Coffee-Hunting – Kaffee-Spezialitäten auf der Spur: Sri Lanka (1)

Sicher haben Sie schon mal Ceylon-Tee getrunken?! Ein herrlich vollmundiger Tee von kräftig orangener Farbe. Lebten wir 150 Jahre früher, müssten wir wohl auf diesen Genuss verzichten – Tee aus Ceylon gab es zu diesem Zeitpunkt nämlich noch nicht. Stattdessen hätten wir vermutlich den weltberühmten Ceylon-Kaffee in der Tasse geschwenkt, der zu dieser Zeit in einer Größenordnung von 30.000 Tonnen jährlich in aller Herren Länder exportiert wurde.

Waldgarten-Kaffee in Sri Lanka, courtesy of Hansa Specialty Coffee

Waldgarten-Kaffee in Sri Lanka, courtesy of Hansa Specialty Coffee

Es ist jetzt ziemlich genau 20 Jahre her, dass sich Martina (meine Frau), ich und vier riesige Rucksäcke auf die Rollbahn des Flughafens Katunayake nahe Colombo in Sri Lanka fallen ließen. Colombo kannte ich bis zu diesem Zeitpunkt nur als Detective einer amerikanischen Krimiserie….

Meine Tätigkeit in Sri Lanka

Es war das erste Mal, dass wir beide als Anfang Zwanziger die Welt außerhalb Europas erkundeten. Jedoch nicht als Rucksacktouristen. Ich war damals Student der Geographie, und mein Tutor hatte mich für Praktikum und Diplomarbeit bei der GTZ, der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, im Upper Mahaweli Watershed Management Projekt eingeschleust. Der Mahaweli, dessen Name so viel wie, großer Sandfluss’ bedeutet, ist der größte Fluss Sri Lankas und entspringt im zentralen Bergland der Insel, die auch die Träne Indiens genannt wird – ein Beiname, den sie angesichts der durch jahrzehntelangen Bürgerkrieg und Tsunami angerichteten Verwüstungen leider mit einer gewissen Berechtigung trägt.

Meine Aufgabe damals war, die Auswirkungen der Landnutzungsänderungen im Bergland auf den Wasserhaushalt der Insel zu untersuchen, die seit den späten 80ern des 19. Jahrhundert zunehmend vom satten grün der Teeplantagen geprägt sind.

Nuwara Eliya

Mein Arbeitsort sollte für einige Monate das Städtchen Nuwara Eliya sein. Auf etwa 1.800 Metern Höhe gelegen, frei von Malaria, entwickelte sich der Ort aufgrund seines gemäßigten Klimas rasch nicht nur zu einem Zentrum des Teeanbaus, sondern auch zu einem beliebten Wohn- und Erholungsort der Briten. Auch heute noch ist die Stadt am Fuße des 2.500 Meter hohen Pidurutalagala (versuchen Sie das mal fehlerfrei auszusprechen) geprägt vom morbiden Charme viktorianischer Villen und Hotels. Im Postamt, einem Backsteinbau, ebenfalls viktorianisch, geht es geruhsam zu. Da leckt der fröhlich vor sich hin summende Schalterbeamte die bunten Marken auch schon mal persönlich an. Und im Hill-Club, einem der altehrwürdigen First-Class-Hotels, das sich mit einem schönsten Golfplätze Asiens umgibt, kann man noch, in den originalen Clubsesseln versunken und Tee mit Milch schlürfend, die Jagdtrophäen tropenbehelmter Kolonialherren oder die Galerie der Siegerpferde des berühmten Nuwara Eliya Race Course bestaunen.

Die artenreiche Fauna hatte schon zu Beginn des 20. Jahrhundert John Hagenbeck auf die Insel gelockt, von wo er auf ausgedehnten Expeditionen den gleichnamigen Hamburger Tierpark und Zirkus (damals noch mit Völkerschau!) mit Elefanten, Leoparden, Pythons, Krokodilen, Pfauen und anderen exotischen Raritäten belieferte.

Kaffeeanbau in Sri Lanka

Kaffee bezog das Hamburger Publikum zu dieser Zeit vermutlich schon aus anderen Quellen – Kaffeerost hatte dem ceylonesischen Bestand von mehr als 65.000 Hektar den Garaus gemacht.

Dabei wurde die Pflanze vermutlich schon um das Jahr 1505 die Insel im Indischen Ozean von arabischen Kaufleuten auf die Insel gebracht. Allerdings waren sich die einheimischen Singhalesen nicht des eigentlichen Nutzens der Pflanze bewusst und verwendeten lediglich deren Blätter zur Herstellung ihrer Currymischungen.

So blieb es holländischen Kaufleuten vorbehalten, im Jahre 1658 die ersten Versuche einer kommerziellen Kaffeenutzung zu starten. Auch die hierfür verwendeten Pflanzen stammten vermutlich von jenen wenigen Exemplaren ab, die der Holländer Pieter Van den Broeke 1616 verbotenerweise aus dem heutigen Jemen in den Amsterdamer Botanischen Garten schmuggelte, um sie dort zu vermehren. Bald jedoch wurden die Pflanzungen in Ceylon aufgegeben, da sich die Holländer auf Plantagen auf Java konzentrieren wollten und durch bewusst kontrollierte Produktionsmengen die Marktpreise zu stabilisieren suchten.

Mit der Eroberung des Inselinneren durch die Briten erschlossen sich für den Kaffeeanbau neue Möglichkeiten. Sir Edward Barnes etablierte um 1825 nahe der Königsstadt Kandy eine erste Plantage. Unter den ersten Kaffeepionieren waren auch Pflanzer aus den Blue Mountains Jamaikas, wo Kaffee durch die Briten schon 1730 eingeführt wurde.

Pilzbefall: Das Ende des Kaffeeanbaus

Das zentrale Bergland mit seinen regenreichen Hanglagen und Hochplateaus erwies sich als ideal für den Kaffeeanbau. Rasch wurden in dieser zunächst weitgehend unbesiedelten Region große Waldflächen zugunsten schattenlosen Kaffeemonokulturen gerodet, eine Strategie, die den Pflanzern schnell zum Verhängnis wurde, in Form einer Pilzkrankheit – der Kaffeebleiche, aber auch in Form von Bodenerosion und eines bis heute beeinträchtigten Wasserkreislaufs. Der Mahaweli trägt nicht umsonst seinen Namen.

Der weitere Verlauf ist bekannt. Teesträucher nahmen rasch den Platz der Kaffeebüsche ein. Heute ist Sri Lanka einer der führenden Teeproduzenten der Welt.

Der Neubeginn: Nachhaltig angebauter Kaffee

Seit dem Zusammenbruch des Kaffeeanbaus auf Sri Lanka sind nun mehr als 130 Jahre vergangen. Die Pflanze war seither jedoch nie ganz von der Insel verschwunden, sondern war weiterhin Bestandteil vieler Hausgärten.

Ironischerweise waren es wieder Holländer, die vor 13 Jahren an den ersten Kapiteln der Fortsetzung einer einst unterbrochenen Erfolgsgeschichte zu schreiben begannen.

Und wieder ist Kaffee Bestandteil eines Landschaftswandels. Diesmal jedoch nicht eines auf kurzfristigen Profit, sondern auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Konzepts der Rekultivierung. Davon mehr in den nächsten Folgen. Darin natürlich auch erste Verkostungsergebnisse.

Ein Trackback

  1. [...] Zutaten aus Sri Lanka stammen. Und tatsächlich wird dort – wenn Kaffee getrunken wird – auch Gewürzkaffee genossen. (Anm. [...]

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mittels * markiert.

*
*