Bob-o-Link-Kaffee und Microlots. Auf Einkaufs- und Verkostungstour in Brasilien.

Den letzten Blog-Bericht habe ich zwei Wochen vor unserer Abreise nach Brasilien geschrieben. Zwei Wochen waren wir dann im größten Kaffeeanbaugebiet der Welt und haben sehr viel über Kaffee gelernt. Am 5. September ging es wieder zurück, für Steffi von „Quijote-Kaffee“ nach Hamburg, für mich als Vertreter von „Maskal-fine coffee company“ nach Ottawa. Und zwei Wochen später schreibe ich nun den ersten Bericht über diese spannende Reise.

Erzeugung von Spitzenkaffee: Alle 20 Minuten wird der Kaffee auf Trockenbetten gewendet

Erzeugung von Spitzenkaffee: Alle 20 Minuten wird der Kaffee auf Trockenbetten gewendet


Es hat sich einiges getan seit meinem ersten Besuch vor genau einem Jahr auf der „Fazenda Ambiental Fortaleza“ (“FAF”, Alto Mogiana/Bundesstaat Sao Paulo), der Farm, von der zunächst Maskal und seit letztem Jahr auch Quijote-Kaffee den Bob-o-Link-Kaffee beziehen. Am Auffälligsten: Die Professionalität hat zugenommen, die Struktur stabilisiert sich, neue Partner sind hinzugekommen.

Einsatz modernster Kommunikationsmedien auf der "Fazenda Ambiental Fortaleza": Daniel Croce (links), Pflanzer Joao Hamilton

Einsatz modernster Kommunikationsmedien auf der "Fazenda Ambiental Fortaleza": Daniel Croce (links), Pflanzer Joao Hamilton

Felipe, Youngster auf der Fazenda und frisch gebackener „Q-Grader“, ist ganz in die Rolle des Chef-Verkosters hineingewachsen. So hat er die angenehme Aufgabe, immer wieder beeindruckende Kaffees zu verkosten und mit hohen Punktzahlen bewerten zu dürfen, er hat aber auch oft die unangenehme Aufgabe, Farmern mitteilen zu müssen, dass ihre Kaffees noch keinerlei Spezialitätenkriterien erfüllen, und sie noch viel Arbeit investieren müssen. Mit beiden Aufgaben ist er derzeit voll ausgelastet, die Ernte ist abgeschlossen, und täglich treffen immer wieder Kaffee-Muster bei ihm ein, Kaffee-Muster aus verschiedenen Erntephasen, von unterschiedlichen Terroirs, in verschiedenen Verarbeitungsformen; und alle Farmer wollen natürlich am liebsten sofort wissen, wie ihre Kaffees bewertet und vor allem, wie viel sie dafür bekommen werden. Und in Alto Mogiana erzielen Spitzen-Microlots inzwischen Spitzenpreise: Bis 88 Punkte 6,- USD/lb (454 g), ab 89 Punkte 7,- USD und mehr!

Die Welt soll erfahren, was sich in Alto Mogiana tut: Kaffeepflanzer Celseo beim Fernsehinterview

Die Welt soll erfahren, was sich in Alto Mogiana tut: Kaffeepflanzer Celseo beim Fernsehinterview

Daniel, der älteste Sohn (siehe Bild oben), wächst zunehmend in die Rolle des Exportabwicklers hinein. Die FAF kauft die Kaffees von den beteiligten Farmen zu einem Aufpreis von 0,40 USD-Cents/lb über Börsenkurs (!) auf, macht das Cupping, bewertet die Kaffees, stellt die Bob-o-Link-Blends nach den spezifischen Wünschen der Käufer zusammen, deklariert die terroirspezifischen Microlots, macht alle Kaffees exportfähig und wickelt die Verkäufe ab.

Vater Marcos, der Ahnherr der Bob-o-Link-Idee, zieht sich peu à peu aus dem Export zurück, um sich primär der Beziehungspflege zu den Farmern zu widmen, neue Farmer für die Idee des nachhaltigen Kaffeeanbaus zu gewinnen, und neue Einkommensquellen im nachhaltigen Anbau für die Farmer und seine eigenen Angestellten zu generieren (so stellt er z.B. Land zur Verfügung, auf dem Gemüseanbau für Schulen betrieben wird).

Marcos (links) und Kaffee-Farmer Geraldo

Marcos (links) und Kaffee-Farmer Geraldo

Auch die Fortschritte bei den Kaffeequalitäten ist unübersehbar – zumindest auf einigen der beteiligten Farmen wie denen von Joao Hamilton, Milton oder Gertrudes und Celseo. Die nacherntliche Verarbeitung dieser Kaffees ist durch die weitere Zunahme an Trocknungsbetten und der verstärkten Kontrolle des Trocknungsprozesses absolut top, sowohl bei den Naturals als auch bei den semi-gewaschenen Kaffees. Wir hatten Kaffees auf dem Cuppingtisch, die ohne Übertreibung zu den brasilianischen Spitzenkaffees dieses Jahres gehören – und das von kleinen Familienfarmen, die bis vor wenigen Jahren nur Durchschnittskaffees an die Großkooperative Cooxupé geliefert haben! Und weitere Verbesserungsschritte sind bereits in Gange: in Qualität (Selektion der frisch geernteten Kaffeekirschen durch Farbsortierungsgeräte), und Quantität (Bau weiterer Trocknungsbette)! Die Vorfinanzierungen für das gesamte Equipment werden bislang von der FAF getragen.

Terroir-Kaffee: Präzise Angabe von Varieta?t, Anbauhöhe und Anzahl der Kaffeebäume

Terroir-Kaffee: Präzise Angabe von Varieta?t, Anbauhöhe und Anzahl der Kaffeebäume

Steffi und ich haben insgesamt 1 Woche auf der FAF verbracht. Neben den Besuchen von „Bob-o-Link“-Partnern, deren Zahl seit letztem Jahr von 12 auf 18 gestiegen, die aber in unterschiedlicher Intensität mit der FAF zusammenarbeiten, haben wir 5 Tage lang jeweils mehrere Runden der eingetroffenen Kaffeemuster verkostet und bewertet. Mit von der Partie war neben Felipe noch Justin Miles, seines Zeichens Röster von „Seven Seeds“ (Melbourne/Australien), der derzeit zwei Monate durch Lateinamerika tourt, betraut mit der Luxusaufgabe, einen Container Microlots zusammenzukaufen!

Justin Miles, der Röster von "Seven Seeds" (Melbourne, Australien), beim Verkosten von Bob-o-Link-Kaffees

Justin Miles, der Röster von "Seven Seeds" (Melbourne, Australien), beim Verkosten von Bob-o-Link-Kaffees

Steffis Hauptaufgabe war es, für Quijote-Kaffee mindestens 1 Container des bisherigen fruchtbetonten, dieses Mal allerdings noch etwas besser selektierten Bob-o-Link-Kaffees zu kaufen und mit Felipe einen zweiten, säureärmeren und mehr körperbetonten Bob-o-Link zusammenzustellen. Eher unsere gemeinsame Aufgabe war es, qualitativ hochwertige Microlots ausfindig zu machen und zu kaufen – für Quijote-Kaffee, Maskal und Jörgs Elephantbeans.

Steffi erzählt beim Fernsehinterview  auf der Fazenda ...

Steffi erzählt beim Fernsehinterview auf der Fazenda ...

... von himmlisch guten Kaffees.

... von himmlisch guten Kaffees.

Bis auf die Zusammenstellung des zweiten Bob-o-Link-Kaffees (dazu hat einfach die Zeit nicht ausgereicht) konnten wir alles erledigen. Jetzt warten Steffi und Pingo auf die Muster für diesen Kaffee, und wenn sie diese für gut befinden, werden einige Säcke dieses Kaffees auch an Maskal und Elephantbeans gehen.

Der erste Bob-o-Link-Container geht voraussichtlich am 21. September auf seine Reise nach Hamburg (Ankunft soll der 14. Oktober sein). Ein zweiter Container mit dem neuen Bob-o-Link, Microlots und zusätzlich (wenn ich mich nicht täusche) weiteren 100 Sack des bisherigen, fruchtbetonten Bob-o-Link wird 4 – 6 Wochen später folgen.

Die Reise hat also ihren Zweck erfüllt. Sie war, wie im Titel angekündigt, als Einkaufs- und Verkostungstour geplant. Und genau das war sie. Sie war aber auch eine Reise, die Beziehung zur „Fazenda Ambiental Fortaleza“ und den am Bob-o-Link-Netzwerk beteiligten Farmen gefestigt hat. Und sie hat beflügelt, weiter gemeinsam an den Qualitäten der Kaffees zu arbeiten.

Was wir nach Verlassen der „Fazenda Ambiental Fortaleza“ in Pocos de Caldas (Minas de Sul) gemacht haben, darüber berichte ich beim nächsten Mal.

Ein Trackback

  1. [...] Reise begann in Sao Paulo, führte von dort auf die Fazenda Ambiental Fortaleza, worüber ich im ersten Teil berichtet habe, von dort über Pocos de Caldas wieder zurück nach Sao Paulo. Qualita?tsbewertung [...]

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