Ernte, je nach Höhenlage, Anfang – Mitte Oktober. Bei den Sidamo und Yirgacheffe-Kaffees hingen aber dieses Jahr Ende November, besonders in den oberen Höhenlagen, noch überall grüne, unreife Kirschen an den Kaffeebäumen! Dies führt bei den Großeinkäufern dieser Kaffees zu zunehmender Nervosität, und andere afrikanische Länder versuchten schon vor Wochen in die Bresche zu springen – mit deutlich angezogenen Preisen!

Bestätigt sich nun tatsächlich in den nächsten Wochen der prognostizierte Ernteausfall, dann weiß ich nicht, wie, gerade im Zusammenhang mit dem Chaos bei völligen Umkrempelung des Kaffeesektors, das Land diese Krise bewältigen will. Und für die meisten Kaffeebauern wird es schlecht aussehen. Selbst für diejenigen, die keine oder nur geringe Ausfälle haben und deshalb auf höhere Preise hoffen können, ist keine Gewißheit auf ein gutes Einkommen gegeben. Denn es bleibt abzuwarten, ob und welche Auswirkungen die Regenkapriolen auf die Qualität der Kaffees haben wird! Danach werden wir wissen, wie groß die Krise in Äthiopien tatsächlich sein wird – und welches Niveau die Preise für äthiopische Kaffees im nächsten Jahr erreichen werden.

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