Abenteuer im Kaffee-Land. Tagebuch einer Forschungsreise in Äthiopien (Teil 1).

Um den Blick aus meinem Bürofenster beneidet mich so mancher Besucher. Heute sehe ich den Südschwarzwald jedoch nur wolkenverhangen. Es fröstelt mich. Wenn ich meinen Kopf leicht nach rechts in Richtung Bildschirm drehe, bleibt mein Blick am Blumentopf hängen. An einem Bambusstab, weiter oben an einer Kordel entlang, rankt sich eine Kletterpflanze mit herzförmigen Blättern. Sie erreicht inzwischen die buddhistischen Gebetsfähnchen, die quer durch das Zimmer gespannt sind. Die Fähnchen sind Überbleibsel aus meiner Zeit in Nepal, die Kletterpflanze stammt aus dem äthiopischen Regenwald. Sie trägt inzwischen jene unscheinbaren, an Paranüsse erinnernden Früchte, von denen sich eine bei meinem letzten Besuch versehentlich in meinem Reisegepäck verlor….Eine Erinnerung an eine sehr spannende Forschungsreise im Auftrag des CoCE-Wildkaffee-Projekts. Gerne nehme ich Sie für ein paar Minuten mit auf meiner Reise in die Regenwälder Äthiopiens

Mitten in der Rushhour, gegen 9 Uhr morgens im April, verlassen wir mit dem Geländewagen Addis Abeba. Das Leben pulsiert. Die 5-Millionen Stadt scheint überzuquellen vor Menschen, windschiefen blauen und gelben Taxis der Marke Fiat oder Lada, schwarz rußenden Minibussen und den zahllosen Jeeps der vielen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen. Wohlhabende Geschäftsleute bevorzugen dagegen eher Mercedes oder BMW. Nach einer Stunde erreichen wir die Außenbezirke der Stadt. Schlagartig hört der Verkehr auf.

Die Straße in Richtung Westen ist noch oder wieder gut – wir befinden uns in einer der Kornkammern des Landes. Der Boden hier auf 2000 Meter Höhe ist fruchtbar und hat in den letzten Jahren etliche Investoren angelockt, deren Schnittblumengewächshäuser überall wie Pilze aus dem Boden schießen.

Wir kommen gut voran in Richtung Nekempte, der Hauptstadt der Region Illubabor, unserem ersten Etappenziel auf dem Weg nach Yayu Forest. Das Land ist, jetzt zu Beginn der kleinen Regenzeit, noch braun und abgeerntet. Immer wieder stoßen wir auf Spuren der Tragödien, die das Land in den vergangenen Jahrzehnten durchlebt hat: Liegengebliebene Panzerwracks als letzte Mahnmale des Endes der kommunistischen Militärdiktatur. Daneben ein Mahnmal der degradierenden Natur – eine tiefe Erosionsrinne, wie sie sich zahlreich in dieser karg anmutenden, praktisch entwaldeten Landschaft finden.



Trotz der Weite ist das Land jedoch dicht besiedelt. Wo immer wir, wenn auch nur für einen kurzen Moment, anhalten sind wir sofort umringt von meist jungen Menschen, die uns ein fröhlich provozierendes ‚Ferenji, Ferenji’ (Fremder – möglicherweise von ‚French’ abgeleitet) oder ‚You-You’ entgegenschleudern.


In einem abendlichen Gewitterschauer erreichen wir nach ca. 300 Kilometern und 9 Stunden Fahrzeit Nekempte, eine Stadt von ca. 150.000 Einwohnern. Im Nu hat sich die Straße in eine seifige Schlammpiste verwandelt. Wie die Störche waten wir in das einzige freie Hotel am Platz, das Wugagen, ein Prachtbau aus kommunistischer Zeit, der seit den 70er Jahren weder einen Pinsel noch einen Klempner gesehen hat. Strom gibt es nicht, dafür ca. 2 Zentimeter Kerzenstummel, die gerade ausreichen um das Moskitonetz über dem Bett in die morschen Spanplatten zu nageln. Das Bad eignet sich kaum zum Frischmachen – wenigsten kann die Bar mit einem lauschigen Innenhof und kaltem Bier aufwarten.


Der Abend endet dann doch in relativer Entspannung im Restaurant nebenan mit allerlei Fleisch und N’jera – einem Sauerteigpfannkuchen aus einer lokalen Getreidesorte. Bei völliger Dunkelheit und dem auf das Blechdach des Hotels prasselnden Regen falle ich wenig später im Hotel in einen traumlosen Schlaf…..

Wie es weiter geht, erfahren Sie in der nächsten Folge.

Bildnachweis – Copyright für alle Bilder dieses Artikels: Jörg Volkmann

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  1. [...] um Yayu herum aufbrechen. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen. Mehr in der nächsten Folge… Hier finden Sie den ersten Teil. Links in diesem [...]

  2. [...] finden Sie Teil 1 und Teil 2. Links in diesem [...]

  3. [...] finden Sie Teil 1, Teil 2 und Teil 3. Links in diesem [...]

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