So, endlich ist es so weit: Unser neuer Kaffee aus dem Jemen ist eingetroffen, geröstet und im Shop eingestellt! Ich habe mich dieses Mal allerdings nicht für meinen geliebten “Hufashi” entschieden, der für meine Begriffe nicht optimal verarbeitet war, sondern für einen “Harazi”. Die Entscheidung für den “Harazi” hatte aber noch einen anderen Grund.
Der Kaffee ist das erste Produkt aus dem so genannten “Haraaz”-Projekt von Shabbir A. Ezzi, der mit diesem privaten Projekt neue Wege im Jemen beschreitet: Die gezielte soziale und wirtschaftliche Entwicklung des westlich der Hauptstadt Sana´a gelegenen Nord-Haraz -Gebirges. Hier hat die Familie von Shabbir A. Ezzi´s ihre Wurzeln. Shabbir selbst ist Inder und hat auf einer Reise in den Jemen im Jahr 2006 den Entschluss gefasst, durch den Bau von Schulen, Krankenhäusern, Straßen und der Qualitätsverbesserung landwirtschaftlicher Produkte der Armut im teilweise schwer zugänglichen Haraz-Gebirge Paroli zu bieten.
Ich selbst bin 2006 im Haraz und in Bani Matar kaffeemäßig unterwegs gewesen und habe mich an vielen Stellen gewundert, wie es die Bauern schaffen, ihren Kaffee aus all diesen Extremlagen heraus zu bekommen. “Time is money” bekommt hier eine ganz andere Bedeutung: Von dem Ersten braucht man viel, um vom Zweiten sehr wenig zu bekommen!
Das scheint ein Widerspruch in sich zu sein, sind die jemenitischen Kaffees doch exorbitant teuer! Aber: Der Kaffee geht, bis er meim Exporteur ist, durch so viele Hände in einem komplexen, mit unzähligen Abhängigkeitsbanden miteinander verwoben sozioökonomischen System, dass trotz des hohen Exportpreises der einzelne Bauer kaum davon existieren kann.
Und hier setzt das “Haraaz”-Projekt an! Die Bauern, so das deklarierte Ziel, sollen durch weniger Abhängigkeiten, verbesserte Anbau- und Verarbeitungsmethoden in die Lage versetzt werden, sich langfristig eine in allen Belangen bessere Lebensgrundlage zu schaffen - die sicherlich manchmal anders aussehen wird, als der Initiator des Projekts, Shabbir A. Ezzeni, oder Außenstehende dies gerne sehen würden; aber das gehört dazu! Und das Projekt wird von zahlreichen Außenstehenden mit Argusaugen beobachtet. Denn: sollte das noch junge Projekt greifen und sichtbare Erfolgen verzeichen, dann wird es Modell für viele Nachfolgeprojekte sein. Und damit es hoffentlich viele Nachfolgeprojekte geben wird, habe ich mich entschieden, den “Harazi”-Kaffee aus diesem Projekt zu kaufen - der, ganz nebenbei bemerkt, sicher das Beste ist, was derzeit im Jemen zu bekommen ist!
Mehr über das “Haraaz”-Projekt hier.









4 Kommentare
“sich langfristig eine in allen Belangen bessere Lebensgrundlage zu schaffen”
Das liest man doch gerne … und hoffentlich wird dies auch was!
Grüße
Hallo Blokster,
ja, das hoffen wir natürlich auch!
Man sollte bei solchen Projekten allerdings immer Realist bleiben und nicht nur “Friede, Freude, Eierkuchen” erwarten. Das wäre einfach zu schön! Auch beim Kaffee, der wirklich hervorragend schmeckt, ist im gesamten Kontext noch sehr viel Arbeit zu leisten. Aber was bisher in den im Artikel angesprochenen Bereichen in der Kürze der Zeit in die Wege geleitet wurde, lässt einen sehr positiv stimmen.
Viele Grüße und vielen Dank für Deinen Kommentar!
Hans
Hmm ich wusste nicht, dass man Kaffee in Jemen züchtet. Richtig interessanter Beitrag! Gruß!
Hallo Dennis,
vielen Dank für Deinen Kommentar!
Nach Äthiopien ist der Jemen das Land, in dem am längsten Kaffee angebaut wird. Gezüchtet allerdings wird er dort nicht. Wieviele Varietäten im Jemen kultiviert werden, darüber streiten sich noch immer die Geister. Hier steht noch viel Forschungsbedarf an.
Viele Grüße,
Hans
Ein Trackback
[...] eng werden. Um zu wissen, wann wir mit neuer Ware rechnen können wie es mit unseren Kaffee aus dem Haraaz-Projekt qualitäts- und mengenmäßig aussieht, habe ich dieser Tage mehrfach mit Shabbir el Ezzi, dem [...]