Abenteuer im Kaffee-Land. Tagebuch einer Forschungsreise in Äthiopien (Teil 2)

Der Morgen im südwest-äthiopischen Nekempte beginnt grau und wolkenverhangen. Es wird jedoch nicht lange dauern, bis die Kraft der Sonne die Luft erwärmt und Feuchtigkeit aufgesaugt hat und wir in Richtung Forschungsgebiet, den Wildkaffeewäldern von Yayu aufbrechen werden. Zuvor aber steuert uns Wondo, unser Fahrer, über die noch matschigen Straßen zu einem der zahlreichen Frühstückslokale. Die Bude ist berstend voll. Dennoch finden wir an einem kleinen, runden Tisch neben der Theke Platz. Von hier aus hat man einen wunderbaren Einblick in das Treiben hinter dem Tresen. Die Bedienung kommt und wir bestellen Tse Thipsa – einen fettgebackenen Brotfladen mit Honig, dazu Jimaki-Sprice, ein aus Mango, Papaya und Guave-Mark geschichteter Fruchtsaft mit Zitrone, danach noch einen Macciato – ein schon gesüßter Latte-Espresso, der hierzulande praktisch nirgends angeboten wird. Das ist im wesentlichen die Ration, die bis zum Abendessen reichen muss.


Wir verlassen die Stadt in Richtung Bedelle. An der Hauptkreuzung ein großes Plakat mit dem Modell eines hochmodernen Stadionkomplexes, vor dem Sportwagen parken. Man sieht die Ansprüche sind hoch… Die Realität holt uns gleich wieder ein bzw. kommt uns entgegen: Einige Reiter – offenbar wichtige Gemeindevertreter, die sich zu den heute stattfindenden Regionalwahlen begeben – zu Pferd natürlich – andere Transportmöglichkeiten sind kaum vorhanden. Dafür baut der Staat mit Hilfe der Chinesen eine neue Allwetterstraße. Die Hauptarbeiten werden mit schweren Maschinen von chinesischen Gastarbeiten erledigt.

Bei Arjo erreichen wir eine Hochfläche. Von hier oben aus blicken wir in die schier unendliche, menschenleere Weite des Didesa Wenz Tals.


Der Fluss ist einer der letzten großen Zuflüsse des Blauen Nils vor der sudanesischen Grenze. Eine Stunde später überqueren wir ihn. Hinter der Brücke steht ein zebrafarbener Geländebus. Er gehört drei russischen Wissenschaftlern, die seit Jahren die äthiopische Fischfauna erforschen. Unerschrocken werfen sie im Schichtbetrieb die Netze im Fluss aus, um die vorhandenen Arten zu erfassen – obwohl es hier Krokodile geben soll.

Es ist inzwischen unerträglich heiß. Von der Frische des Hochlandes ist am Fluss nicht mehr viel zu spüren. Auch hier ist das Land knochentrocken. Die Ernte von Tef, ein glutenfreies Getreide, das nun wohl auch in der europäischen Diätküche Einzug halten wird, ist eingefahren. Übrig bleibten nur der kahle Ackerboden und locker verstreute Mango-Bäume.

Bald geht es den letzten Anstieg hinauf nach Bedelle. Als wir für ein paar Fotos anhalten, kommt eine ganze Familie aus dem Gebüsch gesprungen, um uns neugierig in Augenschein zu nehmen. Ich schenke dem kleinen Jungen eine halbvolle Plastikflasche mit Trinkwasser.

Triumphierend rennt er damit zu seinen Eltern. Seine Schwester fordert nun auch ihren ‚Anteil’. Für uns kein Problem noch eine weitere Flasche abzugeben, denn die Stadt liegt nur eine halbe Autostunde von hier entfernt – zu Fuß sicher ein Tagesmarsch. In Bedelle wartet eine der bekanntesten Brauereien des Landes mit einem kühlen Bier auf uns. Wappentier der Brauerei ist ein Colobus-Affe, wie man ihn hier in den Wäldern häufig antrifft. Leider ist der alte Braumeister, den wir vor zwei Jahren hier schon getroffen hatten, nicht mehr da. Er spricht Deutsch und hatte zu DDR-Zeiten in Dresden sein Handwerk gelernt. Inzwischen hat ihn die Konkurrenz in Addis Abeba abgeworben…

Ab Bedelle wird die Landschaft abwechslungsreich: Hügel mit Feldern und Weiden wechseln sich ab mit kleineren und größeren Flächen dichten Urwaldes – wir haben endlich unser Forschungsgebiet erreicht – den Yayu-Forest. Im letzten Tageslicht treffen wir in Metu ein, einem wuseligen, lärmigen Städtchen von etwa 100 Tausend Einwohnern. Wondo hupt vor dem Tor unseres Quartiers, dem Gästehaus von „Menschen- für Menschen“. Ein Mann mit Kalaschnikow in der Hand gewährt uns freundlich lächelnd Einlass. Das Gästehaus hält saubere Zimmer mit bequemen Betten, Moskitonetz und (zeitweise) warmem Wasser und Strom bereit. Das Beste jedoch ist ein zauberhafter tropischer Garten mit Affen und allerlei bunten Vögeln. Von hier aus werden wir die nächsten Tage in die Kaffeewälder um Yayu herum aufbrechen. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen.
Mehr in der nächsten Folge…
Hier finden Sie den ersten Teil.

Ein Kommentar

  1. Veröffentlicht am 30.12.2008 um 12:49 | Permanenter Link

    schöne Fotos aus Afrika und schöne Landschaft
    keep up the good work

3 Trackbacks

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