Steigen die Kaffeepreise mit der globalen Erwärmung?

Das hat uns gerade noch gefehlt: Die Abschaffung der Kaffeesteuer ist (nicht nur) politisch nicht gewollt – nein, nun steigen auch noch die Kaffeepreise, wie DIE ZEIT in der Ausgabe vom 24. September berichtet. Als Gründe hierfür werden die starke Zunahme des Konsums in Schwellenländern (Brasilien, China), leere Lager und Ernteausfälle genannt. An steigende Kaffeepreise werden wir uns wohl in Zukunft gewöhnen müssen, denn:

Ernteausfälle sind auch das Ergebnis von Klimaveränderungen
Kaffeebauern sind krisengeschüttelt. Allein in Mittelamerika, wo derzeit mehr als 4 Millionen Menschen direkt vom Kaffeeanbau leben, gingen die Beschäftigungszahlen während der letzten Kaffeekrise zwischen 1999-2003 um 41 % zurück. Die Folge waren soziale Unruhen, Mangelernährung, Hunger und Abwanderung und auch illegale Einwanderung in die USA.

Krisenverschärfend wirkten auch die Zunahme außergewöhnlicher Wetterphänomene wie Trockenheiten und tropischer Stürme, die mit dem globalen Klimawandel in Verbindung gebracht werden. Da die Kaffeepflanze sehr empfindlich gegenüber Trockenheit, Nässe, Temperaturextremen und Wind ist, rechnen Experten in Zukunft sowohl mit drastischen Veränderungen und Verlagerungen der Kaffeeanbauregionen als auch mit starken Ernteschwankungen durch Zunahme von Wetteranomalien. Eine Prognose für Uganda zeigt, dass bei einem Temperaturanstieg von 2 Grad Celsius praktisch der gesamte Robusta-Anbau kollabiert.

Mögliche Veränderung des Kaffeeanbaus durch den Klimawandel

Mögliche Veränderung des Kaffeeanbaus in Uganda durch den Klimawandel

Ähnliches sagen Studien des Umweltministeriums in Nicaragua voraus, wo man im Laufe dieses Jahrhunderts mit 1-2 Grad Temperaturanstieg und 30 % weniger Niederschlag rechnet.

Kaffee wird dadurch für die Erzeuger zu einer weniger verlässlichen Einkommensquelle. Die trockenen El Niño-Jahre 2006-07 führten bei Nicaraguas Kaffeebauern zu Einkommensverlusten von bis zu 75 %, insgesamt 100 Millionen USD. An der Pazifikküste Guatemalas führte tropische Wirbelstürme im Jahre 2005 zu 20 % Ernteverlusten im Kaffee, die sich auf über 4 Millionen Dollar summierten.

Klimastudien aus Mexico sagen bei Fortsetzung der Klimatrends bis 2020 einen Rückgang der Produktionsflächen von 34 % voraus. Für den brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo allein rechnen Wissenschaftler pro Grad Temperaturanstieg mit Ernterückgängen von 80.000 Tonnen und Einkommensausfällen von 100 Millionen Dollar.
Im globalen Handel wird Kaffee dadurch vermutlich noch mehr zum Spekulationsobjekt als heute schon und für den Verbraucher dadurch zu einem zunehmend teuren Spaß!

Anpassungsstrategien sind gefragt
Trotz ernster Lage ist Panikmache dennoch nicht angesagt, wenn Erzeuger und Handel gemeinsame Krisenstrategien entwickeln: Angepasste Anbaumethoden kombiniert mt ökologischer Erzeugung in Agroforstsystemen, also in beschatteten Kulturen, können zum einen die Anfälligkeit des gegenüber Wetterextremen verringern und somit die Überlebensraten der Kaffeepflanzen deutlich erhöhen, zum anderen bieten sie alternative Einkommensquellen und dienen der Selbstversorgung. Gleichzeitig ruft diese Anpassungsstrategie nach verlässlichen Handelspartnern, die weniger auf Quantität und niedrige Preise, als vielmehr mehr auf persönliches Engagement, Qualität und Nachhaltigkeit setzen – ein Fall für Coffee Hunting und seine Partner.

Quellen:
Haggar J.: Impact of Climate Change on coffee farming households in Central America and steps for adaptation in the future
Tucker C.M. et al. (im Druck): Perceptions of risk and adaptation: Coffee producers, market shocks, and extreme weather in Central America and Mexico. Global Environ. Change (2009) (Dank an Co-Autor Edwin Castellanos)

Ein Trackback

  1. [...] Klimaschutzprogrammen. Zumal Kaffeebauern schon in naher Zukunft deutlich unter den Folgen des Klimawandels leiden werden. Es gibt inzwischen viele Möglichkeiten, die umgesetzt werden könnten – und [...]