Äthiopien: AMARO GAYO-Kaffee - eine ungewöhnliche Frau vor dem internationalen Durchbruch (1)

Asnakech Thomas eilt ein legendärer Ruf voraus: Sie ist die Amazone in der Männerdomäne des äthiopischen Kaffeegeschäfts! Oder von Null auf 95 Punkte für Ihren Amaro-Kaffee in nur drei Jahren! Dass Männer, zumal in Äthiopien, von diesem Erfolg nicht nur begeistert sind, kann man(n) sich auch hierzulande denken!
Als Coffee Hunter bin ich auf jeden Fall fasziniert und gehe der Geschichte auf den Grund, und zwar an ihrem Ursprung, in Äthiopien.

Meine erste Begegnung mit Asnakech Thomas

Asnakech ist pünktlich, zumindest für äthiopische Verhältnisse. Sie scheint etwas erschöpft, als sie, begleitet von ihrem Mann, einem Pickup-Jeep entsteigt und in die Abendsonne des staubigen Parkplatzes hinter dem Ras Amba Hotels in Addis Abeba tritt. Ihre Erschöpfung verwundert nicht, denn Kaffeegeschäfte in Äthiopien zu tätigen ist anstrengend dieser Tage, insbesondere - aber nicht nur - wenn man eine Frau ist.

Weiterhin viele Unklarheiten auf dem äthiopischen Kaffeemarkt

Denn immer noch sorgt die neue elektronische Warenbörse ECX für Unmut: Weiterhin sind sechs der wichtigsten Kaffeeexporteure des Landes ohne Lizenz, ihre Kaffees beschlagnahmt, weil die Unternehmen gegen Handelsgesetze verstoßen haben sollen. Böse Zungen behaupten, die Regierung habe den Kaffee schon verkauft, um Devisenengpässe zu überbrücken, oder um die Chinesen, die täglich mehrere Kilometer Straße in Stadt und Land asphaltieren, in Naturalien zu entlohnen. Der Wahrheitsgehalt solcher Gerüchte ist schwer zu überprüfen, sorgt aber dafür, dass das Geschäft fast zum Erliegen gekommen ist, was einen Spezialitätenkaffeeanbieter wie Maskal genau so betrifft wie Großeinkäufer, die nicht frühzeitig entsprechende Kontrakte gemacht haben.

Vom Vereinten Königreich zurück nach Äthiopien

Inzwischen sind wir auf der Dachterrasse des Hotels angekommen. Es dämmert, und ein kühler Wind pfeift durch die dichtungslosen Fenster. Wir sitzen kaum, da hat Asnakech ihre Akkus schon wieder aufgeladen und sprudelt los. Die Mutter von 5 Kindern zwischen 13 und 40 Jahren hat kaum Zeit und viel mitzuteilen. Dennoch fällt es leicht zu folgen; sie spricht gut strukturiert und fast akzentfreies Oxford-English. Wie lange sie im Vereinigten Königreich lebte, erwähnt sie nicht. Wichtiger ist ihr die Rückkehr in ihr Heimatdorf Kore, 585 Kilometer südlich von Addis Abeba, am Rand des Rift Valley gelegen. Das liegt nun knapp sechs Jahre zurück. Seither pendelt sie fast wöchentlich zwischen ihrem Dorf und der Hauptstadt, um hier die Kaffeeproduktion zu überwachen und sich dort um die Vermarktung zu kümmern.

Asnakechs Idee: Die wirtschaftliche Belebung ihrer Heimat Amaro

Als Asnakech das erste Mal wieder heimatlichen Boden betritt, ist sie für die Bevölkerung Schwester und Fremde zugleich. Sie spricht ihre Sprache und sieht aus wie eine von ihnen, kommt aber mit westlichen Ideen und v.a. einer Vision: Die Region Amaro wirtschaftlich zu beleben. Zu jener Zeit, wie auch heute, sind Investitionen willkommen. Fruchtbares Land gibt es so weit das Auge reicht, und vor allem, es gehört dem Staat, der es quasi nach Belieben zuteilen kann. Die Distriktverwaltung überlässt ihr 3000 Hektar: “Machen Sie was draus”, geben sie ihr mit auf den Weg.

Der erste Kaffee

Das ist leichter gesagt als getan. Zunächst muss man sich mit den lokalen Bauern, die hier ursprünglich Nießbrauchsrechte besaßen, auf eine Entschädigung einigen, dann benötigt sie Kredite für Infrastruktur. Beides gelingt. Von der riesigen Fläche werden zunächst nur 100 Hektar für Mischkulturen von Kaffee und Gewürzen unter Schattenbäumen genutzt. Drei Jahre später gelingt die erste Ernte. Um sie verarbeiten zu können, muss weitere Infrastruktur her - also wieder ein Kredit, diesmal für eine Kaffee-Verarbeitungseinheit von Pinhalense, Brasilien. Wenig später, noch vor der Ernte, wackeln die neuen Geräte auf dem firmeneigenen Truck über die einzige Allwetterstraße ihrem Bestimmungsort entgegen. Rechtzeitig vor der Regenzeit, denn zwischen August und Dezember wird der Fluss Galana ohne Brücke ein unüberwindliches Hindernis zwischen Amaro und der Region Sidamo. Ein Mobiltelefon mit einer Handvoll Pre-Paid Telefonkarten stellen dann für Asnakech die einzige Verbindung zur Außenwelt dar.

Von 0 uf 95 Punkte und Höchstpreise für den Kaffee aus Amaro

Die Ernte 2006 erbringt 250 Säcke, von denen fast 80 Prozent auf dem lokalen Markt verkauft werden. Nun wird die amerikanische USAID auf die umtriebige Jung-Unternehmerin aufmerksam und bietet ihre Unterstützung an. Man lädt sie ein, mit 25 Sack gewaschenen Kaffees in Addis an einem Wettbewerb mit anschließender elektronischer Auktion teilzunehmen. Sie sagt zu. Eine Gruppe von 24 nationalen und internationalen Experten testen Dutzende Kaffees in der Blindverkostung. Dann wird der Sieger vorgelesen: Asnakech Thomas aus Amaro, mit 95 von 100 Punkten! Die 25 Sack und noch weitere 44 Säcke sonnengetrockneten Kaffees wandern zu Höchstpreisen ins Ausland. Der Start ist gemacht!

Wie es weiter geht, und ob Amaro den Sprung nach Deutschland schafft, das lesen Sie demnächst in der Fortsetzung dieses Berichts.

4 Kommentare

  1. Michaela (Arven)
    Veröffentlicht am 14.06.2009 um 16:18 | Permanenter Link

    Sehr interessant..Es ist eine Freude hier zu stöbern.
    Herzlichst, Michaela

  2. Misgana Wolde-Kretz
    Veröffentlicht am 12.07.2009 um 12:48 | Permanenter Link

    Ich bin stolz auf Asnakech, und bin ganz sicher das sie d. Durchbruch nach Deutschland zu exportiern bald schaffen wurde.

  3. Veröffentlicht am 13.07.2009 um 10:36 | Permanenter Link

    Hallo Misgana,

    danke für den Kommentar. Ja, wir hoffen Amaro Gayo bald in Deutschland anbieten zu können.

    Gruß

    Jörg

  4. Manfred
    Veröffentlicht am 22.07.2009 um 10:00 | Permanenter Link

    Von heute auf morgen wird es wohl nicht gehen. Es dauert schon seine Zeit um so etwas aufzubauen. Bleibt nur für Asnakech zu hoffen dass Sie nicht auch Opfer der Staatswillkür wird und ihr Kaffee beschlagnamt wird.

2 Trackbacks

  1. [...] auf! Die Prämierung von Asnakech Thomas’ erstem Kaffee durch eine internationale Jury (siehe erster Teil) bringt eine Reihe neuer Herausforderungen. Zunächst muss die Erntemenge gesteigert werden, um die [...]

  2. Von Kaffee-Gewinnspiel | Kaffee-Satz! am 05.10.2009 um 04:24

    [...] 1: Amaro, Südäthiopien. Asnaketch Thomas nimmt mich in ihrem Geländewagen mit in eine unwegsame [...]

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