Bob-o-Link: Wie wir den Kaffee in Brasilien neu zusammengestellt haben

In den beiden vorausgegangenen Beiträgen, in welchen ich den Besuch bei der brasilianischen Barista und Rösterin Isabela Raposeiras sowie der Bob-o-Link-Farmen geschildert habe, beschreibe ich heute das eigentliche Hauptziel meiner letztjährigen Reise nach Brasilien: Die neue Zusammensetzung unseres Bob-o-Link-Kaffees. Wir hatten diesen Kaffee erstmals Anfang 2010 gekauft, waren aber, obwohl der Kaffee schon ganz deutlich sein Potential andeutete, noch nicht ganz mit seinen “Allroundfähigkeiten” und dem Flavour zufrieden. Deshalb flog ich, begleitet von einigen Freunden, gegen Ende der letztjährigen Ernte nach Brasilien, wo wir auf der Fazenda Ambiental Fortaleza 4 Tage lange für jeweils mehrere Stunden Kaffees aus zahlreichen Lots der zum Bob-o-Link beitragenden Farmen verkosteten.

IBob-O-Link-Farmer beim Verkosten Ihrer neuen Kaffees

Bob-O-Link-Farmer beim Verkosten der neuen Ernte

Zur Erläuterung: Beim Bob-o-Link handelt es sich nicht um einen Single Origin einer Kleinregion oder um ein spezielles Lot einer Farm/Plantage, es handelt sich um einen Blend von Kaffees benachbarter Fazendas, die ausgewählte, nachhaltig angebaute Lots zum Bob-o-Link beisteuern. Hinter diesem Blend stehen die von Marcos Croce und seiner Fazenda Ambiental Fortaleza (FAF) ausgehenden Ideen, die Kaffees kleiner, privater Fazendas zu besseren Preisen gemeinsam zu vermarkten – sei es als Gemeinschaftsprodukt wie den Bob-o-Link oder in Form spezieller, qualitativ hochwertiger Lots – und gleichzeitig den nachhaltigen Anbau in Brasilien populärer zu machen. Nach allem was ich auf den Farmen gesehen und erlebt habe muss ich sagen: Die Ideen tragen Früchte …!

Zurück: Für die zentrale Auswahl, Bewertung und ggf. Blenden der zu vermarktenden Kaffees ist Felipe, der Sohn von Marcos Croce zuständig. Auf der Fazenda seines Vaters hat er sich ein kleines Verkostungslabor eingerichtet. Dort erfolgt auch das für die Bewertung und Auswahl der Kaffees ausschlaggebende Cupping, d.h. das Verkosten der Kaffees.

Der Buono Wasserkessel vom japanischen Hersteller Hario

Auch auf der Fazienda Ambiental Fortaleza in Brasilien zu finden: Der Buono Wasserkessel des japanischen Herstellers Hario

Felipe Croce beim Verkosten auf der Fazenda Ambiental Fortaleza

Felipe Croce beim Verkosten auf der Fazenda Ambiental Fortaleza

Als wir die FAF besuchten lagen bereits zahlreiche Muster aller, nennen wir sie einfach “Bob-o-Link-Farmen” vor. Zur Seite stand Felipe bei der Vorbereitung und Durchführung der Verkostungen der junge Röster Axel Kunzelman. Er war damals von seinem Arbeitergeber, der “Columbia Street Roastery” aus den USA, auf eine Einladung von Marcos Croces hin` auf die FAF geschickt worden. Axel, vielen Dank an dieser Stelle für Deine super Unterstützung!

Axel Kunzelmann von der "Columbia Street Roastery" und Felipe Croce beim Musterrösten auf der Fazenda Ambiental Fortaleza

Axel Kunzelman von der "Columbia Street Roastery" und Felipe Croce beim Musterrösten auf der Fazenda Ambiental Fortaleza

In klassischer Manier auf Basis der SCAA-Kriterien (Specialty Association of America) verkosteten wir, d.h. Rainer und Barbara Braun, Michael Sopper, Felipe, Axel, einige zwischendurch immer wieder eintreffende “Bob-o-Link-Farmer” und ich insgesamt 50 verschiedene Lots von 10 verschiedenen Fazendas. Es war schon spannend zu sehen, wie unterschiedlich die einzelnen Lots waren: von geschmacklich aussagelos bis hin zu brillanter, fruchtiger Säure, von fad bis kräftig würzig, von “körperlichen Schwächlingen” bis hin zu reinen “Bodybuildern”.

Manche Kaffee gaben Rätsel auf ...

Manche Kaffee gaben Rätsel auf ...

Zu allen Kaffees machte ich mir reichlich Notizen, denn ich hatte eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie der neue Bob-o-Link-Blend sein sollte: fruchtig, floral, mittlerer Körper, mittlere Würze, insgesamt “charakterstark”. Aus allen präsentierten Kaffee wählte ich zehn aus, notierte sie und überreichte Felipe das Blatt. Die Aufgabe an Felipe: Eine Mischung aus 4 – 6 dieser Kaffees zu erstellen, die einen Durchschnittswert der einzelnen Charaktereigenschaften aller Kaffees ergibt. Der Kaffee sollte weder in Säure, Körper, Würze etc. zu dominant sein, um ihn als “Allrounder” einsetzen zu können, sollte aber einen hohen Wiedererkennungswert haben.

Nach unserer Abreise begann Felipe mit dem Mischen. Das Ergebnis: Genau das, was ich haben wollte. Auf den Punkt genau getroffen! Prima Arbeit Felipe!

Der neue Bob-o-Link setzt sich zusammen aus folgenden Varietäten:

- Yellow Catuai, 42%

- Mundo Novo, 45%

- Bourbon, 10%

- Obata 3%

Die Kaffees stammen von folgenden Produzenten/Farmen:

- Fernando Cesar Carvalho/”Sitio Bela Vista”, Höhe: 1100-1250 m, Divinolandia, Sao Paulo

- Jose F. Rodrigues/”Sitio Fortaleza”, Höhe: 1100-1200 m, Divinolandia, Sao Paulo

- Renato Ribeiro/”Fazenda Campestre”, Höhe: 1100-1200 m, Mozambinho, Minas Gerais

- Flavio Sales Machado/”Fazenda Morro Azul”, Höhe: 1000-1100 m, Mococa, Sao Paulo

- Cledison Bacetti/”Sitio Cachoeirinha”, Höhe 1060-1200 m, Caconde, Sao Paulo

- Alcindo Prado/”Fazenda Ambiental Fortaleza”, Höhe: 900-1000 m, Mococa, Sao Paulo

Rainer Braun)

Rechts: Cledison Bacetti (Mitte: Michael Sopper, links: Rainer Braun)

180 Säcke dieses herrlichen Kaffees liegen inzwischen in Hamburg – bei unserem neuen Partner im “Coffee-hunting”. Wer das ist, wie der Kaffee dorthin kam und wie der neue Blend geröstet wird, darüber mehr in meinem nächsten, abschließenden Bericht über eine äußerst spannende Reise nach Brasilien.

Ein Kommentar

  1. Veröffentlicht am 26.01.2011 um 23:08 | Permanenter Link

    Hallo Hans,

    interessanter Bericht. Da gehe ich doch trotz des späten Abends gleich mal einen Bob-o-Link pressen ;-)

    viele Grüße

3 Trackbacks

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