Von der Vision eines nachhaltigen Kaffee-Anbaus in Brasilien, oder: Die Abenteuer eines Kaffee-Botschafters (Teil 2)

Im ersten Teil dieser Serie haben wir es bereits erwähnt: Eine andere Bezeichnung für unseren “Kaffee-Botschafter”, den Reisstärling, ist Bobolink. Bob-o-Link könnte auch stehen für eine besondere Beziehung – den Link – zwischen Nordamerika, Europa und Brasilien. Denn zu den erstaunlichen Eigenschaften des Reisstärlings oder Bob-o-Links gehört es, dass er große Strecken von bis zu 20.000 km zurücklegen kann – bis nach Südamerika, oder – in seltenen Fällen – auch bis nach Westeuropa. So erklärt sich dann auch, wie Bob-o-Link Coffee zu seinem Namen kam. Marcos Croce von der Fazenda Ambiental Fortaleza erzählt:

Im Jahre 1991 verschlug es unsere Familie von Sao Paolo, Brasilien nach Chicago. Unser neues Zuhause lag in der Bobolink Road, Highland Park, Illinois. Acht Jahr später luden uns unsere lieben Freunde Harry Ducker und Bruce Boyd ein, Mitglied eines Naturschutzbundes in Illinois zu werden.
Wir erhielten als Willkommensgeschenk eine Kaffeetasse, auf der ein Vogel abgebildet war – ein Bobolink. „Welch Zufall!“, dachten wir und fragten, „warum gerade ein Bobolink?“

“Wir möchten, dass die Leute über ihren Tellerrand hinaus schauen. Die Bobolinks fliegen jedes Jahr vom Mittleren Westen Nordamerikas in den Südosten von Südamerika. Wenn wir mit den riesigen Soja- und Maismonokulturen hier und mit Zuckerrohrplantagen dort unten so weiter machen, wird es bald keine Bobolinks mehr geben!“, war die Antwort.

Dies geschah in der Zeit als meine Frau Silvia von ihren Eltern die Fazenda Fortaleza erbte, eine historische Kaffee-Farm im Distrikt Mococa. Wir entschlossen uns, diese Farm zu einem gastlichen Ort zu machen – für all die Bobolinks dieser Welt.

Zunächst änderten wir den Namen in Fazenda Ambiental Fortaleza (FAF) (“Umweltfestung”) und verbannten von sofort an jegliche Umweltgifte. Wir begannen Quellen wieder sprudeln zu lassen, schufen grüne Korridore für Wildtiere und bemühten uns, dieses Denken auch bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiten im Bewusstsein zu verankern. Dann pflanzten wir Obstbäume und Stauden wie zum Beispiel Mangos, Avocados und Bananen zwischen die Kaffeesträucher unserer Plantagen und Kaffeesetzlingen in den Schatten unserer Sekundärwälder. Unsere Leute ermunterten wir, weiter ihre Bildung zu verbessern und förderten soziale Integration, persönliche Entwicklung sowie eine gesunde, natürliche Lebensweise.

Trotz positiver Fortschritte merkten wir aber schnell, dass dies alles nicht ausreichte um die Farm wirklich zu verändern. Unser Quellwasser fließt von unserer Farm zu unseren Nachbarn und auch Tiere und Menschen bewegen sich ständig über die Farmgrenzen – unsere Mission musste ausgeweitet. Wir wollten unsere Nachbarn davon überzeugen, zusammen mit uns eine größere Bobolink-freundliche Landschaft zu gestalten.

Bobolink Coffee ist also das Ergebnis eines ganzen Netzwerks von Bauern in einer der höchst gelegenen Kaffeeregionen Brasiliens, mit der gemeinsamen Vision, mit nachhaltigen Methoden und in Harmonie mit der Natur die besten und einzigartigsten Kaffees zu erzeugen und dabei unseren Fußabdruck auf der Erde so klein wir möglich zu halten.
Die Bobolink Kaffees werden in den Mogiana Bergen an der Grenze der Bundesstaaten Sao Paulo und Minas Gerais und in Höhenlagen zwischen 900 und 1400 Metern angebaut. Wir verwenden ausschließlich Arabica-Varietäten, wie roter und gelber Bourbon, Mundo Novo and Catuai. Unsere Kaffees werden in Familienbetrieben meist auf Bergkuppen angebaut – die perfekte Umgebung für die besten Kaffees. Die Kirschen werden nur im vollreifen Stadium von Hand selektiert und anschließend sorgfältig sonnengetrocknet.

Da diese Betriebe auf der Bergspitze liegen, verfügen viele Farmen über mehr als seine Quelle. Früher bekam aber nur der oberste Nutzer sauberes Wasser, denn durch unsachgemäße Abfallentsorgung, aber auch von Agrochemikalien wurde das Wasser flussabwärts zunehmend verschmutzt. Auch waren die Berge vormals bis zur Spitze mit tropischen Bäumen bewachsen. Heute sind sie weitgehend entwaldet, so dass in der Folge auch viele Quellen versiegten.

Die Bobolink-Kaffeebauern sind heute Teil des FAF-Netzwerkes, das gemeinsam den Schutz von Quellen und die Schaffung von Pufferstreifen entlang der Bäche vorantreibt, den Einsatz toxischer Substanzen vermeidet und verstärkt Schattenkulturen pflanzt, um Natur und Landschaft zu einem lebenswerten Platz für Menschen und die Bobolinks zu machen.

Unser Bob-o-Link Coffee versinnbildlicht diese Mission für ein Leben im Einklang mit der Natur.

Für ihr Engagement im Umweltschutz erhielt die Fazenda Ambiental Fortaleza im Jahre 2008 die Auszeichnung Sustainability Award Honorable Mention der Specialty Coffee Association of America (SCAA).

Diesen Bob-o-Link Coffee wollten wir haben! Nicht nur, weil wir nach Kaffees mit solchen Geschichten suchen, sondern auch wegen seiner vielversprechenden Qualität. Nun aber fangen die Probleme erst an! Wie bekommt man 630 Kilo Rohkaffee aus der brasilianischen Provinz nach Deutschland? Mehr dazu in der nächsten Folge.

Hier geht’s zu Folge 1.
Fotos: (c) www.fafbrazil.com

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mittels * markiert.

*
*