Coffee-Hunting: Kaffee-Exklusivitäten auf der Spur – Vanuatu (2)

Neues von Tanna-Kaffee, Vanuatu. Interview mit Programmleiter Terry Adlington

Vor etwa 3 Wochen erhielten wir die ersten Röstkaffee-Proben von der Vulkaninsel Tanna. Unsere Kommunikation mit dem Programmleiter Terry Adlington hat sich seither intensiviert, und wir tauschen uns rege zu Aspekten der Kaffeeröstung aber auch zum Kaffeeentwicklungsprogramm und Fragen der Nachhaltigkeit aus. Bevor uns Hans demnächst seine Testergebnisse vorstellen wird, hier einige Auszüge aus unserem E-nterview mit Terry.

Terry, wie bist du zu Tanna Coffee gekommen?

Ich bin nun seit mehr als 20 Jahren in der Kaffeeindustrie tätig, ursprünglich selbst als Farmer. In dieser Zeit habe ich jeden Bereich dieser Wertschöpfungkette intensiv kennen gelernt und dabei meine Leidenschaft für dieses Erzeugnis immer wieder auf`s Neue entdeckt. Ich halte Kaffee für eins der großartigsten Produkte unserer Erde.

Die Tanna Coffee Development Corporation (TCDC) ist ja ein privates Unternehmen, wer sind die Inhaber?

Die TCDC gehörte ursprünglich gemeinsam der britischen und der vanuatuischen Regierung. In den 90er Jahren versuchten jedoch die Briten das Unternehmen zu privatisieren und boten es zum Verkauf an. Das klappte nicht, und so wurde es ganz unserer Regierung übereignet. Die überließ es zunächst quasi ihrem Schicksal, um es dann doch an Investoren zu verkaufen. Diese Investoren hatten leider keine Ahnungen von dem Metier, und so zog man 1998 mich zurate, um auszuloten, was es noch für Möglichkeiten gäbe. So wurde ich dann zum Geschäftsführer bestellt und konnte 3 Jahre später zusammen mit meiner Partnerin Marylis gemeinsam die Firma übernehmen.

Sind die Kaffeebauern Teilhaber der TCDC oder haben sie eine Option darauf?

Die Kaffeebauern erhalten insofern eine Art Verzinsung, als sie die Hauptproduktionsflächen an uns verpachten. Wir haben sie in den letzter Zeit intensiv bei der Gründung einer Kooperative unterstützt, die nun endlich operativ ist und das Kaffee-Entwicklungsprogramm selbst organisiert. Je mehr Energie sie in die Entwicklung dieses Geschäfts investieren, desto mehr werden sie auch über Einkommen und steigende Lebensqualität davon profitieren. Das ist unsere gemeinsame Herausforderung.

Was tut sich denn gerade im Kaffee-Entwicklungsprogramm?

Ich bin erst Ende Februar von einer Programmevaluation von Tanna zurückgekehrt. Ich lebe ja die meiste Zeit auf Port Villa auf Ile Moso, das ist eine Insel circa 200 Kilometer von Tanna entfernt.
Seit meinem letzten Besuch vor 6 Monaten hat sich einiges getan. Die Landbesitzer haben etwa 20 Hektar verwilderter Plantagen instand gesetzt und etwa 12 Hektar mit etwa 30.000 Catimor-Kaffeesetzlingen bepflanzt. Das zeigt, dass die Leute die Sache mit großem Optimusmus angehen.

Was leistet das Programm noch alles?

Im Rahmen des Entwicklungsprogramms erhält jeder Bauer kostenlos Kaffeebäume und Schulungen, daneben freien Zugang zu 35 dezentralen Kaffeewaschanlagen, wo sie dann selbständig ihre Ernte aufbereiten. Sie können die Kaffeekirschen aber auch von uns verarbeiten lassen, müssen sie dafür aber zu einer unserer zwei Anlagen selbst anliefern. Zusätzlich zu diesen Anlagen gibt es auf der Insel aber nur eine Schälmaschine und einen Rüttler. Die Bauern haben also mehrere Optionen, wir ermutigen sie aber immer, selbst verstärkt als Unternehmer zu arbeiten. Das ist aber nicht einfach und hängt von der individuellen Einstellung ab. Derzeit nehmen knapp über 500 Bauern an unserem Programm Teil. Mehr als 500.000 Kaffeebäume wurden gepflanzt, von denen aber noch nicht alle tragen, so dass derzeit ca. die Hälfte der Bauern etwa 200.000 Bäume beernten können.

Welche Preise bekommen die Erzeuger von Euch?

Für die reifen Kirschen ca. 0,20 EUR pro Kilo und für den getrockneten, ungeschälten Kaffee etwa 1,76 EUR pro Kilo, das entspricht jeweils etwa dem Doppelten des Weltmarktpreises. Im Schnitt kommen sie damit auf ein Einkommen von 400 Euro jährlich. Zusätzlich reinvestieren wir vom Unternehmen 1 % des Kaffeeverkaufspreises in das Kaffeeprogramm. Wenn man die Familien der Farmer mit einrechnet, profitieren also ca. 25 % der 25.000 Inselbewohner heute schon von der Kaffeevermarktung. Da Kaffee das einzige Produkt der Insel ist, mit dem Cash-Einkommen generiert werden kann, versuchen wir die Menschen in die Lage zu versetzen, möglichst viel der Wertschöpfung lokal zu realisieren und unsere eigenen Kosten als Unternehmen dabei zu minimieren. Derzeit beschäftigen wir auf Tanna nämlich noch 5 Vollzeit- und 5 Saisonarbeiter.

Kommen wir zum Kaffee an sich: Die ursprünglichen Sorten sind im Rahmen Eures Programms praktisch verschwunden, warum?

Ja, rund 99% der Kaffeeproduktion stammt von Catimor Hybriden, aber es gibt noch wenige Bestände mit alten Sorten wie Arusha, Typica und Bourbon. Nach Analyse der Vorgeschichte und auf Grundlage zahlreicher Verkostungen durch die Commonwealth Development Corporation schon vor vielen Jahren, haben wir die besten vier Sorten für die weitere Entwicklung ausgesucht. Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, sind die Bohnen, besonders groß – in der letzten Saison waren 75 % Grade A.

Der Kaffee sieht trotz Langzeitröstung relativ hell aus. Kannst du uns etwas zur Röstung sagen?

Ja, mit der Röstung haben wir über die Jahre viel experimentiert, um Qualität und Produktivität zu optimieren. In der Regel rösten wir den Kaffee in unserem 15 Kilo-Probat Röster bei 250 Grad bis etwa 25 Minuten, je nachdem, ob wir eher helle oder dunkle Röstung wollen.

Unsere mittlere Röstung ist besonders beliebt, aber wir stellen auch dunkle Röstungen her, was dann ein paar Minuten länger dauert. Da der Feuchtigkeitsgehalt der Bohnen leicht variieren kann, dürfen wir uns nicht auf vollautomatische Röstung mit fixer Zeiteinstellung verlassen, sondern wir rösten ´auf Sicht´ und nach Geruch.

Ihr könntet also die Röstung auch an die Kundenwünsche anpassen?

Absolut.

Wie würdest du den Kaffee charakterisieren?

Ich würde sagen, er hat ein nussartiges Aroma, eine saubere, frische Tasse und einen lang anhaltenden nicht bitteren Nachgeschmack. Das Besondere an diesem Arabica ist ja, das er auf nur etwa 400 Meter Höhe wächst, was ihn einzigartig macht. Wie ihr ja sicher wisst, kommen Top-Arabicas eigentlich immer aus dem Hochland und brauchen tiefgründige vulkanische Böden bei gemäßigten Temperaturen um die 18 Grad sowie mehr als 2.000 mm Niederschlag. Und genau diese Verhältnisse haben wir hier, wobei die Breitenlage, also die Entfernung zum Äquator, die fehlende Höhe kompensiert.

In der nächsten Folge berichtet Hans von seiner Kaffee-Verkostung. Und im Interview Teil 2 setzen wir uns mit dem Anbau auf Tanna und Fragen der Nachhaltigkeit auseinander.

Sollten Sie Lust auf Tanna-Kaffee bekommen haben, dann können Sie weiter unten bereits Ihr Interesse für unsere Kaffeekampagne anmelden.

Teil 1 zum Kaffee aus Vanuatu finden Sie hier.

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