Anfilo – ein neuer äthiopischer Waldkaffee bei Maskal

Äthiopischer Wildkaffee ist in den vergangenen Jahren als unverzichtbare und zugleich bedrohte genetische Ressource des Kulturguts Kaffee immer mehr in den Blickpunkt geraten. Durch die kürzlich erfolgte Anerkennung als Biosphärenparks sind wichtige Rahmenbedingungen für den Schutz der bereits stark zersiedelten und isolierten Waldflächen in Kaffa und Yayu geschaffen.
Man muss dazu sagen, dass diese Parks nur einen Teil der noch vorhandenen Wälder Äthiopiens umfassen, in denen Wildkaffee beheimatet ist. Ein Großteil der tatsächlich noch vorhandenen Wildkaffeewälder dürfte noch kaum erforscht sein, bedarf aber mindestens derselben Aufmerksamkeit und Unterstützung wie Kaffa und Yayu. Einer dieser Wälder ist das Gerjeda Forest Reserve in der Region Wollega. Von dort, genauer gesagt aus dem Distrikt Anfilo, stammt ein gleichnamiger Kaffee, den wir in Kürze in zunächst limitierter Auflage als Waldkaffee anbieten werden.

Den aufmerksamen Leserinnen und Lesern unseres Blogs und unserer Website dürfte nicht entgangen sein, dass wir die Vermarktung von so genanntem Wild- bzw. Waldkaffee immer mit einer gewissen Skepsis verfolgt haben. Die Gründe liegen darin, dass für uns erstens die menschlichen Eingriffe häufig viel zu stark sind, als dass man noch von Wildkaffee als reinem Sammelgut sprechen könnte (siehe hierzu unser Wildkaffee-Dossier), weil zweitens die  nachhaltige Nutzung nicht immer wirklich gewährleistet scheint, und drittens, weil gerade sonnengetrockneter Waldkaffee oft starken Qualitätsschwankungen unterlegen ist.

Mit Anfilo Coffee in Wollega, ganz im Westen Äthiopiens gelegen, haben wir nun einen Partner gefunden, der sowohl ein überzeugendes Nachhaltigkeitskonzept präsentiert, als auch sensationell gute, sonnengetrocknete Waldkaffees – aus kleinen Kooperativen und aus eigenem Anbau. Bemerkenswert auch die Höhenlagen von bis zu 2.400 Metern, Höhen in den bisher keine natürlichen Kaffeevorkommen bekannt waren.

Gründer von Anfilo Coffee sind die Äthiopier Samson Guma und Ambessaw Assegued. Samson, zurück aus dem Exil in Seattle, verbringt inzwischen einen Großteil des Jahres in Wollega, um Anbau, Verarbeitung in Zusammenarbeit mit den Familien vor Ort zu unterstützen. Ambessaw, ein Biologe, der seit fast 20 Jahren in Kalifornien ein Beratungsbüro für Landschaftsökologie betreibt, ist für die Erhaltung der ursprünglichen, naturnahen Waldstrukturen verantwortlich. Daneben gelang es Samson, mehr als 100 der 600 ansässigen Bauernfamilien zum Beitritt zu einer Produzentengruppe zu überzeugen, was nicht nur die Vermarktung der Kaffees erleichtert und somit das Einkommen der Bauern deutlich verbessert, sondern auch die Qualitätssicherung wesentlich erleichtert.

So ist es kaum verwunderlich, dass Anfilo Coffee zusammen mit mehr als hundert Erzeuger-Familien als erste Kaffeeunternehmung Afrikas im Jahre 2007 die ‘Birdfriendly’-Zertifizierung erreichen konnten. Dieses von einer internationalen Vogelkundlergesellschaft Smithsonian Migratory Bird Center vergebene Siegel honoriert neben ökologischen Anbau ganz besonders den Erhalt naturnaher Waldstrukturen. Was bedeutet, dass ein Großteil der ursprünglichen Artenzusammensetzung als Lebensraum für Vögel, Insekten und andere Tiere erhalten bleiben muss.

Außerdem engagiert sich Anfilo in Partnerschaft mit dem Environment and Coffee Forest Forum (ECFF) in der Entwicklung von Strategien zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz von Waldkaffee und anderen Nicht-Holz-Waldprodukten, für den Erhalt von Biodiversität, für Forschung und Umwelterziehung.

Kürzlich haben wir bei Hans in Ottawa verschiedene Anfilo-Muster verkostet. Das beste dieser Muster (die uns geschmacklich allesamt verblüfften!) haben wir uns herausgepickt. In wenigen Tagen treffen die ersten Säcke ein, so dass wir den Anfilo-Kaffee in ca. 2 – 3 Wochen in unseren Shop aufnehmen können. Schauen Sie bei Gelegenheit einfach mal im Shop vorbei!

Ein kleines Youtube-Video zu Waldkaffee und Anfilo gibt es hier:

Anfilo Waldkaffee-Clip

Anfilo Waldkaffee-Clip

2 Kommentare

  1. Veröffentlicht am 17.06.2010 um 16:54 | Permanenter Link

    Lieber Jörg, lieber Hans,
    der Kaffee hört sich toll an. Da möchte ich gerne direkt ein Päckchen vorreservieren, wenn das geht? Gerade sitze ich mit einer Tasse Äthiopien Djimmah vor dem Computer :-) Ich bin gespannt.
    Viele Grüße,
    Annika

  2. Mathias
    Veröffentlicht am 28.06.2010 um 18:38 | Permanenter Link

    Das Thema Nachhaltigkeit finde ich sehr wichtig und bin froh, dass du das so ernst nimmst. Mein Interesse für den Waldkaffee hast du auf jeden Fall geweckt :-)

    LG
    Mathias

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mittels * markiert.

*
*