Tanna-Vanuatu: Neues vom Kaffee-Vulkan

Wenn die Insel eine Eisenbahn hätte, würde ich mir so Lummerland vorstellen: Eine Insel und zwei Berge und das schöne blaue Meer… . Tanna ist ähnlich, same, same but different, wie es in Pidgin-English heißen würde. Den schrecklich-traurigen Drachen Frau Mahlzahn gibt es auf Tanna nicht, dafür gibt es auf Lummerland keinen Kaffee. Aber soo genau weiß ich das nicht mehr, denn es ist schon ein paar Jahre her, dass ich meinen Töchtern das Buch vorgelesen habe.

Von entlegeneren Inselteilen muss der Kaffee mit Pferden zu den Sammelstellen gebracht werden

Von entlegeneren Inselteilen muss der Kaffee mit Pferden zu den Sammelstellen gebracht werden

Unser Mann vor Ort, der Kaffeeexperte Terry Adlington, ist jedenfalls gerade von Tanna auf seine benachbarte Heimatinsel zurückgekehrt und berichtet, dass die Kaffeeernte auf vollen Touren läuft und Rekorderträge verspricht.

Ein neues Sammel- und Verarbeitungssystem

Was daran liegt, dass in der so genannten Middle Bush Region der Insel, auf die sich der Kaffeeanbau konzentriert, ein neues Sammel- und Verarbeitungssystem eingeführt wurde, durch das nicht nur die Produktivität, sondern auch die Qualität des Pergament-Kaffee nochmals verbessert werden konnte.

Kaffeeanbau in Mischkultur

In den vergangenen Monaten haben die Bauern etwa 35 ha vormals aufgegebener Kaffeebestände mit

Ehemalige, nun überwucherte Kaffeepflanzungen werden wieder freigelegt

Ehemalige, nun überwucherte Kaffeepflanzungen werden wieder freigelegt

Terry zeigt den Kaffeebauern, wie eine Parzelle drei Jahre nach der Bepflanzung aussieht

Terry zeigt den Kaffeebauern, wie eine Parzelle drei Jahre nach der Bepflanzung aussieht

100.000 neuen Setzlingen bestückt. Dies geschieht auf ‚individuellen’ Plots von 1/4 ha im Mischsystem mit anderen Pflanzen, was den Bauern ermöglicht, nicht nur ihre traditionellen Wurzelfrüchte und Gemüsesorten, sondern auch gründüngende Schattenbäume und andere Nutzpflanzen wie Sandelholz und Kava anzubauen. Gleichzeitig ist damit sicher gestellt, dass die Bauern sich um ‚ihr’ Land kümmern, da die einjährigen Pflanzen unmittelbar nutzbar sind, während die Kaffeepflanzen erst nach 3 Jahren, Kava nach 5-6 Jahren und Sandelholz erst nach 12-15 Jahren beerntet werden können.

Kaffee, eine wichtige Einnahmequelle

Gegenwärtig sind etwa 550 Bauern aus Tanna als Mitglied des Vanuatu Kaffee-Verbandes registriert und jährlich kommen etwa 100 neu dazu. Da jeder Bauer nur etwa 300 Bäume besitzt, ist das daraus generierte Einkommen natürlich nicht wirklich hoch. Dennoch stellt es eine der wenigen Einkommensmöglichkeiten auf der Insel dar, da die Menschen auch heute noch weitgehend vom Tauschhandel leben. Bargeld wird aber beispielsweise für Brennstoffe, Verkehrsmittel, Strom, Kleidung, Reis und Medikamente benötigt, Dinge also, die sich mitunter schlecht tauschen lassen. Oder auch für Schulgebühren, denn die Regierung stellt zwar Schulgebäude und Grundausstattung, für die Bezahlung der Lehrer müssen aber die Familien aufkommen. So muss für jedes Kind pro Schulhalbjahr 300 Dollar berappt werden.

Bescheidenheit macht glücklich

Gegenüber der vergleichsweise bescheidenen Bildungssituation ist die medizinische Versorgung recht fortschrittlich: Außerhalb der Inselhauptstadt Lenakel, das ein gut ausgestattetes Krankenhaus mit internationaler Besetzung besitzt, gibt es über die Insel verteilt 4-5 Apotheken. Mehr brauchen die Menschen wohl nicht, warum auch, wenn man glücklich in paradiesischen Zuständen lebt. Frei nach dem Motto: Simplify your life!

Alle Artikel über den Tanna-Kaffee aus Vanuatu finden Sie hier.

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