Lalitpur – Abenteuer ‚Kaffee kaufen’ in Nepal

Kaffee-Jäger haben es bisweilen nicht leicht! Nicht nur, dass wir als Fährtensucher und Pioniere – ständig in Gefahr vor wilden Tieren – auf der Suche sind nach interessanten Kaffees und keine Mühen scheuen, eine Reihe von Mustern zu beschaffen und zu verkosten, um genau die Lage und Qualität auszuwählen, die wir und unsere Kunden am meisten schätzen. Nein, diese risikoreichen Vorarbeiten werden natürlich gerne, offen oder versteckt, auch von Mitbewerbern genutzt. Aber wenn dann Unternehmen wie gepa oder Gourmondo plötzlich auch Kaffee aus Lalitpur, Nepal im Sortiment führen, haben wir in der Regel kein Problem damit, sondern freuen uns für die Kaffeebauern.

Unterscheidet sich ‚unser’ Kaffee von dem der Mitbewerber?

Kaffee-Ernte in Lalitpur (c) Lalitpur Coffee Union

Kaffee-Ernte in Lalitpur (c) Lalitpur Coffee Union


Definitiv ja! Am Beispiel des Lalitpur Jaibik sei dies erläutert: Aus fortlaufendem Kontakt und frühmorgendlichen Telefonaten mit dem Kooperativenverband wissen wir, dass Lalitpur-Kaffee von mehr als 30 dörflichen Klein-Kooperativen eines Distriktes produziert wird. Die Anbaulagen erstrecken sich über unterschiedliche Höhenlagen von 900 bis 1500 m. Bisher wurden dieser Kaffee gemischt oder zumindest nicht als Einzellagen vermarktet. Auf unsere Anregung hin hat man nun begonnen, auch die Ernten einzelner Kooperativen auch Wunsch getrennt anzubieten, was, wie beim Wein auch, Sinn macht, denn Kaffee bildet auch kleinräumig, entsprechend des spezifischen Zusammenspiels von Klima, Boden und Exposition – des Terroirs also – unterschiedliche Geschmacks- und Aromaprofile aus.

Ländliche Idylle in Lalitpur (c) Lalitpur Coffee Union

Ländliche Idylle in Lalitpur (c) Lalitpur Coffee Union


Um wieder den Vergleich mit Wein zu bemühen: Während Mitbewerber ein Kaiserstuhl-Cuvée der badischen Winzergenossenschaft anbieten (und die Herkunft mit ‘Niederlande’ angeben), können wir mit einem Jahrgangswein einer ausgewählten Südostlage in Ihringen aufwarten – in diesem Fall einem Kaffee einer einzigen Kleinkooperative von 32 Familienbetrieben, nämlich der von Jaibik. Ja, wir kennen sogar die ethnische Zusammensetzung der Kooperativenmitglieder.

Allein der Prozess der Kaffee-Auswahl hat etwa zwei Monate gedauert, denn die Kommunikation mit den Kaffeeproduzenten ist nicht einfach. Da ist zum einen die Zeitverschiebung, zum anderen die oft nicht vorhandenen oder funktionnierenden Kommunikationsmittel. Und ein Vorsitzender des Kooperativenverbands, Bal Bahadur, zuständig für die Vermarktung, im Hauptberuf Lehrer, der seiner ehrenamtlichen Verbandstätigkeit meist nur abends nachkommen kann – wenn er nicht gerade durch unwegsames Terrain unterwegs ist zu seinen Kooperativenmitgliedern.

Und so gestaltete es sich auch ein hierzulande banaler Banküberweisungsvorgang vergleichsweise schwierig. Allein die Übermittlung der für die Überweisung notwendigen Kontodaten benötigte vier Wochen und gipfelte in dem Problem, dass für eine deutsche Online-Überweisung die genaue Adresse der Empfängerbank und des Empfängers benötigt wird. Wieso Problem? Weil in Nepal üblicherweise weder Straßennamen und Hausnummern existieren und die Bank auch über kein Postfach verfügt. Doch nach zwei Telefonaten mit einer sehr zuvorkommenden Mitarbeiterin hatte die Bank sich kurzerhand einen Straßennamen und eine Hausnummer ‚zugelegt’….

So können wir hoffentlich in wenigen Tagen endlich den Kaffee des Jahrgangs 2011 der Jaibik Kooperative in Empfang nehmen. Der Kaffee wird als Röstkaffee im Shop von Maskal und als Rohkaffee für (Heim-)Röster in begrenzten Mengen bei Coffee Hunting erhältlich sein.